Wohlstand für Alle (Medienpräsenz)

38:04

Wer den Aufstieg Chinas verstehen will, muss über die Erfolgsgeschichte von Apple sprechen. Vor 1998 sah es nicht danach aus, als könnte Steve Jobs noch große Taten vollbringen. Apple schwächelte, bis Jobs den iMac vorstellte, der, so erklärte der exzentrische Unternehmer, im Gegensatz zu den anderen Computern nicht hässlich war.
Der iMac war zugleich der Startschuss für die Zusammenarbeit mit Fabriken in China. Diese wurde im Laufe der Zeit immer weiter ausgebaut, vor allem der Konzern Foxconn, der in Taiwan ansässig ist, aber hauptsächlich in China produzierte, spielte dabei die maßgebliche Rolle.
Als die Kooperation mit Apple begann, hatte das Unternehmen von Terry Gou 20.000 Mitarbeiter, innerhalb weniger Jahre waren es 800.000. Auf diese indirekte Weise bildete Apple Millionen Chinesen aus und brachte Know-How ins Land. Irgendwann konnten chinesische Firmen mit diesem perfekt ausgebildeten Personal Apple und anderen US-Konzernen Konkurrenz machen. Was aus einer betriebswirtschaftlichen Logik für Apple Sinn ergab, wurde für die USA zu einem Problem im Kampf um die ökonomische Vorherrschaft.

28:48

Als die Sowjetunion 1991 aufgelöst wurde, war die Bilanz rasch gezogen: Ein wirtschaftliches Fiasko nahm sein Ende. Gewiss, im Vergleich zu Bürgern in Deutschland oder den USA waren die Menschen in der Sowjetunion bedeutend ärmer. Jedoch hilft einem dieser direkte Vergleich nicht weiter, viel wichtiger ist es, in Relationen zu denken.
Vergleicht man die Entwicklungen anderer Länder und erkennt man, dass die globale Ungleichheit zwischen den Ländern während des 20. Jahrhunderts stark gestiegen ist, schneidet das realsozialistische Experiment gar nicht so schlecht ab. Die Sowjet-Wirtschaft startete auf einem viel niedrigeren Niveau als die Ökonomien des Westens, konnte aber gleich schnell wachsen.
In der neuen Folge von “Wohlstand für Alle” sprechen Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt über einen unkonventionellen Historiker und dessen Blick auf die Dinge. 

24:17

Als die Sowjetunion 1991 aufgelöst wurde, war die Bilanz rasch gezogen: Ein wirtschaftliches Fiasko nahm sein Ende. Gewiss, im Vergleich zu Bürgern in Deutschland oder den USA waren die Menschen in der Sowjetunion bedeutend ärmer. Jedoch hilft einem dieser direkte Vergleich nicht weiter, viel wichtiger ist es, in Relationen zu denken.
Vergleicht man die Entwicklungen anderer Länder und erkennt man, dass die globale Ungleichheit zwischen den Ländern während des 20. Jahrhunderts stark gestiegen ist, schneidet das realsozialistische Experiment gar nicht so schlecht ab. Die Sowjet-Wirtschaft startete auf einem viel niedrigeren Niveau als die Ökonomien des Westens, konnte aber gleich schnell wachsen.
In der neuen Folge von “Wohlstand für Alle” sprechen Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt über einen unkonventionellen Historiker und dessen Blick auf die Dinge. 

21:18

In der neuen Speakeasy-Bar diskutieren wir zunächst über den neuesten Streich von Wolfram Weimer. Dieses Mal will der Kulturkampfminister Inhalte bei YouTube regulieren – natürlich ganz staatsfern und ohne den Eindruck von Zensur zu erwecken. In einem Zeitungsbeitrag fordert er, YouTube von den Landesmedienanstalten beaufsichtigen zu lassen; zugleich möchte er den privaten Medienhäusern ein Geschenk machen. 

Das zweite große Thema ist das neue Buch des Politikwissenschaftlers Philip Manow. In „Spaltungslinien“ erklärt er, warum auf EU-Ebene das alte Rechts/Links-Schema nicht mehr greift und damit eine neue Konfliktlinie ausgemacht werden muss zwischen jenen, die für die EU sind und damit die ökonomische wie gesellschaftliche Liberalisierung mittragen, und jenen, die gegen die EU sind, aber sich aufspalten in zwei Lager – eines auf der rechten, eines auf der linken Seite. 

Manow provoziert zudem mit der These, dass die rechten Parteien Europas sich ökonomisch nach links bewegen. Des Weiteren sprechen wir über rechte und linke Architektur, über die Aktualität von Marx‘ Werttheorie, über NGOs im Kapitalismus sowie das Staatsverständnis der Querdenker. 

53:09

Verdienen Bundestagsabgeordnete der Partei die Linke zu viel, um weiterhin die Sache der Arbeiter zu vertreten? Die Linken streiten derzeit intern über einen Gehaltsdeckel für alle Abgeordneten der Partei, der in etwa vorsehen soll, dass die Diät auf knapp 3000 Euro netto bzw. 5500 Euro brutto begrenzt wird.
Die Kostenpauschale in Höhe von 5500 Euro soll dabei aber mutmaßlich unangetastet bleiben. Zusätzlich sollen Abgeordnete pro Kind oder zu pflegendem Angehörigen 350 Euro pro Monat erhalten. In anderen europäischen Länder haben sozialistische Parteien lange schon solche Limitierungen der Gehälter.
Bei der Bevölkerung gibt es ohnehin mehrheitlich die Ansicht, dass Politiker zu viel verdienen. Linke könnten hier mit gutem Beispiel vorangehen. Was aber würde das bedeutet? Leidet darunter eine Professionalisierung der Politik? Wird damit verhindert, dass Politiker die Interessen der Arbeiter verraten? Das kann durchaus bezweifelt werden. Wer sich dem Establishment anpasst, tut das nicht unbedingt wegen des Geldes, sondern aus Überzeugung.
Mehr dazu von Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt in der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“.

Sebastian Friedrich über den Gehaltsdeckel: https://www.ueberrechts.de/p/gehaltsdeckel-gegen-rechts

Fabian Lehr über die Debatte: https://www.youtube.com/watch?v=76BF7_mm0GA

4:48:54

Wolfgang M. Schmitt ist Kulturkritiker, Buchautor und einer der schärfsten Beobachter unserer Medien- und Politiklandschaft. In diesem Gespräch sprechen wir über Ideologie und Propaganda, die Mechanismen der Klick-Kultur und warum Politik zunehmend zum Entertainment wird. Wir analysieren, was Filme und Literatur über den Zustand unserer Gesellschaft verraten, machen einen Exkurs in die deutsche Philosophiegeschichte und diskutieren, warum die Verteilungskämpfe in Deutschland gerade erst beginnen.

11:42

In ihrem neuen Roman verspricht Sibylle Berg allen das schöne Leben. Das überrascht, mutet das Werk der Autorin doch in der Regel eher dystopisch an. „PNR: La Bella Vita“ heißt Bergs neuer Roman, in dem der Kapitalismus besiegt ist und in Europa eine neue Gesellschaft entsteht, die sich selbst eine anarchistische Verfassung gibt.

Ein paar Nerds bringen die Revolution auf den Weg, aber wie weitermachen? Was geschieht am Tag danach? Wenn die kapitalistische Ausbeutung Geschichte ist, wenn Staaten ihre Bürger nicht mehr überwachen und die Meinungsfreiheit einschränken, erwachsen daraus nicht automatisch Freiheit und Glückseligkeit.
Stattdessen muss mühsam eine neue Welt aufgebaut werden, in der der Mensch endlich freier und glücklicher wird. Aber das ist ein Prozess. Probleme gibt es dann noch immer – und auch der Tod ist nicht verschwunden. Wer über Jahrzehnte jedoch vom alten System zugerichtet wurde, wird es nicht leicht haben, die neue Unordnung zu akzeptieren und sich das Schöne vorzustellen. In der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“-Literatur diskutieren Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt über den utopischen Roman von Sibylle Berg.

46:39

Die Lage ist unübersichtlich: Hilft es, die Welt in Demokratien und Autokratien einzuteilen? Oder ist es sinnvoller, zwischen autokratischen und liberalen Staaten zu unterscheiden? Dass dies ein großer Unterschied ist, wird uns deutlich, wenn wir einen Vergleich zwischen dem italienischen Faschismus, dem Nationalsozialismus und Roosevelts New Deal wagen.

Wolfgang Schivebelbusch, einer der bedeutendsten Kulturhistoriker, publizierte vor zwanzig Jahren ein Buch mit dem Titel „Entfernte Verwandtschaft“ und zeigte darin erstaunliche Parallelen auf, ohne eine Gleichsetzung oder Relativierung zu betreiben. Stattdessen steht die Diagnose im Raum, dass in Krisenzeiten Staaten illiberaler werden und der liberale Kapitalismus als Störung empfunden und deshalb eingehegt wird.

Das geht so weit, dass progressive Kräfte in den USA durchaus Bewunderung für Mussolini zeigten. Die Politik legt sich mit der Wirtschaft an. Das erleben wir jetzt wieder, wenn beispielsweise die EU-Außenpolitik gar nicht mit den Konzerninteressen übereinstimmt. Mehr dazu von Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt in der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“. 

15:32

Das kommunistische Känguru ist zurück, doch scheint es nicht mehr kommunistisch zu sein. In der neuen Folge von "Wohlstand für Alle"-Literatur sprechen wir über "Die Känguru-Rebellion" von Marc Uwe Kling, den fünften Band der Känguru-Chroniken. Dieses Mal sollen sich alle zusammenschließen, die die Zustände nicht länger ertragen, um zu rebellieren.
Was aber ist mit diesen Zuständen gemeint? Gewarnt wird vor dem Rechtsruck im Allgemeinen und der AfD im Speziellen, vor Trump, den Tech-Oligarchen und den bösen Milliardären. Reformvorschläge zu Steuern und Umverteilung werden angesprochen, aber selbst wohlwollend gelesen ist das nicht einmal ein sozialdemokratischer Kurs. Wie auch?
Alle gegen die AfD bedeutet: Es gibt sonst keine Konflikte darüber hinaus. Der Kapitalismus ist offenbar kein Problem mehr.
In der neuen Folge analysieren Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt das neue Buch von Marc-Uwe Kling.

37:03

Der Sozialstaat wird heute von der Linken verteidigt, während Konservative und die Rechte dagegen sind. Das klingt logisch, aber dabei wird die Geschichte vergessen: Reichskanzler Otto von Bismarck und Kaiser Wilhelm I. haben die Sozialisten mit einer Art Zuckerbrot-und-Peitsche-Strategie bekämpft.

Einerseits ist die Regierung hart gegen die Arbeiterklasse und ihre Vertreter vorgegangen, andererseits wurden in den 1880er Jahren verschiedene Formen der sozialen Sicherheit für die Arbeiterklasse eingeführt. Das war nicht einfach ein Gefallen der Reichen und Mächtigen gegenüber den Arbeitern, sondern eine clevere Strategie, die bis heute funktioniert: Die Arbeiter wurden so zur Loyalität gegenüber dem Staat erzogen – und durch die Einführung von Versicherungssystemen, deren Kosten angeblich von Arbeitnehmern und Arbeitgebern geteilt wurden, wurde ein Klassenfrieden (auch Sozialpartnerschaft genannt) gefeiert, der den Radikalismus der Sozialisten zähmte und später die SPD (Sozialdemokratische Partei) wiederholt dazu brachte, die Arbeiterklasse zu verraten.


The welfare state is defended today by the left, while conservatives and the right oppose it. This makes intuitive sense, but history is ignored: Chancellor Otto von Bismarck and Emperor Wilhelm I fought the socialists with a carrot-and-stick approach.

On the one hand, the government acted repressively against the working class and its representatives; on the other hand, various forms of social security were introduced for the working class in the 1880s. This wasn't simply a favor from the rich and powerful to the workers, but rather a clever strategy that continues to work today: Workers were thus cultivated into loyalty to the state – and by introducing insurance schemes whose costs were supposedly shared by employees and employers, a class peace (also called social partnership) was celebrated, which tamed the radicalism of the socialists and later repeatedly drove the SPD (Social Democratic Party) to betray the working class.