Herzfaden. Roman der Augsburger Puppenkiste. Von Thomas Hettche Kiepenheuer & Witsch ISBN 978-3-462-05256-5
Jeder kennt die Augsburger Puppenkiste, aber nicht das Urmel oder der Gestiefelte Kater, nicht Jim Knopf oder Bill Bo sind die Hauptfiguren dieses Buches, sondern die Familie Oehmichen, die hinter dem Mythos der Marionetten steckt, jene Menschen, die sich am anderen Ende der Fäden befinden.
Der Begründer der Puppenkiste Walter Oehmichen, der Oberspielleiter des Augsburger Theaters war, lernte im Krieg das Schnitzen und baute nach dem Krieg das Provisorium mit den hölzernen Türen aus Teilen einer Transportkiste der Deutschen Reichsbahn. Oehmichen wurde nicht entnazifiziert, weshalb er nicht ans Theater zurückkonnte und außerdem war er mittlerweile dem Reiz der Marionetten erlegen. Es geht in dem Roman nicht darum eine dunkle Seite in seinem Leben zu finden, aber natürlich wurzelte die Puppenkiste, die zu einem heißgeliebten Symbol der frühen Bundesrepublik wurde, wie vieles in den Jahren des Neubeginns nach 1945 im „Dritten Reich“.