99 ZU EINS (Medienpräsenz)

57:07

Wir sprechen mit Fabian Goldmann über sein neues Buch "Staats(räson)funk": "Israels Krieg im Nahen Osten gilt in vielerlei Hinsicht als der verheerendste des 21. Jahrhunderts: ermöglicht durch Bomben, Blockaden und eine beispiellose mediale Unterstützung. Wie in kaum einem anderen Land haben Medien in Deutschland nach dem 7. Oktober 2023 die tödliche Realität in der Region verharmlost, gerechtfertigt oder gleich ganz verschwiegen. Welche Methoden Tagesschau, BILD, Spiegel, taz und Co. dabei angewandt haben und wie aus gut ausgebildeten Journalisten Propagandisten eines Genozids werden konnten, zeigt diese Untersuchung. Anhand eigens erhobener Daten und sorgsamer Recherchen liefert das Buch die Anatomie eines Systemversagens irgendwo zwischen Stereotypen, Selbstzensur und Staatsräson."

1:18:53

In dieser Episode des Podcasts 99 ZU EINS diskutiert Nel Bonilla die aktuellen geopolitischen Strategien der USA sowie die Rolle des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos.

Inhaltsangabe mit Timestamps

  • 00:00:10 – Einleitung Vorstellung von Nel Bonilla und dem Kernkonzept der Sendung: Die geopolitische Neuausrichtung der USA.
  • 00:12:45 – Was ist der "Bunkerstaat"? Analyse der US-Strategie, sich durch Protektionismus und Re-Industrialisierung ("Made in America") gegen äußere Krisen abzuschotten, während die globale Hegemonie militärisch gewahrt werden soll.
  • 00:38:20 – Die Rolle von Davos (WEF) Kritik am Weltwirtschaftsforum. Bonilla erklärt, wie sich die globale Elite in Davos organisiert, während das System des Neoliberalismus zunehmend unter Druck gerät.
  • 01:05:15 – Geopolitische Fragmentierung Diskussion über die Spaltung der Welt in verschiedene Machtblöcke und die Auswirkungen auf Handelsbeziehungen und internationale Institutionen.
  • 01:42:30 – Wirtschaftskrieg und Dollar-Dominanz Wie die USA ihre Währung als Waffe einsetzen und welche Konsequenzen dies für den globalen Süden hat.
  • 02:15:00 – Widerstand und Perspektiven Abschließende Gedanken darüber, welche sozialen Bewegungen und politischen Ansätze notwendig sind, um dieser "Bunker-Logik" entgegenzuwirken.

Das Konzept des "Bunkerstaats"

beschreibt eine fundamentale Neuausrichtung der US-Geopolitik und -Wirtschaft. Hier sind die zentralen Punkte der Erläuterung aus dem Gespräch:

1. Kernbedeutung: Abschottung und Sicherung

Der Begriff beschreibt den Versuch der USA, sich gegen die Instabilitäten des von ihnen selbst geschaffenen globalisierten Marktes abzusichern. Anstatt auf grenzenlose Globalisierung zu setzen, ziehen sich die USA in einen wirtschaftlichen und politischen „Bunker“ zurück, um ihre eigene Basis zu schützen, während sie gleichzeitig versuchen, die globale Kontrolle zu behalten.

2. Wirtschaftlicher Protektionismus

  • Re-Industrialisierung: Die USA versuchen, kritische Industrien (wie die Halbleiterproduktion oder grüne Technologien) zurück ins Land zu holen (Reshoring), um nicht mehr von globalen Lieferketten abhängig zu sein, die durch Rivalen wie China gestört werden könnten.
  • Subventionen: Programme wie der Inflation Reduction Act werden als Werkzeuge genutzt, um Kapital im „Bunker“ zu konzentrieren und andere Volkswirtschaften (auch Verbündete in Europa) unter Druck zu setzen.

3. Militärische und technologische Überlegenheit

  • Der „Bunker“ ist nicht rein defensiv. Er dient als gesicherte Basis, von der aus die USA weiterhin militärisch intervenieren und technologische Standards diktieren können.
  • Es geht darum, einen technologischen Vorsprung zu „ummauern“ (z. B. durch Exportverbote für High-End-Chips), um den Aufstieg von Konkurrenten zu verhindern.

4. Zerfall der regelbasierten Weltordnung

Bonilla argumentiert, dass der Bunkerstaat das Ende der liberalen Weltordnung markiert. Die USA halten sich selbst nicht mehr an die Regeln des Freihandels, die sie jahrzehntelang anderen Ländern auferlegt haben. Das Ziel ist nicht mehr „Wohlstand für alle durch Handel“, sondern der Erhalt der US-Hegemonie in einer zerfallenden Welt.

5. Auswirkungen auf den Rest der Welt

  • Für Europa: Die Verbündeten werden gezwungen, sich der Logik des Bunkers anzuschließen, was oft zu einer De-Industrialisierung in Ländern wie Deutschland führt, da Energie und Kapital in die USA abwandern.
  • Für den globalen Süden: Diese Länder sind zunehmend gezwungen, sich zwischen dem US-Bunker und anderen Blöcken (wie den BRICS) zu entscheiden, da der neutrale globale Markt verschwindet.

Zusammenfassend ist der „Bunkerstaat“ eine Strategie des aggressiven Überlebens, bei der die USA versuchen, ihre Machtposition durch eine Mischung aus nationaler Abschottung und globaler militärischer Drohkulisse zu konservieren.

1:46:00

Wir präsentieren die neue Dezemberausgabe der Z. Zeitschrift Marxistische Erneuerung zum Thema „Jugend in Bewegung“. Mit dabei sind zwei Autoren der Ausgabe: Michael Klundt („Kritik bürgerlicher Beforschung politischer Einstellungen und sozialer Lagen Jugendlicher“) und Luca Groß vom SDS („Kampf um die Hochschulen“), die ihre Beiträge vorstellen werden.

1:07:58

Über Jahrzehnte hat Russland über seinen Agenten Jeffrey Epstein (aka Dzheffriyevich Epshteyn) die amerikanischen Eliten verführt, verdorben und erpresst. Wir sprechen mit Tarik Cyril Amar über die neuesten Enthüllungen der Epshteyn-Files.

1:27:35

Wir sprechen mit Ole Nymoen und Simon David Dressler über die kürzlich aufgeflammten Schülerstreiks gegen die Wehrpflicht und setzen uns kritisch und solidarisch mit den Forderungen der Schüler auseinander.

1:09:04

Kidnapping in Caracas: Ein erzwungener Regierungswechsel der anderen Art. Für welchen Kurs steht die geschäftsführende venezolanische Präsidentin Delcy Rodríguez und hat Maduro das Erbe Chávez verraten? Wir sprechen mit André Scheer über die Situation in Venezuela vor und nach der Entführung des Präsidenten Nicolás Maduro.

1:18:12

Der Präsident Venezuelas wird in einer Nacht-und-Nebel-Aktion entführt. Trump kündigt an, Grönland zu annektieren, wenn nötig mit militärischer Gewalt. Israel führt langsam, aber sicher seinen Krieg in Gaza fort. Die USA erwägen einen Angriff auf den Iran. Die EU findet das alles "komplex". Ist das Völkerrecht tot? Darüber sprechen wir mit Tarik Cyril Amar.

13:11

Der Präsident Venezuelas wurde am ersten Januarwochenende vom US-Militär entführt. War das ein Regimechange? Was sind die Absichten Trumps? Geht es um Öl oder war der venezuelanische Präsident als Drogenboss der USA doch ein Dorn im Auge? Und wie geht es in Venezuela jetzt weiter?

1:17:46

Kaum ein Begriff erhitzt Gemüter so sehr wie "Kommunismus". Wir reden mit Joshua Graf über den Begriff und seine historische Bedeutung.

57:58

Bis 2029 soll Deutschland „kriegstüchtig“ werden – so verlangt es der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius.

Warum ist das nötig? Dumme Frage – natürlich wegen „Putin“ und „China“, das weiß doch inzwischen jeder.

Aber warum sind aus diesen Staaten, mit denen die deutsche Wirtschaft ja bis gestern noch viele und gute Geschäfte gemacht hat, plötzlich „Feinde“ geworden, die zudem auch noch Deutschland bedrohen?

Und was bedeutet es eigentlich, wenn Deutschland verteidigt werden soll? Geht es dabei um den Schutz von Haus und Familie? Oder den „unserer freiheitlichen Lebensart“?

Nicht zuletzt: Wie sieht der Beitrag der Medien auf dem Weg in die Kriegstüchtigkeit aus?

Mitschnitt eines Vortrags von Renate Dillmann („Der real existierende Wahnsinn“ bei 99 zu Eins, „China - ein Lehrstück“, „Abweichendes zum Ukraine-Krieg“, „Medien. Macht. Meinung. Auf dem Weg in die Kriegstüchtigkeit“) bei Gruppe K im Bahnhof Langendreer Bochum.