I:BR

Tier aus Stein, Tier aus Gold. Einer muss zu Stein werden, der andere zu Gold, der Dritte aber wird sehend blind sein. Von Lilli Thal. Rezension von Britta Kiersch

REZENSION
Tier aus Stein, Tier aus Gold.   Gerstenberg Verlag   ISBN 978-3-8369-5919-3

Es ist schon sehr lange her, dass ich „Mimus“ von Lilli Thal las. Das war ein toller Roman, der im Mittelalter spielte und in dem ein König von einem Gegenspieler überlistet, mit seinem Gefolge gefangen genommen und eingekerkert wird. Damals hat mich nachhaltig beeindruckt, dass die Autorin die Geschichte nicht mit der glücklichen Heimkehr enden lässt bzw. mit dem Satz „sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage“, sondern deutlich macht, dass langes Eingesperrtsein und die damit einhergehende Ungewissheit schreckliche Spuren hinterlässt oder Menschen sogar ganz zerstört. Dadurch verstärkte sich mein Eindruck, dass diese Autorin ihren Lesern nichts vormachen will und Kindern die Wahrheit sagt, auch wenn sie hart ist.

Alice Littlebird. Von Grit Poppe. Rezension von Theresa

REZENSION  
Alice Littlebird. Von Grit Poppe   Peter Hammer Verlag   ISBN 978-3-7795-0632-4

Von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis 1996 wurden in Kanada Residential Schools betrieben. Die Kinder der Ureinwohner wurden ihren Eltern oft jahrelang weggenommen, um sie in Internatsschulen umzuerziehen. Der staatliche Auftrag an die sogenannten Residential Schools lautete: „to kill the Indian in the child“ also „den Indianer im Kind töten“.

Die Kinder durften nicht mehr ihre eigene Sprache sprechen oder eigene Kleidung tragen. Sie sollten von Priestern und Nonnen zu einer ihnen fremden Religion und Kultur umerzogen werden. Außerdem mussten sie hart arbeiten und durften keinen Kontakt zu ihren Geschwistern haben.

Monster mögen Marmelade. Von Andrea Schomburg. Rezension von Britta Kiersch

REZENSION  
Monster mögen Marmelade. Von Andrea Schomburg   Tulipan Verlag   ISBN 978-3-86429-494-5

Dies ist das perfekte Bilderbuch für Kinder, die Angst vor Monstern haben. Und für deren Eltern, die sich wünschen, ihrem Kind diese Angst zu nehmen.

In eingängigen, rhythmischen und phantasievollen Reimen erklärt Andrea Schomburg sehr anschaulich, wieso Kinder von Monstern nichts zu befürchten haben, denn diese Wesen fressen zwar so ziemlich alles aber absolut nie, nie, niemals Kinder! Neben ganz verständlichen Vorlieben für Marmelade, Currywurst, Schokolade und Apfelschorle bevorzugen Monster ganz abscheuliche Dinge:

Skeleton Tree. Nur die Wilden überleben. Von Iain Lawrence. Rezension von Britta Kiersch

REZENSION
Skeleton Tree. Nur die Wilden überleben. Von Iain Lawrence   Verlag Freies Geistesleben   ISBN: 978-3-7725-2973-3

Als der zwölfjährige Chris von seinem Onkel zu einem Segeltrip entlang der Küste Alaskas eingeladen wird, freut er sich sehr, denn er liebt den abenteuerlustigen und draufgängerischen Onkel Jack, der so ganz anders ist als Chris‘ Vater, der Buchhalter war und bereits gestorben ist. Als Chris zum Boot kommt, muss er feststellen, dass noch ein anderer Junge mit von der Partie ist: Frank ist zwei bis drei Jahre älter als er selbst und seltsamerweise erklärt Onkel Jack nicht, wer Frank eigentlich ist. Dummerweise sind die beiden Jungen sich von Anfang an unsympathisch: Frank behandelt Chris von oben herab, ist mürrisch, besserwisserisch und großspurig.

Als das Boot schon nach zwei Tagen in einen schweren Sturm gerät und kentert, kommt Jack ums Leben kommt und die beiden Jungen können sich nur mit größter Mühe an Land retten.

Alles, was passieren wird. Von Katharina Hacker. Rezension von Britta Kiersch

REZENSION  
Alles, was passieren wird. Von Katharina Hacker   Verlag Fischer Sauerländer   ISBN: 978-3-7373-5820-0

Man nehme: Sehr viel Hund, nicht ganz so viel Pferd, ein trauriges und zwei weitere Mädchen und einen Jungen. Das sind die Basics für das soeben erschienene Kinderbuch der renommierten Autorin, die sich mit Prosa und Lyrik einen Namen gemacht hat und auch mit dem Deutschen Buchpreis 2006 geehrt wurde. Es fällt mir schwer, aber ich kann nicht nur Gutes über dieses Buch sagen:

Iris ist 14 und der Tod ihrer Mutter vor einigen Monaten lastet immer noch schwer auf ihr, zumal auch ihr Vater noch sehr in seiner Trauer gefangen ist und ihr so gut wie keine Aufmerksamkeit schenkt. Zu ihrem großen Unglück sind sie vor Kurzem aus der alten Wohnung innerhalb Berlins in eine winzige, billigere Wohnung umgezogen. Iris findet es schrecklich dort.

Stuart Horten - Band 1. Acht Münzen und eine magische Werkstatt. Von Lissa Evans. Rezension von Samuel

REZENSION 
Stuart Horten - Band 1. Acht Münzen und eine magische Werkstatt. Von Lissa Evans   Mixtvision Verlag   ISBN 978-3-95854-135-1  

Stuart Horten ist zehn Jahre alt. Er ist sehr klein für sein Alter. Als er erfährt, dass er zu Beginn seiner Sommerferien mit seinen Eltern in die Kleinstadt Beeton ziehen soll, ist er wenig begeistert. An seinem neuen Wohnort kennt er natürlich zunächst niemanden und fühlt sich sehr einsam. Zu allem Überfluss sind die Nachbarsmädchen besserwisserisch und ziemlich aufdringlich. Sie haben sich eine eigene Beschäftigung in den Ferien gesucht und schreiben den Beech Road Guardian, eine Zeitung, die sie gegründet haben und in der sie nicht immer ganz wahrheitsgetreu berichten. Sie sehen in Stuart die nächste Schlagzeile für ihr Blättchen und nehmen die Verfolgung des Jungen auf. Als Stuart die ersten langweiligen Tage überwunden hat, stößt er in den Sachen seines Vaters auf eine merkwürdige Spardose, in deren Geheimfach er acht Threepenny-Münzen und eine geheimnisvolle Nachricht seines Großonkels Kenny Horten findet. Dieser war ein berühmter Zauberer, der vor 70 Jahren auf vielen Bühnen mit spektakulären Illusionen sein Publikum beeindruckte.

Online-Talk: SOS Jugendbuch? Erreichen Jugendbücher noch ihre Leser*innen?

MDR Kultur Termin: 27. Oktober 2021, von 16.00 bis 17.00 Uhr

Die Diskussionsrunde wird auf YouTube live gestreamt und steht dort auch im Anschluss zur Verfügung.

Mit Labels wie "Young Adult" oder "Crossover" versuchen Verlage, eine breite All-Age-Leserschaft anzusprechen, doch wie die JIM-Studie 2020 zeigt, bleibt die Gruppe der jugendlichen Vielleser*innen überschaubar. Nur circa 35 Prozent greifen regelmäßig zum gedruckten Buch.

YouTube, Netflix, Whatsapp und Instagram hingegen sind unter vielen Jugendlichen beliebt. Wie aber steht es um das Jugendbuch und die Leselust der jungen Zielgruppe? Findet das gedruckte Buch noch zu seinen Leserinnen und Lesern? Gibt es andere Lesemedien, die dem gedruckten Buch womöglich den Rang ablaufen? Und: Wie reagieren Verlage auf die veränderten Lesegewohnheiten? Welche Konzepte und Labels funktionieren?

Zu diesen Fragen organisieren der Arbeitskreis für Jugendliteratur (AKJ), die Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen (avj), der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und die Stiftung Lesen am 27. Mai 2021 um 16 Uhr eine digitale Diskussionsrunde.

Wer hat Angst vor der Angst? Das große Buch über die Angst, nicht nur für kleine Angsthasen. Von Milada Rezková. Rezension von Britta Kiersch

Wer hat Angst vor der Angst? Das große Buch über die Angst, nicht nur für kleine Angsthasen. Von Milada Rezková   Helvetiq Verlag ISBN 978-3-907293-09-6

Was für ein unfassbar fülliges, überraschendes und kluges Buch! Auf stolzen 200 Seiten dreht sich alles um die Angst und ihre vielen Facetten. Es ist durchaus geeignet, um Kindern (und Erwachsenen) das Gefühl der Angst zu erklären, den Sinn dieses Gefühls deutlich zu machen und die Angst vor der Angst zu nehmen, weil sie uns ja vor Schaden und Gefahren bewahrt und somit wichtig und unverzichtbar ist. Es geht also darum, dass wir die Angst als Teil unseres Lebens begreifen, denn ein Gewitter kann tatsächlich gefährlich für uns sein oder darum, Verbote der Eltern zu begreifen, weil sie Angst um ihr Kind haben.

Hier im echten Leben. Von Sara Pennypacker. Rezension von Britta Kiersch

REZENSION 
Hier im echten Leben. Von Sara Pennypacker   Verlag Fischer Sauerländer   ISBN 978-3-7373-5822-4

Ware ist 11 Jahre alt und jemand, der sich oft selbst genügt. Ein Beobachter, der gern in seinen Gedanken ist. Seine Mutter hingegen ist eine extrovertierte, durchgetaktete Person, die mit seiner Art nicht so gut klarkommt, immer Sorgen hat, dass er zu viel allein und irgendwie unsozial sei. Weil sie und ihr Mann einen Arbeitsmarathon durchziehen wollen, um das Haus, in dem sie wohnen, zu kaufen, soll Ware in den Sommerferien in die städtische Ferienbetreuung gehen. Er findet es schrecklich dort und schon am ersten Tag seilt er sich auf das brachliegende Nachbargrundstück ab, auf dem auch die Überreste eine Kirchenruine stehen. Ware interessiert sich intensiv für das Leben und die Werte der Ritter und in den nächsten Tagen beginnt er, die Ruine in eine Burg zu verwandeln. Allerdings ist er nicht allein auf dem Grundstück: Jolene war bereits vor ihm dort und hat mit grünem Daumen begonnen, dort eine Papaya-Plantage zu pflanzen ...

Dinge, die so nicht bleiben können. Von Michael Gerard Bauer. Rezension von Britta Kiersch

REZENSION  
Dinge, die so nicht bleiben können. Von Michael Gerard Bauer   Hanser Verlag   ISBN 978-3-466-26801-2

Mit seinem Buch „Nennt mich nicht Ismael“ und den beiden Folgebänden ist der australische Autor auch hierzulande bekannt geworden und weil seine herrlichen Dialoge wunderbar vorzulesen sind, ist er nach wie vor „Stammgast“ beim Vorlesewettbewerb. Sein neues Buch richtet sich an eine etwas ältere Zielgruppe, denn die Hauptfiguren sind bereits in ihrem letzten Highschool-Jahr und treffen sich beim Tag der Offenen Tür auf dem Campus. Es gibt eine Vergleichbarkeit zwischen den beiden Büchern, denn auch in seinem neuen Roman beschreibt Michael Gerard Bauer seinen männlichen Ich-Erzähler als zurückhaltend, korrekt und darauf bedacht, um keinen Preis aufzufallen oder unerlaubte Dinge zu tun. Auch hier muss er allerdings im Laufe der Geschichte aus den gewohnten Bahnen ausbrechen und über seinen Schatten springen, allerdings hat er im neuen Roman dafür nur diesen einen Tag Zeit.

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