99 ZU EINS (Medienpräsenz)

1:19:26

Zeitmarken

Das Scheitern der israelischen Strategie

  • Pagers-Angriffe: Die Angriffe im September 2024, die im Westen als Erfolg gefeiert wurden, bezeichnet Daher als militärischen Fehlschlag. Von 3.000 anvisierten Zielen wurden nur 30 getötet (1% Erfolgsquote), was zu Spannungen zwischen Netanjahu und dem Mossad führte [07:38].
  • Resilienz der Hisbollah: Trotz der Attentate auf die Führungsebene (einschließlich Hassan Nasrallah) blieb die militärische Struktur der Hisbollah intakt. Israelische Versuche einer Bodeninvasion scheiterten an der Gegenwehr an der Grenze [08:14].

Die politische Lage im Libanon

  • Neue Regierung: Seit Anfang 2025 ist eine neue Regierung unter Nawaf Salam im Amt, die stark von den USA und Saudi-Arabien beeinflusst wird [26:11].
  • Legitimität der Hisbollah: Durch die fortgesetzten israelischen Angriffe während des Waffenstillstands (über 15.000 Verletzungen in 18 Monaten) hat die Hisbollah in der libanesischen Bevölkerung wieder an Rückhalt gewonnen. Selbst Kritiker sehen sie nun wieder als notwendige Verteidigungskraft gegen Israel [17:55].
  • Wahlen: Die für Mai 2026 geplanten Parlamentswahlen wurden auf 2028 verschoben, da die pro-westlichen Kräfte befürchten, dass die Hisbollah und ihre Verbündeten aufgrund der aktuellen Stimmung massiv gewinnen würden [21:23].

Die Rückkehr der Hisbollah im März 2026

  • Präventivschlag: Die Hisbollah nahm ihre Operationen im März 2026 wieder auf, nachdem bekannt wurde, dass Israel eine Großoffensive plante [33:16].
  • Ende der Zurückhaltung: Die Hisbollah hatte der Regierung Salam eine Frist gesetzt, um zu beweisen, dass die reguläre Armee und diplomatische Kanäle den Libanon schützen können. Da dies scheiterte und die Armee kaum gestärkt wurde, sieht die Hisbollah ihre bewaffnete Präsenz als alternativlos an [35:41].

Einschätzung zur Gefahr eines Bürgerkriegs

  • Kein akuter Bürgerkrieg: Daher hält sie einen Bürgerkrieg für unwahrscheinlich, da die Hisbollah und die schiitische Bevölkerung militärisch und organisatorisch zu stark überlegen sind, als dass eine andere interne Gruppe einen langwierigen Konflikt wagen würde [01:15:19].
  • Zivile Gewalt: Punktuelle Ausschreitungen seien möglich, aber die politischen Eliten hätten ein Interesse daran, diese schnell zu beruhigen, um den Status quo der Regierung zu erhalten [01:12:13].

Das Interview schließt mit dem Hinweis, dass die Hisbollah heute militärisch präziser agiert als zuvor und dass die politische Polarisierung im Libanon durch das Agieren der israelischen Regierung und der libanesischen Rechten (Lebanese Forces) eher verschärft wird [01:08:34].

1:26:32

Zeitmarken

1. Einordnung militärischer Vorfälle

  • Abschuss der F15: Amar bewertet den Abschuss eines US-Kampfflugzeugs als schwere Schlappe für die USA, da dies deren Annahme der totalen Lufthoheit erschüttert habe [03:15].
  • US-Verlustempfindlichkeit: Es wird thematisiert, dass die USA politisch sehr empfindlich auf eigene personelle Verluste reagieren, was ihre strategischen Optionen einschränkt [04:28].
  • Rettungsaktion: Die anschließende Rettung des Piloten wurde medial als Erfolg inszeniert, um von der initialen militärischen Niederlage abzulenken [08:55].

2. Nukleare Drohungen und die „Samson-Doktrin“

  • Hemmschwellen: Der Einsatz von Massenvernichtungswaffen gilt als unwahrscheinlich, da er einen internationalen Präzedenzfall schaffen würde, den selbst die USA und Israel scheuen [19:10].
  • Samson-Option: Amar erläutert die israelische „Samson-Doktrin“, wonach Israel im Falle einer existenziellen Bedrohung Nuklearwaffen gegen Gegner und vermeintlich unzureichende Helfer einsetzen könnte [15:49].
  • Militärische Wirkung: Es wird argumentiert, dass ein Atomschlag auf Teheran den Krieg nicht beenden würde, da das iranische Verteidigungssystem („Mosaik-Verteidigung“) dezentral und resilient organisiert ist [23:58].

3. Die Blockade der Straße von Hormus

  • Geopolitischer Hebel: Die Straße von Hormus ist ein entscheidender Nadelöhr für den globalen Ölhandel. Eine dauerhafte Blockade hätte verheerende Auswirkungen auf die Weltwirtschaft [50:47].
  • Amerikanische Gegenblockade: Trumps Ankündigung einer „Blockade der Blockade“ wird als technisch schwer umsetzbar und politisch riskant eingestuft, da sie auch Schiffe von Verbündeten und Großmächten wie China betreffen würde [37:59].
  • Asymmetrische Seekriegsführung: Der Iran verfügt über spezialisierte Kapazitäten (Schnellboote, kleine U-Boote, Küstenraketen), die in den engen Gewässern des Golfs für große US-Einheiten extrem gefährlich sind [44:54].

4. Rolle Russlands und Chinas

  • Unterstützung: Der Iran ist international nicht isoliert. China und Russland leisten wichtige Hilfe, unter anderem im Bereich der elektronischen Aufklärung, Satellitendaten und der Abwehr von Systemen wie Starlink [01:07:55].
  • Multipolarität: Die Großmächte werden den Iran laut Amar nicht fallen lassen, da er für ihre eigenen strategischen Interessen (Multipolarität) zu wichtig ist [01:22:22].

5. Wirtschaftliche Resilienz und Sanktionen

  • Anpassung: Aufgrund jahrzehntelanger Sanktionen hat sich die iranische Wirtschaft an extremen Druck angepasst. Im Gegensatz dazu seien die westlichen Gesellschaften weitaus weniger auf die wirtschaftlichen Entbehrungen eines langwierigen großflächigen Konflikts vorbereitet [54:46].

Fazit: Der Gast sieht den Iran aktuell in einer starken Position, warnt jedoch davor, den Konflikt als beendet zu betrachten. Er zieht Parallelen zu Syrien und vermutet, dass die Bemühungen zur Destabilisierung des iranischen Staates auch nach einem möglichen Ende der aktuellen Kampfhandlungen mit anderen Mitteln fortgesetzt werden [01:21:05].

1:27:38

Wir sprechen mit Ido Arad über das israelische Bewusstsein im permanenten Krieg, über das Selbstverständnis der Israelis und ihr Verhältnis zu den USA und dem Rest der Welt.

6:06

Wann immer bei uns vom Krieg in der Ukraine die Rede ist, wird mit größter Selbstverständlichkeit von „Putins Angriffskrieg“ gesprochen: keine Nachrichtenmeldung, kein Zeitungsartikel und auch kein Streitgespräch kommt ohne diese Kennzeichnung aus. Wir wollen in der heutigen Folge dieses Sprachdenkmal auf den theoretischen Prüfstand stellen.

Zeitmarken

Sprachliche Analyse und Framing

  • „Putins Angriffskrieg“: Die Verwendung dieses Begriffs suggeriert laut Video, dass Russland den Krieg plötzlich und grundlos begonnen habe, während die Ukraine lediglich ein unschuldiges Opfer sei. Das Video argumentiert, dass diese Sichtweise komplexe politische Absichten beider Seiten ausblendet [00:16].
  • „Putins Krieg“ vs. „Kampf des ukrainischen Volkes“: Es wird ein sprachlicher Gegensatz aufgezeigt: Auf russischer Seite wird die Verantwortung allein dem Autokraten Putin zugeschrieben, während auf ukrainischer Seite Regierung und Volk als Einheit („Herz und Seele“) dargestellt werden, obwohl auch Selenskyj den Befehl zum bewaffneten Widerstand gab [02:51].

Kritik am Völkerrechts-Diskurs

  • Subjektivität der Bedrohung: Ob eine militärische Aufrüstung (wie die der Ukraine durch die USA) als Bedrohung wahrgenommen wird, hänge vom politischen Standpunkt ab. Das Völkerrecht werde hier oft als Instrument genutzt, um die eigene Seite zu rechtfertigen und den Gegner zu delegitimieren [02:21].
  • „Staatenpraxis“ und Doppelmoral: Das Video wirft deutschen Politikern Doppelmoral vor. Während Russlands Vorgehen als „völkerrechtswidrig“ verurteilt wird, seien andere militärische Operationen (z. B. Jugoslawien 1999 oder Israels Vorgehen gegen den Iran) nicht als Angriffskriege bezeichnet worden [04:33].
  • Funktion des Völkerrechts: Das Völkerrecht diene den Staaten primär dazu, internationale Unterstützung für die eigene Sichtweise zu gewinnen. Es verbiete nicht Kriege an sich, sondern nur „Angriffskriege“, wobei die Definition einer „Bedrohung“ politisch verhandelbar sei [05:22].

Politische Schlussfolgerung

Die Begriffe dienen laut Analyse weniger der objektiven Beschreibung der Realität als vielmehr der Erzeugung eines Feindbildes und der Rechtfertigung eigener militärischer Interessen und Pläne Deutschlands [03:54].

1:44:16

Der Begriff "Westlicher Marxismus" ist einerseits Ausdruck eines interessierten Denkens um Marxismus ein wenig nach gutdünken in richtig und falsch zu kategorisieren. Aber auch Anhaltspunkt für ein paar sinnvolle Diskussionen. Wir reden mit Gerhard Hanloser über die Entstehung des Begriffs, seine Deutungen und kritisieren ihn.

1:29:01

Deutsche Erinnerungspolitik: Kufiyas sind in der Gedenkstätte Buchenwald nicht erwünscht. Doch angesichts des Genozids in Gaza möchte die Kampagne „Kufiyas in Buchenwald“ diese und andere palästinensische Symbole sichtbar machen. 
Wir sprechen mit Tair und Anna über die Instrumentalisierung des Holocaust in der BRD für Staatsräson und zionistische Ideen und die Rolle der Gedenkstätten dabei.

35:58

Dieses Video von 99 ZU EINS mit Renate Dillmann bietet eine detaillierte historische und geopolitische Analyse der Islamischen Republik Iran sowie der Gründe für die anhaltende Feindschaft mit den USA und Israel.

Hier ist die Erschließung der gesamten Videostrecke:

1. Einleitung und aktuelle Einordnung

  • Kritik an der Legitimation: Dillmann hinterfragt die Begründungen für militärische Drohungen gegen den Iran (Terrorstaat, Atombombe) und vergleicht die mediale Darstellung mit anderen Konflikten [00:45].
  • Doppelmoral: Sie weist darauf hin, dass Vorwürfe wie Inhaftierungen oder Gewalt von Staaten kommen, die selbst weltweit die höchsten Inhaftierungsraten haben oder Nachbarstaaten militärisch angreifen [01:46], [02:29].

2. Historische Vorgeschichte (19. Jh. bis 1979)

  • Imperialistische Interessen: Persien war seit dem 19. Jahrhundert Objekt imperialer Machtansprüche, erst durch die Briten (Ölgeschäft), dann durch die USA [05:10].
  • Der CIA-Putsch 1953: Die demokratisch gewählte Regierung unter Mossadegh wurde gestürzt, nachdem er die Verstaatlichung der Ölressourcen plante. Dies sicherte den USA Jahrzehnte der Kontrolle unter dem Schah [05:42], [06:19].
  • Die Ära des Schah: Der Iran wurde zum wichtigsten US-Verbündeten in der Region und rüstete massiv auf, während große Teile der Bevölkerung verarmten [06:48], [07:35].

3. Die Islamische Revolution 1979

  • Bündnis der Opposition: Verschiedene Kräfte (nationale Liberale, Marxisten, Klerus) einte der Widerstand gegen den Schah und die US-Abhängigkeit [10:13].
  • Machtübernahme Khomeinis: Nach dem Sturz des Schahs schaltete Khomeini seine ehemaligen Bündnispartner (Linke und Volksmudschahedin) blutig aus [11:10], [11:36].
  • Bruch mit dem Westen: Der Iran verlor seine Rolle als US-Markt und geostrategischer Partner. Die neue Führung setzte auf eine religiös motivierte, antiwestliche Ausrichtung [13:33], [14:08].

4. Wirtschaft und Sanktionen

  • Wirtschaftsmodell: Trotz religiöser Führung blieb der Kapitalismus bestehen, jedoch stark staatlich kontrolliert oder durch religiöse Stiftungen gelenkt [14:36], [15:53].
  • Aufbau trotz Isolation: Der Iran entwickelte eine eigene Industrie (z. B. Automobilsektor, Rüstung) und verzeichnete bis 2010 stabiles Wachstum, bevor verschärfte Sanktionen die Wirtschaft trafen [17:34], [18:22].

5. Geopolitische Konfliktfelder

  • Iran-Irak-Krieg: In den 1980er Jahren unterstützten die USA (und Deutschland mit Giftgaslieferungen) den Irak gegen den Iran [20:53], [21:12].
  • Das Atomprogramm: Dillmann erläutert das Recht auf zivile Nutzung gemäß Atomwaffensperrvertrag und kritisiert die einseitige Aufkündigung des Atomabkommens durch Donald Trump 2019 [22:14], [25:08].
  • Regionale Einflusssphäre: Der Iran unterhält die „Achse des Widerstandes“ (Hisbollah, Hamas, Huthi), um seine Sicherheitslage durch einen vorgelagerten Korridor zu verbessern [27:27], [27:52].

6. Sprachanalyse und Fazit

  • Fehlübersetzungen: Sie weist darauf hin, dass das berühmte Zitat „Israel von der Landkarte tilgen“ eine Fehlübersetzung ist; korrekt bedeute es, das „Besatzerregime“ müsse Geschichte werden [29:06], [30:49].
  • Kriegsziele der USA: Laut Dillmann geht es weniger um Demokratie, sondern um die Schwächung Chinas (Öllieferant) und die Bestrafung eines Staates, der sich der US-Weltordnung entzieht [33:15], [33:52].

1:16:08

In diesem Video vom 10. März 2026 analysiert der Historiker Tarik Cyril Amar im Gespräch mit Julius von "99 ZU EINS" die aktuelle Lage im Krieg gegen den Iran. Das Gespräch konzentriert sich auf die strategischen Fehlkalkulationen der USA und Israels sowie die globalen ökonomischen Folgen.

Zeitmarken

Strategische Fehlkalkulationen der USA und Israels

  • Fehleinschätzung des Iran: Donald Trump habe den Krieg unter massiven Fehlinformationen und falschen Vorstellungen begonnen [01:43]. Er habe geglaubt, der iranische Staat würde nach einem "Enthauptungsschlag" – der Ermordung der politischen Führung – sofort kollabieren oder die Bevölkerung würde die Regierung stürzen. Dies habe sich als Illusion erwiesen; der Iran zeige sich militärisch und politisch äußerst widerstandsfähig [03:08].
  • Kriegsverbrechen als Methode: Amar bezeichnet die gezielten Morde an der iranischen Führung als eindeutige Kriegsverbrechen und stellt fest, dass Trump und Netanjahu offen zur Bombardierung und zum Umsturz aufgerufen haben [02:47].
  • Mythos der militärischen Überlegenheit: Die intellektuelle Kapazität des Pentagons und der israelischen Führung werde überschätzt. Historische Vergleiche (Vietnam, Afghanistan) zeigten, dass diese Akteure oft gravierende Planungsfehler begehen, die sie früher durch schiere Ressourcenmacht kaschieren konnten [08:18].

Materielle und technologische Aspekte

  • Erschöpfung der Ressourcen: Es gebe Anzeichen, dass die US-Bestände an Abfangraketen (Patriot, THAAD, SM-Modelle) stark beansprucht seien. Die industrielle Basis der USA sei im Vergleich zu früher geschwächt [18:28].
  • Iranische Effektivität: Der Iran agiere bisher mit "gebremstem Schaum" und setze größtenteils ältere Waffensysteme ein, erziele damit aber bereits signifikante Treffer gegen strategische Ziele wie Radarstationen [24:41]. Zudem halte sich der Iran im Gegensatz zu den USA und Israel weitgehend an militärische Ziele gemäß dem Völkerrecht [26:44].

Ökonomische Auswirkungen

  • Energiepreise: Die Straße von Hormus ist faktisch für den Welthandel geschlossen, was massive Auswirkungen auf die Öl- und Gaspreise hat [29:11].
  • Profiteure: Während die Weltwirtschaft unter den steigenden Energiekosten leidet, profitieren US-Ölkonzerne sowie Rüstungsunternehmen massiv von der Krise. Auch Russland profitiere ökonomisch durch stark gestiegene Einnahmen aus Öl- und Gasverkäufen im März 2026 [35:16].

Geopolitische Einordnung

  • Imperialer Abstieg: Amar sieht den Krieg als verzweifelten Versuch der USA, ihren Status als absolute Weltmacht ("Primacy") gegen den unvermeidlichen globalen Abstieg zu verteidigen [12:31].
  • Rolle Russlands und Chinas: Es wird spekuliert, ob Russland in Verhandlungen mit Trump (z. B. bezüglich der Ukraine) Zugeständnisse beim Iran machen könnte. Amar hält dies jedoch für unwahrscheinlich, da ein Fall des Iran den russischen und chinesischen Eigeninteressen massiv schaden würde [01:07:05].
  • Kontinuität der Gewalt: Der Krieg gegen den Iran wird als direkte Fortsetzung der israelischen Aggressionen in Gaza und im Libanon eingeordnet [01:12:35].