Hundertsiebenundachtzig Tage. Roman von Ludovic Lecomte. Rezension von Britta Kiersch
Hundertsiebenundachtzig Tage. Roman von Ludovic Lecomte Mixtvision ISBN 978-3-95854-254-9
„Die Hand an die Türklinke legen
die Tür aufmachen
die Schwelle überschreiten
den Garten durchqueren
durch das kleine Tor gehen
auf die Straße treten
ein paar Schritte machen
Dann… werde ich es geschafft haben
werde einfach nur draußen gewesen sein
werde einfach nur ein paar Meter
zurückgelegt haben
Zum ersten Mal
Seit sechs Monaten“
Ein Teenager, wir erfahren seinen Namen nicht, erzählt von seinen Ängsten, die dafür sorgen, dass er es irgendwann nicht mehr schafft, das Haus zu verlassen, welchen Stress z. B. allein schon das Öffnen der Haustür erzeugt, wenn er die Katze hinauslassen muss. Als Leser begleitet man ihn durch diese 187 Tage, in denen er sich nach und nach der Situation stellt und versucht zu begreifen, was da mit ihm passiert. Wie sich das Verhältnis zwischen ihm und seinen Eltern entwickelt, wie er mit einer Therapeutin zusammen an seinem Zustand arbeitet. Alte Freundschaften schlafen in dieser Zeit ein, aber es entsteht auch eine neue zu einem Mädchen, das Ähnliches erlebt hat und mit der er sich hervorragend austauschen kann, die entweder die richtigen oder im passenden Moment keine Fragen stellt, der er sich bedingungslos anvertrauen kann und sich verstanden fühlt.
Es ist ein schmales Bändchen, dass sich restlos auf den Umgang des Jungen mit seinen Ängsten an diesen 127 Tagen beschränkt. Der Autor tut dies pragmatisch und schnörkellos, was ich als sehr wohltuend empfunden habe. Auf diese Art kann man Interesse wecken und Verständnis erwirken.