03.04.2026

Joe Kent: Iran-Krieg, Israels Einfluss & die Entstehung des IS

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auf YouTube (03.04.2026) 1:15:35

Medienpräsenz

Joe Kent ist der ehemalige Direktor des Nationalen Zentrums für Terrorismusbekämpfung, der im März 2026 aufgrund des Krieges gegen den Iran zurücktrat. Kent spricht über den Fehler, den Iran anzugreifen, den aufdringlichen Einfluss Israels auf die US-Außenpolitik, die Missachtung der Tatsache, dass der Iran ein rationaler Akteur ist, die kriegsfreundliche Voreingenommenheit in Washington, den Beitrag der USA zur Entstehung des IS, den Fluch der endlosen Kriege und die Hybris nach der militärischen Intervention in Venezuela. 

Zeitmarken

1. Rücktritt und Kritik am Iran-Kurs

Joe Kent erläutert seinen Rücktritt damit, dass der Krieg gegen den Iran ein strategischer Fehler sei. Er argumentiert, dass der Iran keine unmittelbare Bedrohung darstellte und unter der Trump-Regierung zunächst einer kalkulierten Eskalationslogik folgte, bis Angriffe auf Nuklearanlagen die Situation verschärften [01:31]. Er warnt davor, dass eine Strategie des Regimewechsels, die bereits im Irak, in Libyen und Syrien gescheitert ist, erneut in eine Katastrophe führen werde [02:54].

2. Einfluss Israels auf die US-Politik

Kent beschreibt einen starken Einfluss Israels auf die Entscheidungsfindung in Washington.

  • Geheimdienste: Die USA verließen sich zu stark auf israelische Informationen, die nicht nur der Aufklärung, sondern auch der politischen Beeinflussung dienten [05:26].
  • Rote Linien: Laut Kent verschob die israelische Lobby die US-Politik von "keine Atomwaffe" hin zu "keine Urananreicherung", um Verhandlungen zwischen Trump und dem Iran zu torpedieren [07:20].
  • Eskalationsspirale: Er behauptet, Israel provoziere gezielt Reaktionen des Iran, um die USA tiefer in den Konflikt hineinzuziehen [30:18].

3. Die Situation in Syrien und die Entstehung des IS

Das Interview beleuchtet die Folgen des US-Engagements in Syrien:

  • Fehlkalkulationen: Durch die Unterstützung sunnitischer Hardliner im Kampf gegen das Assad-Regime wurde der Boden für Al-Qaida und später den IS bereitet [44:39].
  • Abu Mohammad al-Dschaulani: Kent analysiert die Rolle des HTS-Anführers (ehemals Al-Nusra), der nun versuche, Syrien zu stabilisieren, dabei aber zwischen den Interessen der Türkei, Israels und seiner eigenen radikalen Basis gefangen sei [53:47].

4. Strategische Folgen und globale Dynamik

  • Gewinner China: Durch die Bindung US-amerikanischer Kräfte im Nahen Osten gewinne China Handlungsspielraum im Pazifik [01:02:34].
  • Petrodollar: Die Kontrolle des Iran über die Straße von Hormus und die Abwicklung von Ölgeschäften in anderen Währungen (wie dem Yuan) bedrohe den Status des Dollars als Weltreservewährung [01:03:07].
  • Nukleare Proliferation: Der aggressive Kurs gegen den Iran signalisiere anderen Staaten, dass nur der Besitz von Atomwaffen (wie im Fall Nordkoreas) vor einer Invasion schütze [59:04].

Fazit und Prognose

Kent sieht einen Ausweg nur darin, Israel militärisch "zurückzuhalten" und den Iran durch Sanktionslockerungen zurück an den Verhandlungstisch zu bringen [34:05]. Ohne eine solche Kehrtwende befürchtet er einen langwierigen Abnutzungskrieg, in dem der Iran durch seine geografische Lage und die Blockade von Handelswegen langfristig im Vorteil sei [01:13:28].

Sprache (Ton)
Deutsch
Laufzeit
1h 15min 35s
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Erstellt: 06.04.2026 - 06:37  |  Geändert: 06.04.2026 - 09:31

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