"Wie wir sprechen, entscheidet darüber, wer wir sind - auch und gerade in der Politik."
Klug, leidenschaftlich und anschaulich geht Grünen-Chef Robert Habeck in seinem neuen Buch dem Zusammenhang von Sprache und Politik nach, erkundet den Unterschied zwischen totalitärer und offener Sprache - und skizziert damit eine Poetik des demokratischen Sprechens, die Mut macht, sich einzumischen und für unsere Demokratie einzustehen."Asyltourismus", "Überfremdung", "Gesinnungsdiktatur", "Hypermoral", "Volksverrat" - viel ist in den letzten Monaten über die Sprachverrohung in der Politik gesprochen worden. Nach einer langen Zeit, die eher von politischer Sprachlosigkeit geprägt war, ist nun eine Zeit des politischen Brüllens und Niedermachens angebrochen - nicht nur von Seiten der AfD. Doch was passiert da eigentlich genau?
Sprache (Thema)
Wiglaf Droste ist wieder und weiter unterwegs und begegnet den Zumutungen der Welt so kundig wie neugierig und auf elegante, charmante und sprachschöpferische Weise. Er weiß, wie man sich verhält, wenn eine Frau aus besserem Hause völlig betrunken unbedingt mit einem ihr ganz fremden Mann tanzen will und zum Beweise dessen auf den Auserwählten einprügelt. Droste trifft nachts am Spätkauf eine Frau, die ihre letzten zwei Euro für Bier ausgegeben hat und die Welt nicht mehr versteht: »Dabei bin ich doch Suhrkamp-Autorin.« Lustige Geschichten und sezierende Sprachglossen über Designervokabeln wie »greige«, »mauve« und »taupe«, über Phrasen von »Baustellen« und »Hausnummern« und Abwimmelungssätze wie »Wir kommen auf Sie zu« oder Talkshowjargon à la »dankbar und demütig« wechseln einander ab.
Ohne de Saussure keine Linguistik und keine Sprachphilosophie, wie wir sie kennen? Vermutlich. Aber was wüssten wir heute noch von Saussure, wenn nicht Charles Bally und Albert Sechehaye den berühmten "Cours" in seinem Namen geschrieben hätten?Mit der vorliegenden neuen und pointierten Übersetzung dieses epochemachenden Textes wird auch und gerade dem mit Saussure Unvertrauten der Zugang erleichtert.
Böse, scharf, brillant.Mit Schwung, Grazie und Eleganz seziert Wiglaf Droste die sprachlichen Entgleisungen der Deutschen, den Neusprech aus "Nachhaltigkeit" und "Transparenz", in dem "Teamplayer" und "Goods Flow Mitarbeiter" gefragt sind, "Apps zum Entdecken von Apps" aufwendig "kuratiert" werden und den das Lied eines halbalphabetischen Sängers quasi "im Paket" zusammenfasst: "Wenn Worte meine Sprache wären". Dabei begnügt Droste sich nicht damit, all jene dingfest zu machen, die der Sprache Gewalt antun. Er nimmt die Sprache an die Hand und geht mit ihr spielen.
"Metanoia ist eine Erfahrung, und als solche gibt sie Anstoß nicht nur zu denken, sondern philosophisch und also neu zu denken, neu nachzudenken, zu überdenken, neu über das Denken zu denken."
Die Gewaltfreie Kommunikation kennt zwei Konzepte von Macht: "Macht über" und "Macht mit". Worin sie sich unterscheiden, darum geht es in diesem Buch. Die Frage, die sich in diesem Zusammenhang stellt, lautet: Wie ist es möglich, seine Macht zu vergrößern und dabei sowohl im Einklang mit den eigenen Werten und Bedürfnissen als auch mit denen der anderen zu handeln?
Dass Sprache wie eine Handlung (körperlich) Wirkung erzeugen kann, weiß jede und jeder - und lässt sich hautnah erleben. Jenseits der Stichworte "Sprechakt" oder "Performanz" gibt es dazu aber wenig profunde Theorie. Im Gegenteil: Sprachphilosophie pflegt den Inhalt von der Form zu trennen, und in den Kulturwissenschaften zieht man sich auf das Zauberwort der "diskursiven Praktiken" zurück.
Dieses Buch entfaltet die Fragestellung anhand anschaulicher Beispiele, prägt das Konzept einer "Körperkraft von Sprache" und bietet hierzu griffige - auch strittige - Thesen an.
Wann immer Politiker "klare Kante" zeigen wollen, eine Maßnahme als "alternativlos" bezeichnen, "Augenmaß" verlangen, eine "schonungslose Analyse" ankündigen oder jemandem ihr "vollstes Vertrauen" aussprechen, purzeln die Groschen nur so ins Phrasenschwein. In seinem Buch seziert FAZ-Journalist Oliver Georgi die wichtigsten Begriffe aus der politischen Floskelküche, ohne die kein Volksvertreter auszukommen scheint. Er erklärt, welche kommunikativen Strategien Politiker verfolgen, und macht zugleich deutlich, dass es zu einfach ist, ihnen immer nur böse Absichten zu unterstellen.
Mit einer an Alzheimer erkrankten Person endet irgendwann die Kommunikation. Welche Art der Beziehung ist jetzt möglich jenseits der Sprache, jenseits des Verstehens? Wir verstehen und werden verstanden; das gehört zum Grundbestand des Menschseins. Was aber geschieht, wenn wir einem Menschen gegen??bertreten, der nicht versteht und den wir nicht verstehen, weil er die Sprache verloren hat? Auf diese Frage sucht Schütze in der Begegnung mit seiner an Alzheimer erkrankten Mutter eine Antwort. Eine menschliche Existenz erschließt sich nicht vollständig im Horizont des Verstehens, aber für das Unsägliche, Unergründliche besitzen wir keine Rezeptoren. Wo die Kommunikation aufhört, endet unsere Macht.
Werner Krauss schrieb, die eigentliche und wesentliche Funktion der Sprache sei die Mitteilung. Mitteilung hat statt als Gedankenaustausch zwischen Menschen in der Rede, aber auch als Bericht, der sich im geschriebenen Wort manifestiert. Kleist, nicht der größte, aber der sprachmächtigste deutsche Dramatiker und Erzähler, hat beide Formen der Mitteilungsfunktion der Sprache beispielhaft gestaltet und reflektiert. Das Verhältnis der Dramen zur Erzählsprache Kleists macht die Struktur der beiden Mitteilungsformen kenntlich.