Fabian Lehr (Medienpräsenz)

25:48

Sich Daras Politvideos anzuschauen mag anstrengend sein, aber dieser Kram hat gerade unter jungen Linksparteilern eine derartige Reichweite erreicht, dass es notwendig scheint, auf die Konzepte der "Freiheitsfront" für ein diffuses "Gegen rechts"-Bündnis zwischen Grünen, Linksparteilern, SPDlern und unorganisierten für die liberale Demokratie einmal einzugehen. Ein guter Anlass dafür mag ein kürzlich veröffentlichtes Video sein, in dem Dara argumentiert, warum Linke Nazi-Plakatästhetik kapern sollten, um damit für Solarenergie und Demokratie zu agitieren (No joke).

In diesem Video setzt sich der marxistische Analyst Fabian Lehr kritisch mit dem YouTuber Dara (einem einflussreichen Mitglied der Linkspartei) und dessen Projekt „Freiheitsfront“ auseinander. Lehr nutzt dies als Aufhänger, um das Phänomen des „hilflosen Antifaschismus“ zu analysieren.

Hier ist eine strukturierte Zusammenfassung der Kernargumente:

1. Das Konzept des „hilflosen Antifaschismus“

Lehr kritisiert einen Antifaschismus, der den Rechtsradikalismus lediglich als „Betriebsunfall“ des bürgerlichen Staates betrachtet. Dieser Ansatz bleibe systemloyal und versuche, die bestehende Ordnung gegen die AfD zu verteidigen, ohne zu erkennen, dass das kapitalistische System solche Phänomene zwangsläufig hervorbringt [00:04].

2. Kritik an Daras „Heimatstrom“-Kampagne

Dara initiiert einen Trend, bei dem progressive Inhalte (erneuerbare Energien, Klimaschutz) in einer NS- bzw. Weltkriegsästhetik präsentiert werden [04:36].

  • Daras Ziel: Die Heuchelei der Rechten aufdecken und zeigen, dass erneuerbare Energien „patriotischer“ sind als fossile Abhängigkeit [06:00].
  • Lehrs Kritik: Dara agiere nicht als Linker, sondern als deutscher und europäischer Nationalist. Er werfe der AfD im Kern vor, „schlechte Patrioten“ oder „Russenknechte“ zu sein. Damit übernehme er das Feindbild-Narrativ der herrschenden Klasse und beteilige sich an einer nationalistischen Stimmungsmache, die letztlich Grundrechte aushöhlt und Aufrüstung legitimiert [06:46], [10:54].

3. Mangelnde Faschismus-Analyse

Lehr wirft Dara vor, Faschismus rein kulturell zu verstehen (als marzialische Ästhetik und Männlichkeitsbilder).

  • Materialistische Sicht: Lehr betont, dass der historische Faschismus eine Klassenkampfbewegung des Bürgertums gegen die Arbeiterbewegung war. Wer Faschismus nur auf der Ebene von Plakatdesign bekämpft, verkennt dessen soziale Funktion zur Verteidigung der bürgerlichen Ordnung in der Krise [13:15], [14:37].

4. Die „Dystopie“ eines geeinten imperialistischen Europas

Dara propagiert ein starkes, souveränes Europa gegen Mächte wie Russland, China oder die USA [19:51].

  • Lehrs Gegenargument: Ein geeintes kapitalistisches Europa wäre für die Arbeiterklasse eine Katastrophe. Es wäre eine undemokratische Technokratie und ein imperialistischer Supermachtblock, der seine Interessen weltweit militärisch durchsetzt. Daras „Utopie“ sei in Wahrheit eine imperialistische Dystopie [21:21], [22:41].

5. Fazit: Was eine echte Linke tun müsste

Lehr fordert eine scharfe Abgrenzung von einem „konservativen Linksliberalismus“ (Grüne, SPD, Dara):

  • Klassenkampf statt Patriotismus: Die AfD müsse als neoliberale Milliardärspartei entlarvt werden, die die Lebensbedingungen aller Armen verschlechtert [24:42].
  • Systemopposition: Linke müssten sich als echte Rebellen außerhalb des bestehenden Systems präsentieren, anstatt die bürgerliche BRD-Ordnung zu idealisieren [25:18].

Zusammenfassend: Lehr betrachtet Daras Ansatz als „politischen Suizid“ der Linken, da er sie zum bloßen Anhängsel des liberalen Establishments macht und deren nationalistische Logik übernimmt [24:17].

Das Video finden Sie hier: https://www.youtube.com/watch?v=i7kexlg_mko

53:52

Der Begriff "Imperialismus" erlebt auch in großen bürgerlichen Medien gerade eine gewisse Renaissance. Meistens wird er aber auf recht schwammige Weise als Synonym für Gewalt- und Eroberungspolitik verwendet oder mit Kolonialismus gleichgesetzt. KommunistInnen in leninscher Tradition verstehen darunter aber ein historisch spezifisches Phänomen des reifen Kapitalismus. Was meinen leninistisch orientierte KommunistInnen mit "Imperialismus", was unterscheidet ihn von historischem Kolonialismus und ist das eigentlich noch aktuell und relevant für die Gegenwart?

38:23

Hat die Hamas die LINKE zumindest in Niedersachsen übernommen? So ungefähr führen rechte Medien in Deutschland gerade die Debatte über einen vor wenigen Tagen angenommenen Antrag der niedersächsischen LINKEN, der sich gegen bestimmte Formen zionistischer Ideologie richtet. Nun gibt es echten Antisemitismus unter sich als links verstehenden Menschen durchaus, und dementsprechend wollte ich nicht ausschließen, dass in diesem Antrag tatsächlich irgendwelche Ungeheuerlichkeiten stehen könnten. Aber bei der Lektüre war ich dann perplex: Da ist kaum irgendwas drin, was außerhalb des verrückt gewordenen Diskurses in der BRD nicht so ziemlich jeder 08/15-pro-Menschenrechte-Liberale akzeptieren könnte. Gehen wir es durch.

41:43

Das ganz besondere Verhältnis der BRD zu Israel: Warum ist fanatische Loyalität ggü. dem israelischen Staat eigentlich deutsche Staatsräson und hat höchste Priorität gerade für die deutsche Rechte? Was macht das innenpolitisch, und warum sollten alle sich gegen Repression der Palästina-Solibewegung wehren?

1:41:19

Revolution, Sozialismus und Demokratie: Über diese grundsätzlichen Fragen linker Politik diskutieren und streiten in dieser Ausgabe von komm:on Pedram Shahyar und Marcus Staiger mit Fabien Lehr. Fabien ist linker Content Creator @fabianlehr4318 und hatte vor einigen Wochen Pedram in seiner Sendung, wo es bereits zu einer heftigen Kontroverse über einige Grundsatzfragen kam. In dieser Ausgabe von komm:on wird diese Diskussion mit einem Schwerpunkt auf die Russische Revolution von 1917 und den darauf folgenden Stalinismus fortgeführt.

1:01:16

Die LINKE, die zur Zerstörung Gazas lange Zeit kaum etwas zu sagen wusste, hat sich in diesem Jahr deutlich der Palästina-Solibewegung angenähert und hat inzwischen eine in ihrer überwältigenden Mehrheit stark palästinasolidarische Basis. Über die Stellung und die Aussichten der Palästina-AktivistInnen innerhalb der LINKEN habe ich mich mit Hannah von der Landesarbeitsgemeinschaft Palästina-Solidarität der LINKEN Berlin unterhalten.

2:01:02

Das Thema "Wie umgehen als SozialistInnen mit der LINKEN?" ist eines, das so wichtig wie umstritten bleibt. Um darüber zu diskutieren und über Reformismus und Revolution überhaupt (Und die französische Revolution, den New Deal, den deutschen Mamdani und vieles mehr), habe ich mich mit Pedram Shahyar vom Komm:on-Podcast getroffen. Unsere Diskussion war wild - aber seht selbst.

35:37

The neverending story: Die israelische "Selbstverteidigung" geht in die nächste Runde - und diesmal wird dabei, so Friedrich Merz, auch für UNS "die Drecksarbeit gemacht".

26:00

Burkhard Garweg schloss sich als junger Mann in den 80er Jahren der RAF an. 1990 musste er in den Untergrund gehen, gesucht wegen mutmaßlicher Beteiligung an mehreren Überfällen und einem Brandanschlag auf ein im Bau befindliches Gefängnis. Seitdem lebt er irgendwo im Verborgenen, eines der letzten RAF-Mitglieder, die der Justiz der BRD bisher entwischt sind. Dem "neuen Deutschland" hat er nun ein langes Schreiben zukommen lassen, in dem er die Geschichte der RAF und seine eigenen Erfahrungen darin kritisch reflektiert. Es ist ein Text, der besonders interessant ist, weil Garweg kaum ein Interesse daran haben kann, sich aus Opportunismus, aus der Hoffnung heraus, sich in der BRD irgendwann wieder eine respektable bürgerliche Existenz aufzubauen, von seiner revolutionären Vergangenheit zu distanzieren - den 57-jährigen Garweg, der bei Enttarnung sicher eine langjährige Haftstrafe bekommen würde, wird kein neues Leben als geläuterter ex-Terrorist in Talkshows erwarten. Was er zur Geschichte der RAF an Kritischem zu sagen hat, wird schon seiner ehrlichen politischen Reflexion entstammen. Schauen wir uns diesen Text etwas an.