Radikalität (Set Band 1 & 2)
- und der Riss zwischen Theorie und Praxis. - und der Mut zum Gebrauch des eigenen Lebens

Schillernd und fremd, lässt sich Radikalität zu allen Zeiten und in allen Kulturen mit ihrem Hang zum Unbedingten beobachten. Fast immer wirkt sie anstößig und beschämend, wenn auch in Philosophie und Kunst seltener als in Religion, Politik, Gesellschaft. Attraktiv bleibt sie, weil sie etwas Essentielles verspricht: die Schließung des mitunter feinen Risses zwischen Theorie und Praxis, als Versprechen der eigenen Unerpressbarkeit.

ISBN 978-3-7873-5021-6 1. Auflage 17.11.2025 94,00 € Portofrei Bestellen (Buch | Hardcover)

Diesem Riss und seinen unerhörten Auswirkungen geht der erste Band von Mirjam Schaubs großem kulturphilosophischem Entwurf nach. Das Buch entführt in die griechische Antike, als ein Theoretiker noch ein fahrender Kulturbotschafter im Mittelmeerraum und eben kein Philosoph ist. Es fragt nach dem Selbstmord des Sokrates und warum dessen Radikalität zugleich eine Wunde schlägt, die Aristoteles meint heilen zu müssen. Um Nachahmung zu unterbinden und zugleich der Philosophie eine Zukunft zu eröffnen, erfindet Aristoteles die Theorie-Praxis-Lücke, indem er Idee und Tat ein Stück weit auseinanderrückt. 

Diogenes von Sinope aber rebelliert mit drastischen Mitteln gegen diesen heilsamen Schachzug. Er stiftet soziale Unruhe, sorgt für helle Empörung, indem er hedonistische wie asketische Praktiken in aller Öffentlichkeit propagiert. Unfähig, dieses grelle 'Und' aus Askese und Hedonismus auszuhalten, zersplittert das radikale, kynische Erbe und teilt sich, folgt man Michel Foucault, auf in Karneval, Mönchtum und Kunst. Diesem Vorschlag geht das Buch nach. In Venedig eröffnet sich mit der ersten europäischen Pest ab 1348 der Gebrauch einer anonymisierenden Maske: Wer seine Komplizen nicht kennt, kann niemanden verraten. Eine solch selbstironische 'Teilzeitradikalität' setzt auf Selbstdistanzierung, unpersönliche Formen der Interaktion und auf ein Vertrauen, das absichtlich blind ist.

Der zweite Band bricht mit der Vorstellung, Populärkultur und Radikalität seien Gegensätze. Spätestens mit Jeremy Benthams 'Auto-Icon' (1832), dem humanoiden Artefakt, das bis heute im University College of London sitzt, später bei Max Stirner, der Bewegung um 1968 und bei Marina Abramovic verbinden sich Radikalität und Populärkultur und stiften eine radikal neue Form von Egalität. Das schlägt sich nieder in einem ubiquitären Gebrauch, der bislang kaum erforscht ist. Dieser queere und unorthodoxe Gebrauch des eigenen Körpers und Lebens lässt sich weder als Handlung noch als Mittel-Zweck-Relation, noch als Nutzenkalkül beschreiben. Spätestens mit der Konjunktur von Krypto-Währungen gerät er zum radikalen Angelpunkt, um das Denken in Besitzkategorien auszuhebeln: Radikaler Gebrauch erscheint plötzlich schützenswerter als einst der Besitz.

Das Buch verfolgt den unbedingten Selbstgebrauch in Politik, Kunst und Populärkultur von der Stadtguerilla über radikale Kunstprojekte bis hin zu NFTs, Hackern wie dem Anonymous-Kollektiv und den Aktivistinnen und Aktivisten der »Letzten Generation«. Es enthält und analysiert auch einen bisher unbekannten Kassiber, den Gudrun Ensslin 1969 aus der Haft schmuggeln ließ. Radikalität erweist sich in der künstlichen Herstellung von Gleichheit unter Ungleichen - ungleich an Talenten, Chancen, Mitteln - als wirksames soziales Korrektiv.

Mehr Infos

Inhaltsverzeichnis und Leseprobe des Verlags Band 1 

Inhaltsverzeichnis und Leseprobe des Verlags Band 2

Interview mit der Autorin

Ein Gespräch mit der Philosophin Mirjam Schaub anlässlich ihrer soeben erschienenen Kulturphilosophie der Radikalität. [Podcast 59:45] Mit Nora Sdun untergrundblättle 25.11.2025

Rezension

Philosophin: Demokraten sollten mehr Radikalität wagen: Die liberale Gesellschaft braucht Radikalität, verstanden als „smarte Form von Unbedingtheit“, ist die Hamburger Philosophin Mirjam Schaub überzeugt. Nur so kann sie sich vor Extremismus schützen, der im Unterschied zur Radikalität zerstörerisch ist. Von Harald Stutte rnd 04.01.2026

Autoreninfos

Mirjam Schaub (* 1970) ist Philosophin und Autorin. Als ausgebildete Journalistin arbeitet sie für Radio, Zeitungen und Fernsehen. Sie ist Professorin für Kulturphilosophie und Ästhetik an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg.

Wikipedia (DE): Mirjam Schaub

Die Einzelbände

1. Auflage 17.11.2025 , Deutsch

Schillernd und fremd, lässt sich Radikalität zu allen Zeiten und in allen Kulturen mit ihrem Hang zum Unbedingten beobachten. Fast immer wirkt sie anstößig und beschämend, wenn auch in Philosophie und Kunst seltener als in Religion, Politik, Gesellschaft. Attraktiv bleibt sie, weil sie etwas Essentielles verspricht: die Schließung des mitunter feinen Risses zwischen Theorie und Praxis, als Versprechen der eigenen Unerpressbarkeit.

ISBN 978-3-7873-4938-8 1. Auflage 17.11.2025 48,00 € Portofrei Bestellen (Buch | Hardcover)
1. Auflage 17.11.2025 , Deutsch

Der zweite Band von Mirjam Schaubs großer kulturphilosophischer Untersuchung bricht mit der Vorstellung, Populärkultur und Radikalität seien Gegensätze. Spätestens mit Jeremy Benthams 'Auto-Icon' (1832), dem humanoiden Artefakt, das bis heute im University College of London sitzt, später bei Max Stirner, der Bewegung um 1968 und bei Marina Abramovic verbinden sich Radikalität und Populärkultur und stiften eine radikal neue Form von Egalität.

ISBN 978-3-7873-5000-1 1. Auflage 17.11.2025 48,00 € Portofrei Bestellen (Buch | Hardcover)
Autoren

Erstellt: 15.01.2026 - 21:48  |  Geändert: 15.01.2026 - 22:05