1917 markiert eine Zäsur in der Menschheitsgeschichte. Zum ersten Male eröffnete sich die Perspektive für eine Welt ohne Ausbeutung und Krieg. Die Frage, warum aus dieser Option nicht dauerhaft Wirklichkeit wurde, beschäftigt seit Jahrzehnten viele Menschen. Lag es an der falschen Theorie, an den Personen, hat der Kapitalismus vielleicht doch das bessere gesellschaftliche Konzept? Auch der Marxist Alfred Kosing sucht seit Jahren nach Antworten. Er studierte Quellen, las Schriften neu, kritisch und selbstkritisch, und befreite die Geschichte des Sozialismus von Legenden und Mythen, die von Anhängern wie Gegnern über den Bolschewismus, über Lenin, Trotzki, Stalin, kurz: über die KPdSU verbreitet wurden und werden.
I:BIB (Thema)
"Ich gehöre der Generation an, die noch in den Krieg getrieben wurde", schreibt Alfred Kosing, der 1928 geboren wurde. Nach der Katastrophe fand er geistigen Halt und Orientierung in den Ideen und Visionen von großen Vordenkern wie Thomas Morus, Lessing, Saint-Simon, Herder, Kant,Hegel, Marx, Engels und auch Lenin. "In ihren Werken entfaltete sich die historische Vernunft, die es zu bereichern und praktisch im politischen Leben zur Geltung zu bringen galt. Daran mitzuwirken war Lebensinhalt und Ziel vieler in meiner Generation." Heute fragt er sich nun, ob diese Bemühungen folgenlos blieben oder sich Subjekte des gesellschaftlichen Fortschritts erneut formieren werden, um die erforderliche Vernunft durchzusetzen. In welcher Epoche leben wir jetzt?
Stalin, Mao Zedong und Bodo Ramelow sind die Schlüsselfiguren in diesen drei Texten, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Und stellt man diese drei Personen nebeneinander, so sind in der Tat gewisse Größenunterschiede nicht zu übersehen. Und doch gehören die verschieden langen Beiträge zusammen, sie haben ein Thema. Das ist der Sozialismus. Wie formierten sich damals seine Basis und der Überbau, welche Fehler wurden gemacht, wie korrigierte man diese (oder auch nicht), und wie ging und geht man mit diesen Erfahrungen um ... Alles zusammen sind das höchst aktuelle Fragen, die virulent sind, auch wenn sie in der Öffentlichkeit nicht erörtert, allenfalls als Waffe in der politischen Diskussion eingesetzt werden.
Eine kritische Bilanz der Philosophie und deren Beitrag zur Entwicklung der DDR sowie deren Untergang steht noch immer aus. Knapp zwei Jahrzehnte nach dem Ende der sozialistischen deutschen Republik liegt sie nun in Gestalt einer Autobiographie endlich vor. Alfred Kosing, einer der maßgebenden marxistischen Philosophen der DDR, hält Rückschau. Der zeitliche Abstand wie auch die räumliche Distanz erweisen sich als Gewinn: Mit Souveränität und Gelassenheit stellt Kosing alles auf den Prüfstand. Seine Analyse schließt die Gegenwart ebenso mit ein wie den internationalen Kontext, in welchem die DDR handelte. Ja, es ist eine kritische Abrechnung mit den Akteuren und der Politik der sogenannten Staats- und Parteiführung.
Erstmals unzensiert: "eine ergreifende Dokumentation über die Leningrader Blockade". Ingo Schulze.
Als Ales Adamowitsch und Daniil Granin 1974 begannen, Überlebende der 900 Tage andauernden Blockade Leningrads durch die deutsche Wehrmacht zu interviewen, ahnten sie nicht, worauf sie sich einließen. Die beiden Autoren wollten kein neues Heldenepos erstellen, sondern dokumentieren, wie es den Menschen ergangen war, die damals in der Stadt eingeschlossen waren, unter Hunger, Kälte und Beschuss litten und viele ihrer Angehörigen und Freunde verloren. Um das "Blockadebuch" 1981 zum ersten Mal veröffentlichen zu dürfen, mussten sie viele Wahrheiten der sowjetischen Zensur opfern.
Sensation, Sensation: Archäologen haben in einem Geheimfach in Marc-Uwes Schreibtisch neue Geschichten vom Känguru und seinem Kleinkünstler gefunden! Dies ist nicht die Fortsetzung der Fortsetzung der Fortsetzung der Känguru-Chroniken. Triologie bleibt Triologie. Aber ein anständiger Kleinkünstler hat natürlich eine Zugabe vorbereitet.
Der Kosovo-Krieg zwischen 24. März und 10. Juni 1999 war der erste NATO-Angriff ohne Ermächtigung des UN-Sicherheitsrats. Die als "humanitäre Intervention" bezeichnete Operation Allied Force wurde als Einmischung gerechtfertigt, die "weitere schwere und systematische Verletzungen der Menschenrechte unterbinden und eine humanitäre Katastrophe im Kosovo verhindern" sollte (Bundeskanzler Gerhard Schröder am 24. März in seiner Fernsehansprache). Und Außenminister Joschka Fischer unterstrich seine Zustimmung zum ersten deutschen Krieg seit 1945 mit der Begründung, er habe nicht nur "Nie wieder Krieg", sondern auch "Nie wieder Auschwitz" gelernt. Kurt Gritsch bietet eine umfassende Darstellung des Kosovo-Konflikts und beleuchtet dabei sowohl die Vorgeschichte als auch die Folgen.
Marx 2.0 - Die Rückkehr eines Verdrängten
Diego Fusaro veranschaulicht, wie sehr die gängige Ideologie heute darum bemüht ist, Marx in "entkoffeinierter" Form - also ohne sein antikapitalistisches Pathos und ohne seine revolutionäre Natur - vorzeigbar zu machen. Marx' politische Ausdruckskraft bleibt aber im Kern stets oppositionell und umstürzlerisch. In seinem neuen und radikalen Buch untersucht Diego Fusaro die aktuelle neoliberale Welt durch die Brille von Marx. Er liefert damit einen neuen Schlüssel zum Verständnis des "Kapitals" und eine Begründung dafür, warum das Werk als ein Klassiker der Philosophie und ein Meisterwerk des deutschen Idealismus verstanden werden kann, ja muss.
Zur Geschichte der einzigen staatlichen Schriftstellerhochschule in der DDR und ihrer Funktion und Bedeutung im literarischen Raum der DDR.
Das Leipziger Institut für Literatur "Johannes R. Becher" ist eine Schlüsselinstitution der DDR-Literaturhistorie. 1955 in der DDR gegründet, wurden hier unter den Bedingungen einer normativ dominanten Herrschaftsstruktur Prozesse und Formen des literarischen Schreibens gefördert und vermittelt. Knapp 1000 Absolventen, darunter einige später namhafte DDR-Autoren (Werner Bräunig, Adolf Endler, Rainer und Sarah Kirsch, Erich Loest, Fred Wander), wurden am Becher-Institut zwischen 1955 und 1993 literaturpädagogisch und intellektuell sozialisiert. Die Fäden von fast vierzig Jahren Literaturgeschichte der DDR laufen an einem Ort zusammen, wo ideologische Doktrin, künstlerischer Auftrag und das Streben nach ästhetisch-poetischen Freiräumen im konfliktträchtigen Widerspruch standen.
Mitte der 1990er Jahre wurden im Sonderarchiv Moskau bis dahin unbekannte Protokolle der Geheimkonferenzen von Joseph Goebbels im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda aus den Jahren 1939 bis 1945 entdeckt. Olga Shtyrkina legt die erste umfassende Auswertung vor und analysiert die Transformation der NS-Propagandastrategie gegen die UdSSR entlang des Kriegsverlaufs. Ihre Analyse reicht von der "großen Täuschung" des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakts über das Scheitern des "Blitzkriegs" und die Proklamation des "totalen Kriegs" nach der Schlacht von Stalingrad bis zum Versuch der Jahre 1944/1945, den Kriegsverlauf mithilfe des medialen Schlachtfelds zu verändern. Das Buch schließt damit eine wichtige Lücke in der historischen Kommunikationsforschung.