TransitionTV (Medienpräsenz)

23:45

Fast 40 Jahre lang vertrat Georges Martin die Schweiz als Diplomat in der Welt. Er war Botschafter, leitete sicherheitspolitische Bereiche im EDA und amtierte als stellvertretender Staatssekretär im Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten. Heute schlägt der ehemalige Spitzendiplomat Alarm: Die Schweiz sei dabei, eines ihrer wertvollsten aussenpolitischen Instrumente preiszugeben – ihre Neutralität.

Am 20. August 2026 trat Martin in Bern an der Medienkonferenz des neu gegründeten Neutralitätsrates auf. Anschliessend stellte er sich den Fragen von Transition TV. Der Neutralitätsrat will die schweizerische Sicherheits- und Neutralitätspolitik kritisch begleiten und hat zum Auftakt insbesondere die zunehmende Orientierung an NATO und EU kritisiert.

Martin schöpft dabei aus persönlicher Erfahrung. Ob in Kenia, Indonesien oder anderen Ländern seiner diplomatischen Laufbahn: Immer wieder hätten Gesprächspartner gerade deshalb den Kontakt zur Schweiz gesucht, weil sie als neutral wahrgenommen worden sei. Ohne diese besondere Rolle drohe die Schweiz international zu einem, wie Martin pointiert sagt, «Luxemburg der Alpen» zu werden.

Besonders beunruhigt ihn die Entwicklung innerhalb des EDA. Martin spricht von einer zunehmenden Abkoppelung zwischen der Departementsspitze und erfahrenen Diplomaten und kritisiert die immer engere sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit NATO und EU. Nach seiner Einschätzung fehlt heute der politische Wille, Neutralität wieder konsequent als Instrument der schweizerischen Aussen- und Friedenspolitik einzusetzen.

Auch die Bürgenstock-Konferenz führt Martin als Beispiel an: Ein neutrales Land könne seine Guten Dienste nur glaubwürdig anbieten, wenn die Gesprächskanäle zu allen Konfliktparteien offenblieben. Dass die Schweiz zu einer Friedenskonferenz eine Kriegspartei einlade, die andere jedoch nicht, bezeichnet er als grundlegenden Widerspruch.

Politisch besonders brisant sind Martins Aussagen zur Linken. Der frühere SP-Mann sagt, die Neutralitätsinitiative könne ihrem friedenspolitischen Inhalt nach eigentlich «eine SP-Initiative» sein. Statt über Neutralität, Krieg und Frieden zu diskutieren, werde die Abstimmung seiner Ansicht nach zunehmend zum parteipolitischen Kampf gegen die SVP gemacht. Er fordert deshalb Debatten über die Neutralität, jenseits von Parteigrenzen und persönlichen Feindbildern.

TTV griff im anschliessenden Kurzinterview diesen Gedanken auf und sprach Martin auf die Notwendigkeit eines Dialogs auch zwischen Personen mit gegensätzlichen Positionen an – etwa zwischen Jacques Baud, ehemaligem Schweizer Nachrichtendienstoffizier (von der EU sanktioniert), und Jacques Pitteloud, Schweizer Botschafter bei der NATO in Brüssel. Martin zeigte sich grundsätzlich offen für einen solchen Austausch und unterstrich, wie wichtig es sei, die Debatte über die Neutralität wieder über politische und persönliche Gräben hinweg zu führen.

Am 27. September 2026 entscheidet die Schweiz über die Volksinitiative «Wahrung der schweizerischen Neutralität».

Georges Martins zentrale Botschaft ist unmissverständlich:
«Wir haben kein Recht, die Neutralität fertigzumachen.»

Denn die Schweiz habe sie von früheren Generationen geerbt – und trage die Verantwortung, sie an die kommenden Generationen weiterzugeben.

20:57

NEIN zu Krieg & Sanktionen – JA zur Neutralität JA zur Initiative „Wahrung der schweizerischen Neutralität“. 
Unter diesem Motto fand am 29. August 2026 in Bern eine nationale Kundgebung für Neutralität und Frieden statt. Als Redner traten namhafte Experten aus Politik, Militär, Rechtswissenschaft und Diplomatie auf. Sie alle setzen sich für die Neutralitätsinitiative ein und sind überzeugt: Neutralität ist keine Frage von links oder rechts. Sie ist ein grundlegender Bestandteil der Schweizer Identität und die beste Investition in die Zukunft unserer Kinder.

Am 29. August 2026 versammelten sich auf dem Berner Bundesplatz Hochkar zu einer Kundgebung für Neutralität und Frieden.

Es ging darum die Neutralitätsdebatte nicht den traditionellen politischen Lagern zu überlassen. Mit Persönlichkeiten wie dem Politologen Wolf Linder, dem Neutralitätsforscher und SP-Mitglied Pascal Lottaz sowie Massimiliano Ay vom Partito Comunista kamen auch Stimmen zu Wort, die der üblichen Links-rechts-Zuordnung widersprachen. Jacques Baud wurde live aus Brüssel dazu geschaltet.

20:06

Der von der EU sanktionierte Schweizer Oberst im Generalstab a. D. und ehemalige Nachrichtendienstmitarbeiter Jacques Baud spricht auf dem Bundesplatz in Bern über die Neutralität als Vermächtnis – und als Verantwortung der Schweiz.

Beschreibung aus dem Französischen übersetzt:
Für Jacques Baud geht die Neutralität weit über die Frage hinaus, ob sich die Schweiz an den Sanktionen gegen Russland beteiligt. Sie bildet die Grundlage jener Glaubwürdigkeit, die es der Schweiz jahrzehntelang ermöglicht hat, eine besondere Rolle in internationalen Konflikten zu spielen: nicht zu urteilen oder zu verurteilen, sondern zuzuhören, zu verstehen und Wege für den Dialog zu ebnen.

In einer zunehmend polarisierten Welt sieht Jacques Baud genau diese Rolle bedroht. Die internationalen Beziehungen würden sich immer mehr in einer binären Logik verfangen: Wer sich nicht anpasst, landet schnell auf der falschen Seite. Doch laut Jacques Baud duldet Neutralität keine Halbheiten. Sie muss vorhersehbar und glaubwürdig sein – in den Augen aller Beteiligten.

Seine Botschaft auf dem Bundesplatz: Die Schweiz darf die Gräben nicht weiter vertiefen. Ihre Stärke liegt in ihrer Fähigkeit, Brücken zu baue

Jacques Baud hielt diese Rede am 29. August 2026 auf dem Bundesplatz in Bern.

12:11

Am Samstag, 29. August 2026, versammelten sich auf dem Bundesplatz in Bern Persönlichkeiten aus unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Lagern. Im Zentrum standen die Schweizer Neutralität, die Sanktionspolitik, die Annäherung an die NATO und die bevorstehende Abstimmung über die Neutralitätsinitiative.

Es ging darum die Neutralitätsdebatte nicht den traditionellen politischen Lagern zu überlassen. Mit Persönlichkeiten wie dem Politologen Wolf Linder, dem Neutralitätsforscher und SP-Mitglied Pascal Lottaz sowie Massimiliano Ay vom Partito Comunista kamen auch Stimmen zu Wort, die der üblichen Links-rechts-Zuordnung widersprachen. 
Jacques Baud wurde live aus Brüssel dazu geschaltet.

Rednerinnen und Redner:

Prof. Dr. Alfred de Zayas
UNO-Menschenrechts- und Völkerrechtsexperte

Dr. Pascal Lottaz
Neutralitätsforscher und Associate Professor in Japan

Jacques Baud
Oberst im Generalstab a. D. und ehemaliger Nachrichtendienstanalyst
Von der EU sanktioniert – live zugeschaltet aus Brüssel

Prof. em. Dr. Wolf Linder
Politologe, Mitgründer Institut für Politikwissenschaft, Uni Bern

Ralph Bosshard
Oberstleutnant im Generalstab a. D., Militäranalyst mit Fokus Osteuropa und Russland

Philipp Kruse
Rechtsanwalt LL.M.

Jean-Daniel Ruch
Ehemaliger Schweizer Botschafter in Serbien, Montenegro, Israel und der Türkei

Michelle Cailler
Präsidentin, Föderale Bewegung Romandie

Maria Pia Ambrosetti
Grossrätin, HelvEthica Ticino

Massimiliano Ay
Grossrat Kanton Tessin, Partito Comunista

Christoph Pfluger
Verleger und Initiant der Bewegung für Neutralität

24:29

Am 29. August 2026 versammelten sich auf dem Berner Bundesplatz Menschen zu einer Kundgebung für die Schweizer Neutralität.

In ihren Reden nehmen Ralph Bosshard, lic. phil., Oberstleutnant im Generalstab a.D., und Philipp Kruse, Rechtsanwalt LL.M., den gegenwärtigen Kurs der Schweizer Aussen- und Sicherheitspolitik kritisch unter die Lupe.

41:37

Investigativjournalist Rafael Lutz im Gespräch mit Christoph Pfluger über Einfluss, Verbindungen der NATO-Lobby und den schleichenden Abschied von der Neutralität. Wie eng ist die Schweiz bereits an die NATO angebunden – und wer treibt diese Entwicklung voran? In seinem neuen Buch «Das NATO-Netzwerk in der Schweiz – wer die Neutralität globalen Machtinteressen opfert» zeichnet Investigativjournalist Rafael Lutz ein weit verzweigtes Geflecht aus Politik, Verwaltung, Militär, NGOs und Medien nach.

14:03

Helmut Schebens Analyse und die Widersprüche, die weit über parteipolitische Differenzen hinausgehen.

Vertreter von Die Mitte, FDP und SP erklären die Neutralitätsinitiative zum Sicherheitsrisiko, berufen sich auf Völkerrecht, humanitäre Tradition und die politische Handlungsfreiheit der Schweiz. Scheben hält dagegen:
Wer vom Völkerrecht spricht, muss erklären, warum es offenbar nicht für alle Kriege und alle Großmächte nach demselben Maßstab gilt.

Vietnam, Afghanistan, Irak, Serbien: Helmut Scheben erinnert an Kriege, in denen die Schweiz weder vergleichbare Sanktionen verhängte noch den Anspruch erhob, den jeweiligen Aggressor wirtschaftlich zu bestrafen.

Zeitmarken:
0:00 Orwells Newspeak in Bern: Wenn Neutralitätsbruch als Tradition verkauft wird
0:35 Vorstellung: Helmut Scheben – von der WOZ über die SRF-Tagesschau zum Kritiker
1:09 Medienkonferenz vom 17. August: Die Behauptungen des Bundesrats im Wortlaut
1:55 „Die Schweiz ist neutral" – eine unerhörte Behauptung seit Februar 2022
2:36 251 US-Kriege seit 1990 – und die Naivität der NATO-Annäherung
4:28 „Opfer schützen, Aggressor bestrafen" – die moralische Seifenblase
5:33 Großmächte und Völkerrecht: Vietnam, Irak, Balkan, Afghanistan – hat die Schweiz je gehandelt?
7:46 Schönenbergers Orwell-Moment: Die Initiative als Bruch verkaufen, der längst passiert ist
9:04 „Starres Korsett" – ja, genau wie Verfassung und Strafgesetzbuch
9:45 Cassis umarmt Selenski, Bürgenstock ohne Russland – Kasperletheater statt Diplomatie
10:37 Das Sicherheitsnarrativ: „Der Russe kommt" – von Vietnam bis zum Bodensee
12:43 Feindbild als Geschäftsmodell: Aufrüstungswahn & Schuldenberge in Europa
13:23 Die Neutralitätsinitiative als einziger Schutz vor dem Hineingezogenwerden

46:38

Geschlagen, getreten, gefesselt, vom Boot geholt - und das in internationalem Gewässer: Daniel Müller wollte mit der Sumud Freedom Flotilla Hilfsgüter nach Gaza bringen - doch die Flotte wurde bereits vor Kreta vom israelischen Militär abgefangen.

Daniel Müller ist gerade von der «Sumud Freedom Flotilla» zurückgekehrt. Deren Ziel war, mit 56 Segelbooten Gaza zu erreichen und Hilfsgüter zu bringen – und dabei auch auf den Genozid Israels an der Bevölkerung Gazas aufmerksam zu machen. 21 der Boote wurden bereits vor Griechenland vom israelischen Militär brutal gestoppt – in internationalen Gewässern weit entfernt von Israel gilt das als kriegerischer Akt. Doch die griechische Küstenwache kooperierte, als die 181 Aktivisten verschleppt, gefesselt, geprügelt und getreten wurden. Das Interview ist ein erschütterndes Zeugnis des völlig rechtsfreien Agierens Israels.

Schriftliches Interview dazu

1:13:46

Angela Mahr spricht mit Tino Eisbrenner über die Hintergründe des Ukrainekriegs, über gesellschaftliche Prägungen in Ost- und Westdeutschland, über den Einfluss der Eliten auf Kultur und Medien und über Musik als Kraft für den Frieden. 

Zeitmarken

00:00:40 Re-Union von Tinos Band in voller Besetzung 
00:07:40 Das Musikfestival „Der Weg nach Jalta“ in Russland 
00:14:30 Ossis und Wessis – Geopolitische Prägung 
00:25:06 Russlanddarstellung in der BRD 
00:28:00 Hintergründe zum Ukrainekrieg 
00:33:50 Minsk II Friedensabkommen 
00:36:40 Der Bürgerkrieg und die Einmischung des Westens 
00:38:54 Der Ukrainekrieg seit 2022 
00:42:56 Verbot der russischen Sprache in der Ukraine 
00:48:40 Wie kann sich eine Gesellschaft vor Kriegspropaganda schützen? 
00:54:32 Die Rolle von Kultur und Musik für eine pluralistische Gesellschaft 
01:00:48 Die Coronapolitik als Test einer Gesellschaft 
01:03:42 Berufswahl als seelische Entscheidung