Das Argument 345
Imperialismen nach außen, Faschisierung im Innern? Rekonfiguration des kapitalistischen Weltsystems
Von Faschisierung ist einmal mehr allerorten die Rede. Doch wenn der Faschismus nicht gleich externalisiert und nur in Russland, dem Nahen Osten oder den Vereinigten Staaten verortet wird, bleibt seine Erklärung meist psychologistisch verkürzt.
»Das Argument 345« möchte dieser doppelten Konjunktur etwas entgegensetzen. Nicht nur fokussiert es in seinen Faschisierungsanalysen neben den USA auf Europa, die vermeintliche Trutzburg der Menschenrechte; vor allem rückt es den Hintergrund der Faschisierungen zu Hause – die weltweite Renaissance der Imperialismen – in den Fokus.
Damit lässt sich nicht nur der ›hilflose Antifaschismus‹ (W. F. Haug) der Liberalen überwinden, sondern auch das noch unter Linken verbreitete Missverständnis, dem zufolge sich Demokratie mittels Aufrüstung verteidigen ließe. Militarismus ist vielmehr, als Hebel in der imperialen Blöckekonfrontation, das zentrale Element der heute stattfindenden Faschisierung in Europa und darüber hinaus.
Mit Beiträgen von Stephanie Bart, Mesut Bayraktar, Dietmar Dath, Anna Egerter, Jan Rehmann, Bafta Sarbo, Ingar Solty, Markus Wissen und anderen.
Inhaltsverzeichnis und Autoren
Leseprobe des Verlags / Editorial
Zitate aus dem Inhalt
»Die Asymmetrie in der Erinnerungskultur sowie die Heftigkeit, mit der auf antiimperialistische Bestrebungen in der Linken reagiert wird, sind in Zusammenhang mit der Rolle, die Deutschland als imperialistische und neokoloniale Kraft spielt, zu sehen. Die Repression setzt genau da an, wo die Grundlagen der Hegemonie der westlichen Staatengemeinschaft bedroht werden.« Bafta Sarbo
»Der postliberale Kapitalismus bezeichnet gerade das Phänomen, dass die autoritäre Bedrohung nicht von außen kommt, sondern von innen. Postliberaler Kapitalismus bedeutet nicht zuletzt, dass die autoritäre Bedrohung durch Hochrüstung und die damit ausgelöste Rüstungs- und Eskalationsspirale verschärft wird, die man unterstützt im fatalen Glauben, sie würde den Krieg verhindern und autoritäre Bedrohungen abwenden.« Ingar Solty
»Wer aber vom Imperialismus nicht reden will, sollte auch von Faschisierung schweigen. Wenn sich eine Gesellschaft berechtigterweise als faschistisch einstufen lässt, ist ihre wichtigste Phase des antifaschistischen Kampfs bereits gescheitert. Weil die Eule der Minerva den Begriff erst in der abgeschlossenen Gestalt seiner historischen Realisiertheit zu identifizieren vermag, kommt sie notwendig zu spät für Gegenwehr. Die Politik des Antifaschismus bedarf insofern, um verhindernd eingreifen zu können, des Begriffs der Faschisierung.« Lukas Meisner
Quelle der Zitate: argument.de (19.08.2026)
