Lässt sich der koloniale Genozid in Amazonien messen? Forscherstreit über Pollen in Seen und die CO 2 -Konzentration der Atmosphäre als Maß der vorkolonialen Bevölkerung im Regenwald. Von Norbert Suchanek, Rio de Janeiro Neues Deutschland 09.07.2021
Kolonialismus (Thema)
Wie lässt sich eine gerechtere, zukunftsfähige Gesellschaft denken?
Der Kapitalismus durch die Augen seiner schärfsten Kritiker
Diese zentrale Frage eint Kapitalismuskritiker durch die Jahrhunderte. Rasant und gewinnbringend porträtiert John Cassidy die wichtigsten Denker und Denkerinnen, deren Ideen für die Gegenwart genauso relevant sind wie vor 250 Jahren.
In ihrer »Antipathie gegen das Treiben unserer 'liberalen' Presse« fanden sie 1899 zusammen: Karl Kraus und Wilhelm Liebknecht. Für seine Zeitschrift 'Die Fackel' konnte der erst 25-jährige Publizist den fast 50 Jahre älteren Mitgründer der deutschen Sozialdemokratie in dessen letztem Lebensjahr als Autor gewinnen. Beide legten die Diskrepanz zwischen moralischem Anspruch und der Anpassung an bestehende Verhältnisse offen. Deshalb wandten sie sich sogar gegen die Kampagne für das Justizopfer Alfred Dreyfus.
Industrielle und Kriegsgewinnler, der zwiespältige SS-Mann Kurt Gerstein oder ein 'Nazi-Beamter', der es im besetzten Dänemark Jüdinnen und Juden ermöglichte, mit Hilfe des Widerstands nach Schweden zu fliehen: In zwölf Skizzen porträtiert der italienische Zeitzeuge Guido Lorenzetti Akteure aus der Zeit von NS-Herrschaft, Krieg und Besatzung.
Der Caudillo und sein Regime - die neue Biografie des spanischen Diktators
Der Spanier Francisco Franco zählt zu den prägenden Diktatoren des 20. Jahrhunderts. Anders als seine Verbündeten Hitler und Mussolini konnte er sich über den Zweiten Weltkrieg hinaus bis 1975 an der Macht halten. Die Einordnung seiner Person und seiner beinahe 40-jährigen Herrschaft in die europäische Zeitgeschichte ist dabei auch heute noch umstritten. Diese umfassende Darstellung von Francos Leben gibt Einblicke in die wechselvolle Geschichte Spaniens im 20. Jahrhundert und bietet zugleich Ansatzpunkte für ein besseres Verständnis autoritärer Herrschaft in der Gegenwart.
Ein Fest der Völkerfreundschaft, die Aussicht auf eine Welt von morgen: Die Verheißungen der Fußball-Weltmeisterschaften finden sich etwa in Uruguay 1930 oder Südafrika 2010. Oder sie spiegeln sich auf dem Rasen: Mexiko 1970 und '86. Doch in die WM-Geschichte hat sich die Dominanz des Nordens eingebrannt.
Und der afrikanische Fußball? Nachfahren von Sklaven als Trümpfe Brasiliens, Stars in den Reihen der europäischen 'Mutterländer'. Die antikoloniale Befreiung erreichte mit dem panafrikanischen Boykott der WM 1966 auch die FIFA. Neben den Turnierverläufen geht der Band politischen Kapriolen nach:
Die erste kritische Geschichte des berühmten Albert Schweitzer Spitals als Hilfsprojekt, das trotz seiner humanitären Ausrichtung in koloniale Haltungen verstrickt blieb.
Albert Schweitzers Spital in Lambarene galt Generationen von Menschen in Europa und Amerika als Inbegriff humanitärer medizinischer Hilfe. Mit der afrikanischen Unabhängigkeit wurde es zunehmend als Beispiel einer rückständigen und unerwünschten Form der Unterstützung wahrgenommen. Das Buch liefert auf der Grundlage von reichhaltigem Archiv- und Bildmaterial erstmals eine kritische Geschichte des Spitals.
Cyrill Herman, Klimaaktivist:in, fragt sich im Buch What do we want?, was in den letzten Jahren innerhalb des Klimastreiks entstanden ist und wie es mit der Bewegung weitergeht.
Am 20. August 2018 setzte sich Greta Thunberg zum ersten Mal vor das schwedische Parlament, anstatt zur Schule zu gehen. Weltweit haben es ihr Millionen von Schülerinnen und Schülern nachgemacht, auch in der Schweiz und auch Cyrill Hermann. Seitdem sind sechs Jahre vergangen, sechs Jahre Bewegungsgeschichte im Kampf gegen die größte Krise der Menschheit. Mit viel eigener Erfahrung als Aktivist:in und unter Einbeziehung globaler Perspektiven führt uns Hermann durch diese sechs Jahre, ...
Grüner Kolonialismus - Die dunklen Machenschaften der NGO «African Parks»
Die NGO «African Parks» verwaltet 22 große Naturparks in Afrika und gilt als Erfolgsgeschichte. Doch was und wer steckt wirklich dahinter? Olivier van Beemen deckt in seinem fesselnden Buch die staatsähnlichen Strukturen, die Macht der African-Parks-Milizen und das rücksichtslose Vorgehen gegen die lokale Bevölkerung auf. Kritiker sprechen von «grünem Kolonialismus». Oder ist es der alte Kolonialismus in neuem Gewand?
Wie die globalisierte Welt entstand - eine neue Geschichte des Silbers vom Mittelalter bis heute
Es ist weich und wandelbar, ein sagenhaftes Element, über Jahrhunderte brachte es Macht und Reichtum, aber auch Ausbeutung und Elend: Silber hat die Welt verändert. Und es bewegt unsere Welt bis heute, als Rohstoff und als Wertanlage. Tillmann Bendikowski erzählt uns seine atemberaubende Geschichte.
WARUM MENSCHEN AUFBRECHEN - UND WAS DIE WESTAFRIKANISCHE DAUERKRISE MIT EUROPA ZU TUN HAT
Die Bekämpfung von Fluchtursachen ist in Europa spätestens seit 2015 zu einer Art Mantra avanciert. Viele Politiker:innen versprechen sich davon eine deutliche Reduzierung der Ankunftszahlen afrikanischer Migrant:innen, auch in Verbindung mit einer immer stärkeren Überwachung der EU-Außengrenzen. Der Soziologe und Menschenrechtsaktivist Olaf Bernau widerspricht dieser verbreiteten Perspektive in seinem Buch vehement. Er zeigt, warum Menschen in Westafrika aufbrechen - und was die Dauerkrise dieser Region mit Europa zu tun hat. Dabei kommt auch das koloniale Erbe ausführlich zur Sprache.