Die Faszination, die die RAF hierzulande, zumal für jüngere Menschen, offenbar immer noch ausübt, irritiert zwar, ist jedoch kaum überraschend angesichts des in der Literatur vielfach weichgezeichneten Bildes vom RAF-Terrorismus. Aus der allzu oft personen- und organisationsfixierten Perspektive auf die RAF ist ein ebenso verzerrtes wie redundantes Bild entstanden, das in vielerlei Hinsicht den inzwischen verfügbaren Quellen widerspricht und sich nur innerhalb eines quasinationalen Referenzsystems bewegt.
1968 (Thema)
Am 9. Januar 1974 reiste Joseph Beuys zusammen mit Klaus Staeck und Gerhard Steidl zum ersten Mal nach Amerika. Diese Reise war eine bis ins Detail geplante Performance in Flugzeugen, Taxen, Hotels, Universitäten und Galerien, die umfassend mit der Kamera dokumentiert wurde. Erste Station war die New School in New York, wo Beuys in einem völlig überfüllten Saal eine Lecture hielt, die auch von Künstlern wie Claes Oldenburg, Lil Picard und Al Hansen besucht wurde. Stundenlang erklärte Beuys geduldig sein Modell der Sozialen Plastik und zeichnete drei große Schultafeln voll, um sie am Ende zum Erstaunen vieler wieder auszuwischen. In Chicago kommt es zu einer spontanen Aktion: Als er zufällig am Biograph-Kino vorbeikommt, erinnert sich Beuys an Leben und Sterben des amerikanischen Gangsters John Dillinger und spielt Flucht und Erschießung nach. Anschließend führt die Reise nach Minneapolis, wo Beuys weitere Lectures hielt, Pressekonferenzen gab und ausgedehnte Spaziergänge im Kaufhaus Dayton's unternahm.
Eine berühmte Ohrfeige
Es ist der 7. November 1968. Eine Frau ohrfeigt in aller Öffentlichkeit den deutschen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger und bezeichnet ihn als "Nazi". Diese Frau ist Beate Klarsfeld und diese Ohrfeige steht für ihr jahrzehntelanges Engagement im Kampf gegen alte und neue Nazis. Zusammen mit ihrem Mann Serge hat sie sich der Jagd nach Kriegsverbrechern verschrieben, die sie über Kontinente hinweg aufspürt. Der größte Erfolg für sie persönlich war der Prozess gegen Klaus Barbie, den "Schlächter von Lyon".
Gestandene Umbrüchler und revolutionäre Aufrührer von einst sitzen heute auf den Bänken der Regierung. Der von Rudi Dutschke propagierte lange Marsch durch die Institutionen endete im zuvor verachteten Establishment, die Voraussetzung für sein Scheitern war das Gelingen. Wie kein anderer steht Joseph »Joschka« Fischer für die Generation der Achtundsechziger, für die Liquidierung ihrer Ideen durch Integration. Niemand hätte den Job des Totengräbers effektiver ausfüllen können als er, der eine aufstrebende Partei bändigte, um selbst aufzusteigen. Den Wechsel zu NATO-Kriegseinsätzen und der Armutsverordnung Hartz IV hatten diejenigen zu erledigen, die selbst einmal auf der anderen Seite standen.
Der Mauerfall vor 30 Jahren bedeutete eine gewaltvolle Zäsur für migrantisches und jüdisches Leben in Ost und West. Während die einen vereinigt wurden, wurden die anderen ausgeschlossen. Das vorliegende Buch möchte ausgegrenzte Perspektiven auf die deutsch-deutsche Vereinigung wieder sichtbar machen und an die Kämpfe um Teilhabe in den 1980er Jahren, einschneidende Erlebnisse um die Wende und die Selbstbehauptung gegen den Rassismus der 1990er Jahre erinnern.
"Wolfgang kann nicht lesen", das musste er sich in der Schule von Werner gefallen lassen. Wolfgangs Vater ist im Krieg ums Leben gekommen, Werners Vater dagegen hält seinem Sohn alle Türen zu einem bürgerlichen Leben offen. Ilona entscheidet sich für Werner. Daran ändert sich auch nichts, als Ilona und Wolfgang sich 1968 an der Frankfurter Uni wiedersehen. Gemeinsam erforschen sie den nationalsozialistischen Terror in ihrem Heimatdorf, was für Wolfgang zu einer Lebensaufgabe wird. Irgendwann scheint er sich dabei für die schlechte Tat zu entscheiden, um besser leben zu können. Im Hospiz wird Wolfgang klar, dass er doch noch etwas klären muss…
Gegenseitige Wahrnehmung und Einflüsse von »1968« in der Stadt und auf dem Land.»1968« wurde lange als vor allem urbanes Phänomen wahrgenommen und untersucht. Die gesellschaftlichen Auswirkungen im ländlichen Raum wurden dagegen meist vernachlässigt. Wie jedoch sahen die wechselseitigen Wahrnehmungen und Einflüsse von ländlichen und urbanen sozialen Bewegungen aus? Welche Rolle spielte die junge Generation vor Ort dabei? Dieser Band nimmt nun die kulturellen Angleichungsprozesse zwischen Stadt und Land in den Blick.
Rolf Lapperts großer Roman über Freundschaft, Verlust und den Trost der Erinnerung.
Eine Aussteiger-Kommune auf dem Land, 1980: Die Behörden entdecken vier Kinder, die versteckt vor der Welt aufgewachsen sind. Ihre Schicksale werden auf Schlagzeilen reduziert, doch Frida, Ringo, Leander und Linus sind vor allem Menschen mit eigenen Geschichten. Aus der Isolation in die Wirklichkeit geworfen, blicken sie staunend um sich. Und leben die unterschiedlichsten Leben an zahllosen Orten: In Pflegefamilien und Internaten, auf Inseln und Bergen, als Hassende und Liebende. Wie finden sich Verlorene in der Welt zurecht? In seinem ganz eigenen zärtlich-lakonischen Ton erzählt Rolf Lappert in diesem großen Roman, wie man sich von seiner Kindheit entfernt, ohne sie jemals hinter sich zu lassen.
Die Proletarische Wende nach 1968 umfasste einerseits die breite Hinwendung der intellektuellen Linken (bis weit ins progressive Bürgertum hinein) zur Geschichte und Kultur der Arbeiterschaft, andererseits für die radikale Linke auch den Versuch der Etablierung von Kommunikationsstrukturen mit der (Industrie-)Arbeiterschaft, die Konstituierung hermetischer Organisationsformen (K-Gruppen) und diverse kulturelle Transformationen.
Ein Trip durch die von Pop- und Rockkultur geprägte Ära der ausgehenden Sechziger: "Make Love not War", "Ho Ho Tschi Minh" und "Peace", aber auch "Wer hat uns verraten, Sozialdemokraten" und "Traue keinem über 30" bilden den korrespondierenden Kontrast zu einem der spannendsten und aufregendsten Kapitel des letzten Jahrhunderts. Alles wichtige zu dieser bewegten Ära fasst Michael G. Symolka in diesem Lese-Lexikon zusammen - Musik, Politik, Literatur, Lebensart, Strömungen, Ideologien und Philosophien - darunter auch Schrulliges und Abstruses.