Glenn Diesen Deutsch (Medienpräsenz)

44:46

Scott Ritter ist ehemaliger Major, Nachrichtendienstoffizier, US-Marine und UN-Waffeninspektor. Ritter spricht über Russlands Drohung mit einem Vergeltungsschlag gegen europäische Ziele. 

Zeitmarken

1. Russlands Drohungen gegen Europa

  • Drohnenangriffe: Ritter thematisiert Berichte, wonach Drohnenangriffe auf russisches Territorium von europäischem Boden (Baltikum, Finnland) ausgingen [00:38]. Russland sieht dies als Akt des Krieges und behält sich das Recht auf Selbstverteidigung vor [01:07].
  • Potenzielle Angriffe: Ritter glaubt nicht an bloße Warnschläge. Er argumentiert, dass Russland, wenn es angreift, einen "verheerenden Schlag" führen wird, um die europäische Fähigkeit zur Unterstützung der Ukraine dauerhaft auszuschalten [05:01].
  • Ziel: Das Ziel sei es, Europa die Kosten seines Handelns klarzumachen und die NATO-Struktur zu erschüttern [06:22].

2. Der Zustand der NATO und die Rolle der USA

  • Rückzug der USA: Unter Donald Trump sieht Ritter ein Ende der NATO-Solidarität. Trump betrachte die NATO als "Papiertiger" und werde Europa bei einem russischen Angriff vermutlich nicht zu Hilfe kommen [08:21], [10:20].
  • Artikel 5: Da einzelne Nationen (Deutschland, UK) außerhalb des NATO-Rahmens handeln, sei es rechtlich schwierig, den Bündnisfall (Artikel 5) überhaupt zu rechtfertigen [09:05].
  • Europa ohne USA: Ritter behauptet, Europa besitze ohne die USA keine nennenswerte militärische Kraft, keine funktionierende Verteidigungsindustrie und keine koordinierte Armee [21:06].

3. Die Lage in der Ukraine

  • Sommeroffensive: Ritter erwartet eine entscheidende russische Offensive in diesem Sommer, insbesondere im Donbass (Slovjansk und Kramatorsk) [10:52], [14:00].
  • Erschöpfung: Er beschreibt die ukrainischen Streitkräfte als erschöpft und ohne Reserven, während Russland das Schlachtfeld methodisch vorbereitet habe [13:33].
  • Ungarn: Den Regierungswechsel bzw. die Schwächung Orbáns hält Ritter für irrelevant ("Theater"), da dies die grundlegenden Probleme der Ukraine oder Europas (Wirtschafts- und Energiekrise) nicht löse [15:17], [16:13].

4. Wirtschaftliche Auswirkungen und der Iran

  • Energiekrise: Der Konflikt im Iran verschärfe die europäische Wirtschaftskrise massiv. Ritter warnt vor einem baldigen Mangel an Flugbenzin und Diesel in Europa, was zum Stillstand der Logistik führen könnte [16:39], [31:40].
  • Trumps Strategie: Ritter bezeichnet Trumps Vorgehen im Iran als politisches Theater für die heimische Wählerschaft. Trump wolle einen Frieden präsentieren, um als "Friedensstifter" in die Zwischenwahlen zu gehen, obwohl der Iran faktisch die Kontrolle über die Straße von Hormus behalte [22:51], [26:45].

5. China und globale Auswirkungen

  • Energiesicherheit: Die Blockade des Irans treffe China hart, da es der wichtigste Importeur von iranischem Öl ist. Dies zwinge China zu einer aggressiveren Haltung im internationalen System [34:24], [38:09].
  • Rhetorik vs. Realität: Ritter behauptet, die USA hätten bisher keine chinesischen Tanker gestoppt, da dies eine unkalkulierbare Eskalation mit Peking bedeuten würde [35:49].

Fazit der Analyse

Scott Ritter zeichnet das Bild einer dysfunktionalen europäischen Politik, die sich ohne Rückdeckung der USA in einen gefährlichen Konflikt mit Russland manövriert habe. Er prognostiziert einen militärischen Sieg Russlands in der Ukraine und eine tiefgreifende ökonomische sowie politische Krise für den europäischen Kontinent.

24:02

Seyed Mohammad Marandi befindet sich in Islamabad, wo die Verhandlungen zwischen Iran und den USA gescheitert sind. Marandi erklärt, warum die Verhandlungen gescheitert sind und dass es wahrscheinlich zu einer Rückkehr zum Krieg kommen wird. In den US-Medien gibt es bereits Drohungen, die iranische Führung und Delegation zu töten. Marandi ist Professor an der Universität Teheran und ehemaliger Berater des iranischen Atomverhandlungsteams. (

10:04:27

Stanislav Krapivnik erörtert, wie Russlands Fähigkeit, den USA auf der Eskalationsleiter zu folgen, dem Beispiel Irans nachempfunden sein könnte, und dass der erste Schritt darin bestünde, ein Exempel an Estland zu statuieren. Krapivnik ist ein ehemaliger Offizier der US-Armee aus dem Donbass, der inzwischen zurückgekehrt ist.  

Zeitmarken

  • Das Ende der westlichen Hegemonie: Die Gesprächspartner sehen in den Entwicklungen im Iran und in der Ukraine ein Scheitern der USA und eine Verschiebung hin zu einer multipolaren Weltordnung, die zunehmend von nicht-westlichen Staaten angeführt wird [00:27].
  • Russlands Abkehr vom Westen: Krapivnik argumentiert, dass Russland lange versucht habe, Teil des Westens zu sein, aber zurückgewiesen wurde. Nun habe das Pendel extrem in eine anti-westliche Richtung ausgeschlagen, was über Jahrzehnte so bleiben werde [01:26]. Russland betrachte sich nicht mehr als europäisch, sondern als eigene Zivilisation [41:52].
  • Die "Lektion Iran": Der Iran habe gezeigt, wie man durch Entschlossenheit und die Bereitschaft zur Eskalation Abschreckung gegenüber den USA wiederherstellt. Krapivnik kritisiert die russische Führung dafür, bisher zu zögerlich reagiert zu haben, was den Westen zu weiteren Provokationen ermutigt habe [45:49].
  • Fokus auf das Baltikum (insbesondere Estland): Es wird spekuliert, dass Russland an Estland ein "Exempel statuieren" könnte, um die Abschreckung gegenüber der NATO wiederherzustellen. Estland wird als idealer Ort für eine solche Demonstration angesehen, da dort Drohnenangriffe auf Russland gestartet worden seien und die russische Minderheit unterdrückt werde [24:33, 46:17].
  • Kritik an der EU und Deutschland: Krapivnik wirft der EU-Führung vor, ihre Bevölkerung als "biologisches Material" für einen Krieg zu opfern, an dem US-Finanzinteressen verdienen würden [57:31]. Er sieht eine "Ukrainisierung" Europas durch die Einführung der Wehrpflicht und Einschränkungen der Reisefreiheit (z. B. in Deutschland) [30:40].
  • Direkte Kriegsbeteiligung der NATO: Die Sprecher behaupten, die NATO (insbesondere die USA) sei bereits direkt am Krieg beteiligt, etwa durch die Steuerung von HIMARS-Raketen durch US-Personal auf russische Ziele [54:45].
  • Ausblicke: Am Ende des Gesprächs äußert Krapivnik Thesen über eine geplante Reduzierung der Weltbevölkerung ("Goldene Milliarde") und den gezielten Austausch der europäischen Bevölkerung durch Massenmigration [01:00:15].

43:37

Max Blumenthal erörtert, warum der Konsens über die US-israelische Partnerschaft zerbricht, da der aufdringliche Einfluss Israels weithin als schädlich für die Interessen der USA angesehen wird. Der verheerende Iran-Krieg hat den MAGA-Bürgerkrieg weiter verschärft. Blumenthal ist Chefredakteur von The Grayzone, ein preisgekrönter Journalist und Autor mehrerer Bücher, darunter die Bestseller Republican Gomorrah*, *Goliath*, *The Fifty One Day War und *The Management of Savagery*. Er hat zahlreiche Printartikel für verschiedene Publikationen verfasst, viele Videoberichte produziert und mehrere Dokumentarfilme gedreht, darunter *Killing Gaza*.  

Zeitmarken

  • Allumfassender Einfluss: Blumenthal argumentiert, dass der israelische Einfluss in Trumps Umfeld "allumfassend" sei und seine gesamte Karriere sowie sein politisches Personal präge [01:00].
  • Wandel in Trumps Haltung: Während Trump zu Beginn seiner ersten Kandidatur (2015/16) noch von einem "Deal" zwischen Israelis und Palästinensern sprach, was ihm Vorwürfe der Israel-Lobby einbrachte [02:54], schloss er später einen Pakt mit Milliardären wie den Adelsons, um das Iran-Abkommen (JCPOA) zu zerstören [05:06].
  • Personalentscheidungen: Blumenthal nennt zahlreiche Namen in Trumps Team, die er als "Israel-Zuerst-Milliardäre" oder deren Beauftragte bezeichnet, darunter Mike Rubio, Mike Waltz und Pete Hegseth [09:07]. Er behauptet, dass Schlüsselfiguren wie Suzy Wiles (Stabschefin) enge Verbindungen zu israelischen Wahlkämpfen hatten [10:20].
  • Der "Putsch" im Situation Room: Es wird über ein Treffen am 11. Februar berichtet, bei dem der israelische Premierminister Netanjahu angeblich im Situation Room des Weißen Hauses saß und Trump zum Angriff auf den Iran drängte [14:07]. Blumenthal bezeichnet die aktuelle US-Außenpolitik gegenüber dem Iran als Ergebnis eines "Putsches" durch israelische Interessen [16:19].
  • IsraelGate vs. RussiaGate: Blumenthal prägt den Begriff "IsraelGate" und behauptet, dass viele der Vorwürfe aus der RussiaGate-Affäre eigentlich auf israelische Einflussnahme zurückzuführen seien [19:49].
  • Spaltung der MAGA-Basis: Ein zentraler Punkt ist der "MAGA-Bürgerkrieg". Während Trump treue Unterstützer wie Tucker Carlson, Candace Owens und Alex Jones angriff, weil sie die bedingungslose Unterstützung Israels kritisierten [30:14], stützt er sich laut Blumenthal nun verstärkt auf Influencer, die durch Netzwerke wie Salem Media (das er als israelischen Auslandsagenten bezeichnet) finanziert werden [35:49].
  • Finanzielle Verflechtungen: Blumenthal behauptet, dass Mitglieder der Trump-Familie (Lara Trump und Donald Trump Jr.) Anteile an Medienunternehmen halten, die Verträge mit dem israelischen Außenministerium haben [36:52].

Blumenthal kommt zu dem Schluss, dass die "America First"-Bewegung sich zunehmend von Trump entfremdet, da dieser eher wie ein "israelischer Führer" agiere [25:23], und dass dies langfristig zu einer fundamentalen Neuausrichtung der US-Außenpolitik führen könnte.

48:48

Seyed Mohammad Marandi spricht über den Waffenstillstand – was vereinbart wurde und wie er gebrochen wird. Marandi ist Professor an der Universität Teheran und ehemaliger Berater des iranischen Atomverhandlungsteams.

37:14

Timofei Bordachev argumentiert, dass das Denken über das „Great Game“ des 19. Jahrhunderts noch immer die Sichtweise auf Zentralasien prägt, obwohl sich die geopolitischen Realitäten dieser Region stark verändern. Bordachev ist Programmdirektor des Valdai Discussion Club und akademischer Betreuer des Zentrums für umfassende europäische und internationale Studien an der National Research University Higher School of Economics.

Zeitmarken

  • Das „Great Game“ als Mythos: Bordachev argumentiert, dass das „Great Game“ des 19. Jahrhunderts (die Rivalität zwischen dem Britischen Empire und dem Russischen Reich) weniger eine harte machtpolitische Realität als vielmehr ein intellektuelles Narrativ war. Es erlaubte beiden Mächten, in einer Randregion zu konkurrieren, ohne ihre Kernbeziehungen in Europa zu gefährden [01:27, 02:43].
  • Die Handlungsfähigkeit Zentralasiens: Im Gegensatz zum 19. Jahrhundert verfügen Staaten wie Kasachstan und Usbekistan heute über eine ausgeprägte Souveränität. Bordachev betont die tiefe kulturelle Geschichte und politische Weisheit dieser Region, die oft unterschätzt werde. Diese Staaten nutzen das Narrativ des „Great Game“ taktisch, um internationale Aufmerksamkeit und Investitionen zu generieren [04:31, 10:06].
  • Kein Nullsummenspiel: Während der Westen oft versuche, Zentralasien von Russland zu „entkoppeln“, verfolgen Akteure wie China und Russland laut Bordachev einen pragmatischeren Ansatz. China konzentriere sich auf Handel, während Russland durch die Bereitstellung von Millionen Arbeitsplätzen für zentralasiatische Migranten ein wesentlicher Pfeiler der regionalen Stabilität bleibe [12:49, 30:29].
  • Flexibilität statt Hegemonie: Organisationen wie die SOZ (Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit) oder BRICS seien gerade deshalb attraktiv für Zentralasien, weil sie keinen einzelnen Hegemon oder eine zentralisierte Führung haben. Dies entspreche der eurasischen Tradition der Freiheit und Eigenständigkeit [16:34, 17:30].
  • Geographische Sicherheit: Anders als die Ukraine sei Zentralasien geographisch so gelegen, dass es für den Westen unmöglich sei, dort ernsthafte militärische Infrastruktur gegen Russland aufzubauen. Zudem gebe es keine Notwendigkeit für Russland oder China, dort Raketen gegeneinander zu stationieren [09:07, 35:42].
  • Entwicklungen in Afghanistan: Bordachev berichtet von einer psychologischen Stabilisierung in Afghanistan seit dem Abzug der NATO. Die offizielle Anerkennung der Taliban-Regierung durch Russland (Anfang Juli 2025/2026) spiegele den Respekt vor der Souveränität wider, die es Afghanistan erlaube, mit allen Mächten unabhängig zu verhandeln [25:01, 27:08].

Fazit der Analyse:

Anstelle des veralteten „Great Game“-Modells schlägt Bordachev das Konzept der „Weltmehrheit“ vor. Dieses besagt, dass das primäre Ziel der meisten Staaten heute die Entscheidungsfreiheit ist – also das Recht, Handels- und Politikpartner unabhängig von exklusiven Blöcken zu wählen [33:48].

49:27

Scott Ritter ist ehemaliger Major, Nachrichtendienstoffizier, US-Marine und UN-Waffeninspektor. Ritter spricht über Trumps Warnung: „Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht sterben.“ 

Zeitmarken

  • Nukleare Drohungen und Völkerrecht: Ritter kritisiert Donald Trumps Rhetorik auf Truth Social als „irrational“ und „genozidal“. Er warnt, dass der präventive Einsatz von Atomwaffen gegen eine nicht-nukleare Bedrohung ein beispielloses Kriegsverbrechen wäre, das gegen die Prinzipien der Verhältnismäßigkeit und Unterscheidung verstößt [00:47, 03:33].
  • Gescheiterte Spezialmission in Isfahan: Laut Ritter war die vermeintliche Rettungsmission für einen abgestürzten Piloten in Wahrheit eine verdeckte Operation zur Sicherung iranischen Urans. Er vermutet, dass Seal Team 6 und die Delta Force versuchten, in einen Tunnelkomplex bei Isfahan einzudringen. Die Mission scheiterte jedoch, da sie vorab kompromittiert war und die Iraner vorbereitet waren [08:43, 13:35].
  • Iranische Eskalationskontrolle: Ritter betont, dass der Iran bisher besonnen, aber entschlossen reagiert habe. Er warnt jedoch, dass der Iran bei einer existenziellen Bedrohung in der Lage sei, die Entsalzungsanlagen in Israel und den Golfstaaten zu zerstören, was diese Nationen unbewohnbar machen würde [16:55, 19:52].
  • Militärische Sackgasse für die USA: Aus militärischer Sicht sieht Ritter keine konventionelle Option, die zum Sieg führen könnte. Die Einnahme der Insel Chark wäre logistisch nicht haltbar und würde die Straße von Hormus nicht öffnen [25:20, 40:51].
  • Geopolitische Folgen: Ritter sieht die USA in einer „absoluten Katastrophe“. Ein Atomwaffeneinsatz würde die USA zum weltweiten Paria machen und Russland sowie China zu einer existenziellen Gegenreaktion zwingen. Europa hält er aufgrund seiner Energieabhängigkeit und politischen Heuchelei für „irrelevant“ [21:56, 30:13].
  • Ausblick für Israel: Für Israel prognostiziert Ritter das Ende seines aktuellen Modells als regionale Supermacht. Der wirtschaftliche Schaden sei bereits jetzt immens, und ohne Wasserversorgung durch Entsalzungsanlagen drohe eine massive Fluchtbewegung [43:19, 47:46].

Fazit der Analyse:

Ritter plädiert für einen diplomatischen Ausweg, bei dem der Iran eine Art „Maut“ in der Straße von Hormus zur Finanzierung des Wiederaufbaus erheben darf, während die USA einen gesichtswahrenden Abzug vollziehen [26:30, 34:50].

37:46

Zeitmarken

1. Das Ende der US-Hegemonie

Sachs argumentiert, dass die globale Vormachtstellung der USA, die seit 80 Jahren besteht, durch den Iran-Konflikt endgültig zerbricht.

  • Militärisches Scheitern: Trotz der Rhetorik von "Shock and Awe" (Schock und Ehrfurcht) zeigen reale Ereignisse – wie der Abschuss von US-Jets und die Erschöpfung der Raketenabwehr –, dass die USA das Schlachtfeld nicht mehr dominieren können [05:03, 07:06].
  • Glaubwürdigkeitsverlust: Die Vorstellung, dass die USA unbesiegbar seien, sei eine "Unwirklichkeit". Wer seine Sicherheit allein auf den Schutz der USA baut, begibt sich laut Sachs in Lebensgefahr [20:28].

2. Kritik an der politischen Führung

Sachs analysiert die psychologischen Profile von Donald Trump und Benjamin Netanjahu:

  • Persönlichkeitsfaktoren: Er bezeichnet Trump als "psychopathisch, paranoid und größenwahnsinnig" [14:05]. Seine Politik basiere nicht auf rationalen Fakten, sondern auf Impulsen.
  • Biblische Rhetorik: Netanjahus Rückgriff auf die "zehn Plagen" und eine Sprache aus dem 9. Jahrhundert v. Chr. zeuge von einer gefährlichen Entmenschlichung des Gegners und einem ideologischen Fanatismus ohne Grenzen [02:14, 07:50].

3. Die "fatale Freundschaft" der Verbündeten

Ein zentraler Punkt ist die Warnung an Europa und die Golfstaaten:

  • Souveränitätsverlust: Europa sei 80 Jahre nach Kriegsende immer noch "halb besetzt" und politisch unterwürfig gegenüber den USA [20:12].
  • Kissingers Erbe: Sachs zitiert Henry Kissinger: „Es ist gefährlich, ein Feind der USA zu sein, aber tödlich, ihr Freund zu sein“ [19:13]. US-Basen seien heute eher Magneten für Konflikte als Garanten für Sicherheit [20:02].
  • Technologische Fehleinschätzung: Die Golfstaaten hätten geglaubt, durch Käufe von Nvidia-Chips oder KI-Waffensystemen (z. B. von Palantir) geschützt zu sein. Dabei unterschätzten sie die technologische Stärke des Irans [23:10, 24:35].

4. Weg in eine multipolare Zukunft

Sachs plädiert für eine radikale Neuausrichtung der Außenpolitik:

  • Regionale Kooperation: Statt sich vom "Imperium spalten zu lassen", sollten Länder wie Japan, Korea oder die Golfstaaten Frieden mit ihren Nachbarn (China, Iran) schließen [25:18, 27:08].
  • Realismus statt Russophobie: Er bezeichnet die aktuelle Russophobie in Europa als "historische Fiktion" und betont, dass Sicherheit in Europa nur mit Russland möglich ist [27:39].

Fazit

Professor Sachs sieht den aktuellen Iran-Krieg als einen "Krieg aus Laune" [06:34], der keine positive Lösung bietet. Er warnt, dass das Festhalten an der hegemonialen Denkweise die Welt in eine wirtschaftliche und militärische Katastrophe führt, wenn die Verbündeten nicht beginnen, ihre eigene Souveränität zurückzufordern und sich an die multipolare Realität anzupassen.

1:15:35

Joe Kent ist der ehemalige Direktor des Nationalen Zentrums für Terrorismusbekämpfung, der im März 2026 aufgrund des Krieges gegen den Iran zurücktrat. Kent spricht über den Fehler, den Iran anzugreifen, den aufdringlichen Einfluss Israels auf die US-Außenpolitik, die Missachtung der Tatsache, dass der Iran ein rationaler Akteur ist, die kriegsfreundliche Voreingenommenheit in Washington, den Beitrag der USA zur Entstehung des IS, den Fluch der endlosen Kriege und die Hybris nach der militärischen Intervention in Venezuela. 

Zeitmarken

1. Rücktritt und Kritik am Iran-Kurs

Joe Kent erläutert seinen Rücktritt damit, dass der Krieg gegen den Iran ein strategischer Fehler sei. Er argumentiert, dass der Iran keine unmittelbare Bedrohung darstellte und unter der Trump-Regierung zunächst einer kalkulierten Eskalationslogik folgte, bis Angriffe auf Nuklearanlagen die Situation verschärften [01:31]. Er warnt davor, dass eine Strategie des Regimewechsels, die bereits im Irak, in Libyen und Syrien gescheitert ist, erneut in eine Katastrophe führen werde [02:54].

2. Einfluss Israels auf die US-Politik

Kent beschreibt einen starken Einfluss Israels auf die Entscheidungsfindung in Washington.

  • Geheimdienste: Die USA verließen sich zu stark auf israelische Informationen, die nicht nur der Aufklärung, sondern auch der politischen Beeinflussung dienten [05:26].
  • Rote Linien: Laut Kent verschob die israelische Lobby die US-Politik von "keine Atomwaffe" hin zu "keine Urananreicherung", um Verhandlungen zwischen Trump und dem Iran zu torpedieren [07:20].
  • Eskalationsspirale: Er behauptet, Israel provoziere gezielt Reaktionen des Iran, um die USA tiefer in den Konflikt hineinzuziehen [30:18].

3. Die Situation in Syrien und die Entstehung des IS

Das Interview beleuchtet die Folgen des US-Engagements in Syrien:

  • Fehlkalkulationen: Durch die Unterstützung sunnitischer Hardliner im Kampf gegen das Assad-Regime wurde der Boden für Al-Qaida und später den IS bereitet [44:39].
  • Abu Mohammad al-Dschaulani: Kent analysiert die Rolle des HTS-Anführers (ehemals Al-Nusra), der nun versuche, Syrien zu stabilisieren, dabei aber zwischen den Interessen der Türkei, Israels und seiner eigenen radikalen Basis gefangen sei [53:47].

4. Strategische Folgen und globale Dynamik

  • Gewinner China: Durch die Bindung US-amerikanischer Kräfte im Nahen Osten gewinne China Handlungsspielraum im Pazifik [01:02:34].
  • Petrodollar: Die Kontrolle des Iran über die Straße von Hormus und die Abwicklung von Ölgeschäften in anderen Währungen (wie dem Yuan) bedrohe den Status des Dollars als Weltreservewährung [01:03:07].
  • Nukleare Proliferation: Der aggressive Kurs gegen den Iran signalisiere anderen Staaten, dass nur der Besitz von Atomwaffen (wie im Fall Nordkoreas) vor einer Invasion schütze [59:04].

Fazit und Prognose

Kent sieht einen Ausweg nur darin, Israel militärisch "zurückzuhalten" und den Iran durch Sanktionslockerungen zurück an den Verhandlungstisch zu bringen [34:05]. Ohne eine solche Kehrtwende befürchtet er einen langwierigen Abnutzungskrieg, in dem der Iran durch seine geografische Lage und die Blockade von Handelswegen langfristig im Vorteil sei [01:13:28].