12 Süßigkeiten und 2 Todesfälle. Von Elin Lindell. Rezension von Britta Kiersch

12 Süßigkeiten und 2 Todesfälle. Von Elin Lindell   Klett Kinderbuch   ISBN 978-3-95470-324-1

Uno wartet im Aufenthaltsraum eines Krankenhauses auf seinen Vater, der bei Stiefopa Roffe ist, der wahrscheinlich bald sterben wird. Der Fernseher ist an: Es lief irgendein Rennen. Aber als ich genauer hinschaute, merkte ich, dass sie gar nicht rannten – sie gingen. Die Läufer sahen aus, als müssten sie ganz dringend aufs Klo, und kniffen auf dem Weg dahin die Pobacken zusammen. Ich versuchte, die Hüften so zu schwingen, wie die Männer im Fernsehen. Es war gar nicht so schwer. Ich wackelte mit dem Po hin und her und wedelte mit den Armen. „Was machst du da?“ Ich stoppte mitten im Powackeln. Es war das Mädchen aus dem Fahrstuhl.

Ich hab nicht so viel Stimme. Sie reicht gerade so für Gespräche mit Menschen, die ich schon kenne. Mama, Papa, Otto, Nonna. Manchmal noch für meinen Onkel, Oma und Opa. Nicht für die Frau an der Supermarktkasse. Nicht für meine Lehrerinnen in der Schule. Nicht für Betrunkene in der U-Bahn. Nicht für Nachbarn im Fahrstuhl. Nicht für die Kinder in meiner Klasse, denn die kenne ich auch nicht richtig.

Aber zwischen Uno und Katjes (von Katja-Jessica) stimmt die Chemie vom ersten Moment zu einhundert Prozent, und der unglaublich schüchterne Junge kann sich überwinden und spricht, erklärt dem Mädchen, was es mit dem Powackeln auf sich hat und schon bald machen die beiden ein Wettrennen, weil auch Katjes ganz wunderbar mit dem Po wackeln kann. Sie wackeln gemeinsam auf den Flur hinaus und versinken vollständig im gemeinsamen Spiel. Bis Katjes von ihren Müttern abgeholt wird. Gut, dass Uno seinen Vater am nächsten Tag wieder ins Krankenhaus begleiten kann, denn für Uno steht schon fest, dass Katjes seine beste Freundin ist. Mit ihr kann er sprechen und einfach so sein, wie er ist.

Aber als Uno das nächste Mal mit ins Krankenhaus geht und hofft, Katjes dort zu treffen, ist sie nicht da, denn ihre Oma (wegen der sie dort war) ist, genauso wie Roffe, gestorben. Uno ist verzweifelt. Wie soll er Katjes wiederfinden? Er hat ja keine Adresse, nur ein paar Anhaltspunkte und seine Eltern glauben sowieso, dass er sie erfunden hat, sie eine imaginäre Freundin ist. Uno macht sich auf die Suche und findet Katjes am Ende tatsächlich wieder.

Dieses Buch ist auf der einen Seite unglaublich lustig. Elin Lindells Humor trifft absolut ins Schwarze. Auf der anderen Seite gelingt es ihr aber obendrein, ernste und wichtige Themen zu verhandeln. Uno ist sich seiner Schüchternheit bewusst. Er versucht nicht krampfhaft, etwas daran zu ändern, aber als er Katjes kennengelernt hat und ihm klar wird, dass er auch ganz anders sein kann, ist er sofort bereit. Dieses Mädchen will er wiederfinden, denn mit ihr ist ihm etwas gelungen, von dem er nicht wusste, dass es so gehen kann. Oder der Tod. Er ist kein zentrales Thema, aber die Autorin lässt auch dies ganz nebenbei in ihren Roman einfließen.

12 Süßigkeiten und 2 Todesfälle. Von Elin Lindell

Erstellt: 03.04.2026 - 09:41  |  Geändert: 03.04.2026 - 09:45