Wohlstand für Alle (Medienpräsenz)

4:48:54

Wolfgang M. Schmitt ist Kulturkritiker, Buchautor und einer der schärfsten Beobachter unserer Medien- und Politiklandschaft. In diesem Gespräch sprechen wir über Ideologie und Propaganda, die Mechanismen der Klick-Kultur und warum Politik zunehmend zum Entertainment wird. Wir analysieren, was Filme und Literatur über den Zustand unserer Gesellschaft verraten, machen einen Exkurs in die deutsche Philosophiegeschichte und diskutieren, warum die Verteilungskämpfe in Deutschland gerade erst beginnen.

11:42

In ihrem neuen Roman verspricht Sibylle Berg allen das schöne Leben. Das überrascht, mutet das Werk der Autorin doch in der Regel eher dystopisch an. „PNR: La Bella Vita“ heißt Bergs neuer Roman, in dem der Kapitalismus besiegt ist und in Europa eine neue Gesellschaft entsteht, die sich selbst eine anarchistische Verfassung gibt.

Ein paar Nerds bringen die Revolution auf den Weg, aber wie weitermachen? Was geschieht am Tag danach? Wenn die kapitalistische Ausbeutung Geschichte ist, wenn Staaten ihre Bürger nicht mehr überwachen und die Meinungsfreiheit einschränken, erwachsen daraus nicht automatisch Freiheit und Glückseligkeit.
Stattdessen muss mühsam eine neue Welt aufgebaut werden, in der der Mensch endlich freier und glücklicher wird. Aber das ist ein Prozess. Probleme gibt es dann noch immer – und auch der Tod ist nicht verschwunden. Wer über Jahrzehnte jedoch vom alten System zugerichtet wurde, wird es nicht leicht haben, die neue Unordnung zu akzeptieren und sich das Schöne vorzustellen. In der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“-Literatur diskutieren Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt über den utopischen Roman von Sibylle Berg.

46:39

Die Lage ist unübersichtlich: Hilft es, die Welt in Demokratien und Autokratien einzuteilen? Oder ist es sinnvoller, zwischen autokratischen und liberalen Staaten zu unterscheiden? Dass dies ein großer Unterschied ist, wird uns deutlich, wenn wir einen Vergleich zwischen dem italienischen Faschismus, dem Nationalsozialismus und Roosevelts New Deal wagen.

Wolfgang Schivebelbusch, einer der bedeutendsten Kulturhistoriker, publizierte vor zwanzig Jahren ein Buch mit dem Titel „Entfernte Verwandtschaft“ und zeigte darin erstaunliche Parallelen auf, ohne eine Gleichsetzung oder Relativierung zu betreiben. Stattdessen steht die Diagnose im Raum, dass in Krisenzeiten Staaten illiberaler werden und der liberale Kapitalismus als Störung empfunden und deshalb eingehegt wird.

Das geht so weit, dass progressive Kräfte in den USA durchaus Bewunderung für Mussolini zeigten. Die Politik legt sich mit der Wirtschaft an. Das erleben wir jetzt wieder, wenn beispielsweise die EU-Außenpolitik gar nicht mit den Konzerninteressen übereinstimmt. Mehr dazu von Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt in der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“. 

15:32

Das kommunistische Känguru ist zurück, doch scheint es nicht mehr kommunistisch zu sein. In der neuen Folge von "Wohlstand für Alle"-Literatur sprechen wir über "Die Känguru-Rebellion" von Marc Uwe Kling, den fünften Band der Känguru-Chroniken. Dieses Mal sollen sich alle zusammenschließen, die die Zustände nicht länger ertragen, um zu rebellieren.
Was aber ist mit diesen Zuständen gemeint? Gewarnt wird vor dem Rechtsruck im Allgemeinen und der AfD im Speziellen, vor Trump, den Tech-Oligarchen und den bösen Milliardären. Reformvorschläge zu Steuern und Umverteilung werden angesprochen, aber selbst wohlwollend gelesen ist das nicht einmal ein sozialdemokratischer Kurs. Wie auch?
Alle gegen die AfD bedeutet: Es gibt sonst keine Konflikte darüber hinaus. Der Kapitalismus ist offenbar kein Problem mehr.
In der neuen Folge analysieren Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt das neue Buch von Marc-Uwe Kling.

37:03

Der Sozialstaat wird heute von der Linken verteidigt, während Konservative und die Rechte dagegen sind. Das klingt logisch, aber dabei wird die Geschichte vergessen: Reichskanzler Otto von Bismarck und Kaiser Wilhelm I. haben die Sozialisten mit einer Art Zuckerbrot-und-Peitsche-Strategie bekämpft.

Einerseits ist die Regierung hart gegen die Arbeiterklasse und ihre Vertreter vorgegangen, andererseits wurden in den 1880er Jahren verschiedene Formen der sozialen Sicherheit für die Arbeiterklasse eingeführt. Das war nicht einfach ein Gefallen der Reichen und Mächtigen gegenüber den Arbeitern, sondern eine clevere Strategie, die bis heute funktioniert: Die Arbeiter wurden so zur Loyalität gegenüber dem Staat erzogen – und durch die Einführung von Versicherungssystemen, deren Kosten angeblich von Arbeitnehmern und Arbeitgebern geteilt wurden, wurde ein Klassenfrieden (auch Sozialpartnerschaft genannt) gefeiert, der den Radikalismus der Sozialisten zähmte und später die SPD (Sozialdemokratische Partei) wiederholt dazu brachte, die Arbeiterklasse zu verraten.


The welfare state is defended today by the left, while conservatives and the right oppose it. This makes intuitive sense, but history is ignored: Chancellor Otto von Bismarck and Emperor Wilhelm I fought the socialists with a carrot-and-stick approach.

On the one hand, the government acted repressively against the working class and its representatives; on the other hand, various forms of social security were introduced for the working class in the 1880s. This wasn't simply a favor from the rich and powerful to the workers, but rather a clever strategy that continues to work today: Workers were thus cultivated into loyalty to the state – and by introducing insurance schemes whose costs were supposedly shared by employees and employers, a class peace (also called social partnership) was celebrated, which tamed the radicalism of the socialists and later repeatedly drove the SPD (Social Democratic Party) to betray the working class.

48:38

Frauen arbeiten besonders oft in sozialen Berufen, zusätzlich leisten sie täglich unbezahlte und unverzichtbare Arbeit. In ökonomischen Debatten geht diese Perspektive jedoch immer wieder unter. Im 9. WfA-Spezial spricht die Autorin Veronika Bohrn Mena daher über ihr neues Buch "Leistungsklasse. Wie Frauen uns unbedankt und unerkannt durch alle Krisen tragen". 

Außerdem spricht sie mit Wolfgang M. Schmitt über die neoliberale Politik der österreichischen Regierung. 

40:42

Immer häufiger sind wir von Robotern umgeben, sie sollen uns bei der Arbeit unterstützen oder gar ablösen. Manche sehen mit dem technischen Fortschritt eine Massenarbeitslosigkeit auf uns zukommen. Doch welche ethischen Maßstäbe müssen für Roboter und beim Umgang mit ihnen gelten? Welche Rolle spielt der Mensch in Zukunft noch? Mit solchen Fragestellungen beschäftigt sich die Philosophin Janina Loh. In ihrem Buch „Roboterethik“ führt sie in die brisante Thematik ein, im Gespräch mit Wolfgang M. Schmitt stellt sie ihre Forschung vor und macht deutlich, dass die Profitlogik des Kapitalismus der Ethik oft im Wege steht.

49:16

Das bürgerliche Lager hat sich endlich auch den Klassismusbegriff angeeignet, um den eigenen Status gegen alle Angriffe abzusichern. Hurra!
Der Philosophie-Professor Hanno Sauer legt mit seinem Buch „Klasse. Die Entstehung von Oben und Unten“ ein Buch vor, das nicht nur das Versprechen des Untertitels nicht einhält, sondern auch die nötige Klarheit vermissen lässt, die es braucht, wenn man von Klasse reden will.

Klasse, Schicht, Status – Hanno Sauer ist alles recht, was sich assoziativ ergibt und was benötigt wird, um den Status quo abzusichern. Eine klassenlose Gesellschaft sei nicht möglich, selbst eine Politik gegen Ungleichheit wenig erfolgsversprechend – nur etwas weniger Diskriminierung wäre wünschenswert. Dieses Update von Thorstein Veblens „Theorie der feinen Leute“ kommt elaboriert daher, ist aber bemerkenswert blöde.

In der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“ sprechen Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt über eine konservative Klassismustheorie.

36:23

Die Europäische Zentralbank (#EZB) ist das Feindbild vieler konservativer und libertärer Ökonomen. Auch Markus Krall, dessen Crash-Prophezeiungen zwar nicht eintreten, sich aber größter Beliebtheit erfreuen – vor allem bei YouTube –, sieht in der lockeren Geldpolitik unser Verderben. Noch in diesem Jahr soll es zum großen #Crash kommen (momentan gibt es dafür keine Anzeichen). 

Ähnlich wie Roland Baader denkt auch Krall, dass wir im #Geldsozialismus leben, den die „Kulturmarxisten“ der Frankfurter Schule ideologisch flankieren. Eine hedonistische Gesellschaft, die auf dem Rücken der sogenannten Leistungsträger ihre Laster auslebt, habe sich so gebildet, die den Kapitalismus zerstöre und eine Tyrannei der Mehrheit etabliere. Nur noch Gold könne uns aus diesem Elend erlösen. Eine ulkige Vorstellung, könnte man sagen, doch diese Weltanschauung, die die Ökonomie moralistisch betrachtet, ist keineswegs demokratiefreundlich gesinnt. Überdies ist sie auch – wirtschaftswissenschaftlich betrachtet – reichlich unsinnig.

30:20

Im Zuge der letzten großen #Finanzkrise hat man die Banken etwas stärker reguliert: Nicht mehr so leicht ist es nun, hochvolatile Papiere zu verkaufen, auch müssen Banken über mehr Eigenkapital als zuvor verfügen. Die Regierungen wollen verhindern, dass noch einmal Staaten Pleitebanken retten müssen, weil diese systemrelevant sind. Nicht systemrelevant hingegen sind Schattenbanken, deren Aufstieg mit der vergangenen Krise erst richtig an Fahrt aufnahm, denn sie unterliegen kaum Regulierungen und locken mit hohen Renditen in zinslosen Zeiten. Vermögensverwalter wie Blackrock, #StateStreet oder #Vanguard verwalten treuhänderisch Billionen Dollar und haben damit eine ungeheure Macht über die Finanzmärkte gewonnen, die nicht nur Kapitalismuskritikern Sorgen bereitet. Denn wenn das Kapital so stark konzentriert ist, ist immer weniger Wettbewerb möglich, Preiskartelle entstehen so schnell, aber auch die politische Macht von Larry Fink und seinen Kollegen wächst und wächst. Wie funktioniert das Geschäftsmodell von solchen Schattenbanken und warum sind sie eine Gefahr für die Demokratie?