Sally Weintrobe sieht die Klimakrise vor dem Hintergrund eines grundlegenden Konflikts zwischen einer achtsam-fürsorglichen und einer achtlos-zerstörerischen Weltsicht als Folge eines gestörten Gleichgewichts dieser Kräfte. Dabei richtet sie ihr Augenmerk besonders auf Einflüsse des neoliberalen Exzeptionalismus, der dem latent immer vorhandenen Anspruch, ideal zu sein und Wünsche jeder Art bevorzugt erfüllt zu bekommen, Vorschub leistet. Im Zusammenhang damit steht eine Haltung gegenüber der Natur, die Abhängigkeit leugnet und von grenzenloser Belastbarkeit und Verfügbarkeit derselben ausgeht.
Konsumismus (Thema)
Der große humanistische Denker nimmt die westliche Konsumgesellschaft in kritischen Augenschein.
»Glücklich sein heißt immer neuere und bessere Waren konsumieren, sich Musik, Filme, Vergnügen, Sex, Alkohol und Zigaretten einverleiben ... Jedermann ist 'glücklich' - nur fühlt er nichts, kann er nicht mehr vernünftig denken und kann er nicht mehr lieben.«
Diese ernüchternde Diagnose des »Patienten« Gesellschaft aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts könnte zugleich Befund der heutigen Zeit sein.
Pasolinis großes Buch ist das furchtlose und radikale Porträt einer Gesellschaft, die von ihrer Ich-Besessenheit zerstört wird, und möglicherweise einer der Gründe, warum er so gewaltsam sterben musste.
Die Ermordung Pasolinis 1975 beendete die Arbeit an seinem Hauptwerk, dem Roman Petrolio, das er Jahre zuvor begonnen hatte. Als sich die Nichte Pasolinis 17 Jahre später entschloss, den Roman in einer sorgfältigen kommentierten Form zu veröffentlichen, verursachte er einen Riesenskandal. Pasolinis Bilder der Macht kommen aus einem Zentrum der Macht, dem Erdölkonzern ENI. Es sind bittere und satirische Bilder, voll Trauer über die Zerstörung einer vertrauten Welt, voll Wut über den heraufkommenden hedonistischen Konsumismus. Dieser Furor wie auch die ausschweifenden Szenen sexueller Orgien haben auch nach 40 Jahren nichts von ihrer Brisanz, Provokationskraft und Modernität verloren. Unwillkürlich hält der Leser inne, wird rot angesichts der Grenzüberschreitungen aller Art.
Fortschritt der Technik und Wachstum der Wirtschaft waren für die geistigen Wegbereiter der modernen Welt kein Selbstzweck, sondern sollten die Menschen befähigen, weiser, besser und glücklicher zu werden. Dies ist längst in Vergessenheit geraten. An den Schaltstellen der Wirtschaft, die einen ungeheuren materiellen Reichtum hervorbringt, hat man den Wert der geistigen Armut für den Umsatz der Konsumgüterindustrie erkannt. Weil Bildung nicht »cool« ist und traditionelle Formen der Geselligkeit verschwunden sind, müssen Shopping, Computerspiele, Shows und Pauschalreisen die Langeweile in der Freizeit vertreiben. Während die Technik immer neue Triumphe feiert, erleben wir gleichzeitig einen allgemeinen kulturellen Niedergang.
Menschen über dreißig kennen oft nicht einmal ihre Namen, für jüngere Jahrgänge sind sie Topstars: Influencer. Junge Erwachsene und sogar Kinder filmen sich beim Schminken, auf Reisen oder beim Sport und teilen ihre Tipps über soziale Medien mit ihren Fans. Dabei platzieren sie geschickt Produkthinweise und verdienen so ihren Lebensunterhalt - oder gar ein Vermögen.
Für Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt sind die Influencer symptomatische Sozialfiguren unserer Zeit. In der Abstiegsgesellschaft scheinen noch einmal Aufstiegsträume wahr zu werden, der Spätkapitalismus hübscht sein Gesicht mit Filtern und Photoshop auf, mit einer revolutionären Form der Werbung komplettieren Instagrammer und Youtuber das Geschäftsmodell des kommerziellen Internets.
Die rasante Entwicklung von künstlicher Intelligenz, die ersten Quantencomputer und die Automatisierung von immer weiteren Lebens- und Arbeitsbereichen wird massive Auswirkungen auf unsere Zukunft und unser Wirtschaftsmodell haben. Algorithmen werden zu Autoritäten und diese werden unvermeidlich im Wettbewerb gegeneinander antreten. Aber Technologie allein kann und wird nicht die Antwort auf alle unsere Herausforderungen sein. Noch sind wir Menschen die Treiber und Bindeglieder, die unsere Umwelt, Gesellschaft, Wirtschaft und Realität steuern können.
Anders Indset entwickelt drei Szenarien für die nächsten 10 bis 20 Jahre in denen unsere Zukunft unumkehrbar entschieden wird.
WAS KOMMT NACH DEM SHOPPEN?
Die Pandemie hat uns vorübergehend auf einen kalten Konsum-Entzug gesetzt. Doch sie hat uns nicht geheilt. Wir kaufen einfach immer weiter - auch Dinge, die wir eigentlich nicht brauchen. Was treibt uns dazu? Und was verändert sich gerade? Trendforscher Carl Tillessen nimmt uns mit hinter die Kulissen einer globalen Maschinerie, deren Erfolg vor allem auf Manipulation und Ausbeutung basiert. Stück für Stück seziert er die psychologischen Mechanismen, die bei uns immer wieder greifen - und schärft dabei unser Bewusstsein: für unsere eigentlichen Bedürfnisse, aber auch für die Bedingungen, unter denen unsere Smartphones und Sneaker entstehen. Denn der Preis, den die Natur und die Menschen in den Produktionsländern für unseren Hyperkonsum zahlen, ist hoch. Doch nie war die Chance, daran etwas zu ändern, so groß wie heute.
Globalisierung wird häufig überwiegend wirtschaftlich verstanden. Rüdiger Vossen setzt sich als Kulturwissenschaftler und Ethnologe jedoch in einem viel umfassenderen Sinn mit ihr auseinander. Er betrachtet sie als gleichermaßen kulturelles, soziologisches, psychologisches, ökologisches und natürlich auch wirtschaftliches Phänomen.
So ist ein einzigartiges Buch entstanden, das nicht nur die Geschichte der Globalisierung darstellt - von der ersten "Globalisierung zu Fuß" in der Frühphase der menschlichen Entwicklung über die Erfindung der Buchdruckerkunst, das Zeitalter der Entdeckungen, den Kolonialismus bis hin zur Entwicklung der gegenwärtigen Machtverhältnisse und den Folgen der Digitalisierung heute-, sondern auch ihre vielfältigen Folgen in den Blick nimmt.
Ein halbes Jahrhundert nach dem Aufbruch, der im Jahre 1968 weite Teile der Jugend Europas erfasst hatte, sind aus den Versatzstücken einer Kultur des Aufbegehrens Eckpfeiler einer hegemonialen Biedermeierlichkeit geworden. Die Rebellion gegen den verstockten Nachkriegskonservativismus ist zu einem neuen Establishment erstarrt.
Pasolinis berühmte Streitschriften sind ein Wendepunkt in der Diksussion über den "Fortschritt". Sie widersprechen radikal dem common sense einer Massenkultur, die das Besondere einebnet, das Alte zerstört und die Unterschiede nivelliert. Die "Freibeuterschriften" erscheinen hier in einer vollständig revidierten Neuausgabe mit einem Vorwort von Peter Kammerer.