Nicht erst seit dem spektakulären Diebstahl Mitte Oktober 2025, bei dem Maskierte Schmuck von unschätzbarem Wert aus dem Pariser Louvre klauten, sind Diebe in aller Munde. Bereits ab Anfang des 20. Jahrhunderts verbreiteten sich Geschichten von eleganten Draufgängern, von kaltblütigen Gangstern, die sich nahmen, was ihnen vorenthalten wurde, und von modernen Robin Hoods, die die Reichen bestahlen, um den Armen zu geben. Zu Letzteren zählte auch Alexandre Marius Jacob, der sich mit seiner Diebesbande, den »Travailleurs de la nuit«, die Umverteilung zur Aufgabe gemacht hatte - weniger durch revolutionäre, gesamtgesellschaftliche Enteignung als durch eine allnächtliche Abschöpfung von Werten. Der dabei zur Anwendung gebrachte Humor und Einfallsreichtum inspirierte angeblich sogar Maurice Leblanc zu seinem Meisterdieb Arsène Lupin.
Anarchie (Thema)
Zusammenfassung
Dieses Dokument synthetisiert die zentralen Thesen aus Wolfgang R. Heuers Analyse der argentinischen Geschichte, die eine tief verwurzelte Kontinuität struktureller Gewalt und politischer Instabilität aufzeigt. Die Kernthese besagt, dass die gegenwärtigen Krisen Argentiniens – von ökonomischer Dauerkrise und systemischer Korruption bis hin zu gesellschaftlicher Zerrissenheit – nicht isoliert betrachtet werden können, sondern das Ergebnis einer langen historischen Entwicklung sind. Diese „Genealogie der Gewalt“ reicht von den anarchischen Bürgerkriegen des 19. Jahrhunderts, geprägt durch die Herrschaft der Caudillos und eine Kultur der Grausamkeit, über die genozidale Expansion in Patagonien bis hin zu den Militärdiktaturen und dem Staatsterrorismus des 20. Jahrhunderts.
Der Terror der letzten Militärdiktatur Argentiniens von 1976 bis 1983 mit etwa 30.000 Opfern steht in einer Reihe von Gewaltverhältnissen, die seit der Unabhängigkeit von Spanien alle bekannten Formen durchliefen: Bürgerkriege, Diktaturen und Genozide an der Urbevölkerung. Diese Kultur der Grausamkeit begleitet und verstärkt die soziale Ungleichheit sowie die Schwäche und Bestechlichkeit staatlicher Institutionen.
Wolfgang R. Heuer erzählt anhand kurzer Episoden die Geschichte der politischen Gewalt in Argentinien.
»Hochkultur« und Anarchie sind durchaus vereinbar - mit radikalen Folgen auch für den Blick auf unsere eigene Zeit.
Organisierte Religion diente zu allen Zeiten der Herrschaftssicherung. Karl Marx erblickte in ihr zugleich den »Seufzer der bedrängten Kreatur«. Dass in der Religion auch eine wütende Anklage stecken kann, ja das über ihre Erzählungen transportierte Wissen sogar einen Schutzschild gegen die Entstehung von Herrschaft bilden kann, ist dagegen ein Wissen, das historische Befreiungsbewegungen zwar immer wieder aktualisiert haben, die Forschung aber zu vergessen droht.
Demokratie in Not, bedrängt vom Extremismus aller Seiten und im Stich gelassen wegen wachsender Politikabstinenz in der gesellschaftlichen "Mitte". Immerhin: Hunderttausende folgen brav den Aufrufen zum Rettungseinsatz, fordern gemeinsam mit den Regierenden "Rettet die Demokratie". Doch was, wenn die Demokratie gar nicht die beste Staatsform wäre? Was, wenn sie sogar selbst die Ursache für die Probleme wäre? Wäre mehr Demokratie als Antwort auf die Krisen dann nicht der Versuch, mit Öl das Feuer zu löschen?
Der Autor und Aktivist Jörg Bergstedt stellt das scheinbar Selbstverständliche in Frage − und hat gute Argumente dafür.
Die schöne neue Welt nach dem Kapitalismus
Revolution machen kann (fast) jeder. Eine neue Gesellschaftsordnung aufbauen: das schaffen nur ein paar Nerds. Und Sibylle Berg. Nach einer gelungenen Revolution, die das Finanz- und Gesellschaftssystem sanft beseitigt hat, wird sie endlich errichtet: die schöne neue Welt nach dem Kapitalismus.
David Graebers Vermächtnis
»Die ultimative heimliche Wahrheit der Welt besteht darin, dass wir selbst die Welt gestalten und sie genauso gut anders gestalten könnten.«
Kaum jemand dachte so frei, kaum jemand schrieb so geistreich gegen den Kapitalismus und die aus ihm erwachsene Unfreiheit an: David Graeber gehört zu den radikalsten Denkern der letzten Jahrzehnte. Dieser Band versammelt 18 so überraschende wie intellektuell anregende Texte zu seinen wichtigsten Themen - die Essenz seines Schaffens und sein geistiges Vermächtnis.
"Das Stadion hat sich inzwischen in eine dieser aberwitzigen Rummelattraktionen verwandelt. Es fliegt auf und ab und dreht sich dabei beständig im Kreis, während ein Marktschreier bereits die nächste Runde anpreist. Die Lichter zucken, von irgendwo dringen Schreie an mein Ohr. Paul und ich stehen in der Mitte und gleichen die ruckartigen Bewegungen unserer Umwelt durch gazellengleiches Dahingleiten aus, während wir in Großbuchstaben "Ihr habt uns in Beton geboren, und nun wundert ihr euch, dass wir mit Steinen schmeißen" auf den Rasen schreiben.
Über Hillary Clintons Vorgängerin darf man eines getrost sagen: Sie stammte nicht aus dem politischen Establishment. Vielmehr stammte sie aus der Gosse: Victoria Woodhulls Familie war ein vagabundierender Clan, der sich mit Quacksalberei über Wasser hielt und seine Töchter anschaffen schickte. Die hübsche junge Frau mit dem scharfen Verstand schlug selbst daraus Kapital. Bald war sie eine der schillerndsten Figur im New Yorker Rotlichtmilieu. Als ein Kunde ihr Kursmanipulationen verriet, kaufte sie Börsenaktien – und wurde über Nacht reich.
Im Leben wie im Denken so radikal wie kaum ein zweiter, sind Élisée Reclus' politische, anthropologische und ökologische Schriften aktueller denn je. Nach der Freiheit des Menschen strebend, lehnt er alle Autoritäten außer derjenigen der Vernunft ab und wusste schon vor 150 Jahren, dass die Menschheit auf Gedeih und Verderb ein Ganzes mit dem Planeten bildet. Mitten in der Entstehungsphase der Moderne sieht er ihre ökologische Krise voraus und regt zur Erfindung neuer solidarischer Beziehungsformen an, die über die Menschen hinaus auch die Tiere und Pflanzen einschließen.