Kerstin ist sieben Jahre alt, und ihre Lieblingsfarbe ist Gold. In einem geheimen Kästchen unter ihrem Bett sammelt sie alles, was golden glänzt, zum Beispiel Bonbonpapier. Aber das Beste und Goldenste an Kerstin sind ihre Haare. Ihre Freundin Fatima sagt, die Haare wären orange, dabei stimmt das gar nicht. Kerstins neuestes Fundstück ist ein wunderschöner goldener Ring, der in der Schule auf dem Boden lag. Doch als die Lehrerin fragt, ob jemand ihren Ring gesehen hat, kommt kein einziger Ton über Kerstins Lippen. Und dann ist es zu spät, um die Wahrheit zu sagen ...
I:BR (Thema)
Auf dem Gipfel wachsen Chinanudeln 1. Von Benjamin Tienti und Sebastian Kiefer Dressler Verlag ISBN 978-3-7513-0005-6
Schon in seinen ersten Kinderbüchern hat mich die lässige Erzählweise von Benjamin Tienti, der nicht nur Autor, sondern auch Musiker und Schulsozialarbeiter in einer Berliner Schule ist, überzeugt. In diesem Milieu, in Neukölln, spielt dieser Roman, den er zusammen mit einem Band-Kollegen geschrieben hat. Elmo ist 11 Jahre alt und in einer schwierigen Phase seines Lebens, denn sein älterer Bruder ist vor kurzem direkt vor ihrem Haus wegen einer defekten Ampel bei einem Autounfall ums Leben gekommen und Elmo ist gerade erst aus einer Art Schockstarre aufgetaucht.
Der elf-jährige Elmo lebt in Neukölln und ist Detektiv. Seine Fälle sind ihm eine willkommene Ablenkung, denn seit sein großer Bruder gestorben ist, ist nichts mehr wie vorher. Als Elmo auf die superschlaue Gamerin Tuna trifft, begibt er sich mit ihr auf die Suche nach der Meistermelodie im berühmt-berüchtigten Online-Spiel MELOdiy. Wer gewinnt, wird reich belohnt. Doch Elmo und Tuna sind nicht die Einzigen, die hinter der Meistermelodie her sind. Und so wird aus einem harmlosen Fall ein riesengroßes, aberwitziges Abenteuer.
Licht zwischen den Bäumen. Von Una Mannion Steidl Verlag ISBN 978-3-95829-973-3
Dieser Debütroman wirkt in weiten teilen wie ein Krimi und dann auch wieder wie ein Entwicklungsroman. erzählt wird die Geschichte von fünf Geschwistern, die bei der Mutter leben. Der Vater starb, aber da lebte er schon länger von seiner Frau getrennt. Die älteste ist Marie, Punkmusik-Fan, Thomas ist wissenschaftlich interessiert und Ellen hat eine große künstlerische Begabung. Und Libby, die uns die Geschichte dieses Sommers in den 80ern erzählt, steckt fest in den Klauen der Pubertät, mit all den Gefühlsschwankungen, den Vorurteilen und einer gewissen Verbohrtheit. Die Jüngste ist die stille Beatrice, die ziemlich sicher einen anderen Vater hat.
Junges Gemüse. 800 leckere Rezepte für mehr Grünzeug auf dem Teller. Hrsg. Robert Klanten Die Gestalten Verlag ISBN 978-3-89955-080-1
Dieses wunderschön gestaltete Buch ist ganz anders, als wir es momentan von Kochbüchern gewohnt sind: keine Mengenangaben und keine konkreten Zutatenlisten. Das lässt den Betrachter erstaunen. Aber auch die gesamte Konzeption basiert auf einem völlig ungewohnten, aber überzeugend praxisnahen Schema.
Vater und ich. Dilek Güngör Verbrecher Verlag 978-3-95732-492-4
Ipek ist eine erfolgreiche Journalistin. Sie kommt für ein paar Tage nach Hause, um dem Vater Gesellschaft zu leisten, solange die Mutter verreist ist. Echte Gespräche führen sie aber schon lange nicht mehr, es reicht nur für den alltäglichen Austausch von Informationen und Absprachen. „Uns..., dir und mir, uns ist das Sprechen eine Last... Wir schleppen uns von einem Satz zum nächsten... Gehen einander aus dem Weg, doch nur so weit, dass wir uns noch immer im Weg stehen.“
Und das belastet Ipek sehr, denn als sie Kind war, hatten sie einen absolut vertrauten und selbstverständlichen Umgang miteinander. Als Ipek in die Schule kam und mit der deutschen Sprache, mit Bildung und Kultur konfrontiert wurde, fand sie mit dem Vater keine gemeinsame Sprache mehr. Die kindlichen Spiele hörten auf. Die Lücke konnten sie nicht schließen, im Gegenteil. Sie wurde größer als Ipek in die Pubertät kam. Die Erfahrung mit der deutschen Sprache entfremdete sie zunehmend ihrer Muttersprache.
Der Nachtwächter. Von Louise Erdrich Aufbau Verlag ISBN 978-3-351-03857-1
„Am 1. August 1953 verabschiedete der Kongress der Vereinigten Staaten eine Resolution, mit der Verträge zwischen souveränen Nationen, gültig, ‚solange das Gras wächst und die Flüsse fließen‘, für nichtig erklärt wurden. Der Beschluss sah vor, langfristig sämtliche indianische Nationen aufzulösen, zu ‚terminieren‘, und für fünf Stämme, darunter der Turtle Mountain Band of Chippewa, sollte dies mit sofortiger Wirkung geschehen.“
Louise Erdrich setzt sich in ihrem Roman mit den historischen Verwicklungen um diese Resolution auseinander, die dafür sorgen sollte, Hunderttausende zu assimilieren und der Heimat zu berauben. „Der Nachtwächter“ Thomas Wazhashk setzt alles daran, das unvermeidlich scheinende, brutale Ende, das auf bürokratische Weise verfügt werden soll, zu verhindern.
Barbara stirbt nicht. Von Alina Bronsky Kiepenheuer&Witsch Verlag ISBN 978-3-462-00072-6
Barbara Schmidt ist seit über 50 Jahren mit ihrem Mann Walter verheiratet. Jetzt ist Barbara ernsthaft krank und das ist eine echte Herausforderung für ihren Mann, der noch nicht einmal weiß, wie man die Kaffeemaschine bedient. Die erwachsenen Kinder, raten ihrem Vater eine hilfe einzustellen, aber das lehnt er rigoros ab. Er schafft das schon. Außerdem hat Walter sich von seinen Kindern, noch nie wirklich etwas sagen lassen.
Tornado im Kopf. Von Cat Patrick Beltz Verlag ISBN 978-3-407-75849-1
Fakt: Manchmal sieht man einen Tornado nicht kommen.
So geht es Frankie, als sie erfährt, dass an ihrer Schule ein Mädchen verschwunden ist. Es stellt sich heraus, dass es Colette - ihre Ex-beste-Freundin - ist, die wie vom Erdboden verschluckt ist. Frankie wird klar, dass sie die Letzte war, die Colette gesehen hat. Aber während die Polizei ermittelt, um Colette wiederzufinden, tut sich für Frankie ein neues Rätsel auf: Colette hat Videos auf ihrem gemeinsamen Privatserver hochgeladen, in denen sie Mutproben, die sie früher zusammen gemacht hatten, alleine wiederholt. Frankie ist sich sicher, dass die neuen Mutproben die Lösung zu Colettes Verschwinden sind. Sie scheinen eine Botschaft von Colette zu sein. Würde ihr nur jemand glauben!
Optimisten sterben früher. Von Susin Nielsen Urachhaus Verlag ISBN 978-3-8251-5184-3
Ja, in diesem Buch ist verflixt viel von unterschiedlichsten Problemen und Lebenskrisen die Rede, aber das ist ja kein Wunder, wenn man die Hauptfigur in eine Therapiegruppe schickt, in der alle jugendlichen Teilnehmer mit großen Schwierigkeiten kämpfen. Und nein, es wird nicht zu viel, denn Susin Nielsen zeigt mit überzeugender Selbstverständlichkeit und wohldosiertem Humor, wie sich alle (miteinander und jeder für sich) entwickeln, begreifen und handeln.
Seit Petulas kleine Schwester durch einen häuslichen Unfall starb, kämpft sie mit Schuldgefühlen und Ängsten. Überall lauern mögliche Gefahren, denen das Mädchen zwanghaft aus dem Weg zu gehen versucht. Auch Petulas Eltern kommen mit dem Verlust kaum zurecht, die Stimmung in der Familie ist zum Zerreißen gespannt. Besonders schlimm ist für Petula, dass sie ihre beste Freundin Rachel nach dem Tod der kleinen Maxine zutiefst gekränkt hat, so dass ihre Freundschaft daran zerbrochen ist. Dann kommt ein neuer Junge in ihre Klasse: Jacob mit dem Roboterarm. Über den Verlust seines Unterarms erzählt der Filmfreak abstruse Geschichten, aber nicht die Wahrheit. Petula findet ihn lästig, alles Neue, Unkalkulierbare verunsichert sie.