Solidarität - spätestens seit der Corona-Pandemie ist sie auch im Kulturbetrieb in aller Munde. Doch was steckt hinter diesem diskursiven Aufschwung? Alexandra Manske legt eine wegweisende empirische Studie über Arbeit und Politik im Kulturbetrieb vor. Exemplarisch untersucht sie die arbeitspolitischen Spiele in den darstellenden Künsten. Ihre soziologischen Analysen im Theaterbereich und der freien Szene zeigen, dass die Interessenvertretung im Kulturbetrieb an Legitimation gewonnen hat und dies mit neuen, flexiblen Mustern von Solidarität einhergeht. Zudem wird deutlich, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt (wieder) zu einem legitimen sozialen Anliegen geworden ist.
Kultur (Thema)
Der Konflikt zwischen den Wertsphären Kultur und Religion ist am Beginn des 21. Jahrhunderts schärfer denn je. Das Buch enthält soziologische Analysen, die einen Beitrag zur Klärung dieser Konfliktlage leisten können. Das Spektrum der Themen reicht von einer religionssoziologischen Rekonstruktion der Hintergründe des Irak-Krieges im Jahr 2003 über die innovative, soziologisch-theoretische Formulierung eines weiten Religionsbegriffes als Letztwertbegründung und Letztwertpraxis bis zu einer systemischen Unterscheidung von Kultur und Religion. Die Verschiedenheit der Religionen verliert damit ihre Bedrohlichkeit. Nicht nur der analytische, auch der zeitdiagnostische Wert des Bandes ist somit erheblich.
Als Unternehmen in den Händen seiner Mitarbeiter, die es demokratisch führen und Anspruch auf den Gewinn haben, wurde die sogenannte Produktivgenossenschaft historisch vielfach mit der Hoffnung auf einen neuen Kapitalismus verknüpft. Die Ökonomik postulierte hingegen, dass der Unternehmenstyp zwangsläufig zum Scheitern verurteilt sei. Nachdem empirisch gezeigt worden ist, dass solche Betriebe in der Regel sehr stabil operieren, bestand lange eine Erklärungslücke zwischen Theorie und Empirie.
Mark Galliker zeigt das Verhältnis zwischen Menschenbildern und Lebensformen in Darstellungen aus Philosophie und Psychologie von der Antike bis zur Gegenwart auf. Es werden 18 verschiedene Menschenbilder vorgestellt und auf ihre praktische Relevanz hin befragt.
Die ökologischen Krisen des sogenannten »Anthropozäns« offenbaren die planetarische Macht menschlichen Tuns. Erstmalig, so könnte man sagen, wird dadurch eine Begegnung der Gattung Homo mit sich selbst möglich: Inmitten menschengemachten Wandels erkennt diese sich als Subjekt einer weltumgreifenden, leider selbstzerstörerischen Praxis und erfährt den Planeten in seiner Einheit und Endlichkeit.
Gefängnis und Gesellschaft: Das ist eine komplexe, auf paradoxe Weise durch Nähe und Distanz gekennzeichnete Beziehung. Haftanstalten schließen ihre Insass:innen räumlich und sozial von der Gesellschaft ab, zugleich kommt ihnen eine zentrale Rolle bei der Aufrechterhaltung gesellschaftlicher Ordnung zu. Mit dem Thema "Gefängnis und Gesellschaft" - dem Schwerpunkt der aktuellen INDES - verbinden sich zahlreiche politik-, sozial-, medien- und geschichtswissenschaftliche Facetten und Fragen.
Die Publikation nimmt 25 Jahre nach der Veröffentlichung der "Gemeinsamen Erklärung", mit der sich die Bundesrepublik Deutschland zu den Washingtoner Prinzipien von 1998 bekannte, die heutige Restitutionspraxis von "NS-Raubkunst" in den Blick. Die grundlegenden Texte sowie zahlreiche Entscheidungen, insbesondere die Empfehlungen der Beratenden Kommission, werden analysiert und systematisiert, um die bisherigen Entwicklungen aufzuzeigen.
"Die Weltgeschichte ist der Fortschritt im Bewusstsein der Freiheit, ein Fortschritt, den wir in seiner Notwendigkeit zu erkennen haben", sagte Hegel. Dieses Diktum darf für den Fortschrittsoptimismus der Aufklärung als paradigmatisch gelten. Aber unabweisbare Errungenschaften des Fortschritts in allen Lebensbereichen gingen von Anbeginn mit Schattenseiten desselben Fortschritts einher. Moshe Zuckermann geht in seinem Essay dieser Dialektik nach.
Die Hausbesetzung auf dem ehemaligen Gelände der Erfurter Firma Topf & Söhne, die in der Zeit des Nationalsozialismus Krematoriumsöfen für Konzentrations- und Vernichtungslager hergestellt hatte, war in den 2000er-Jahren eines der bekanntesten linksradikalen Projekte in Deutschland. Das Buch dokumentiert die Erfahrungen dieser Zeit. Mit Erzählungen, Analysen und zahlreichen Abbildungen werden die gemeinsamen Kämpfe und internen Streitigkeiten rekonstruiert. Außerdem wird ein Überblick über die Hausbesetzer- und Hausbesetzerinnenszene der 1990er-Jahre in Erfurt und die historische Bedeutung der Firma Topf & Söhne gegeben.
Mit welchen Herausforderungen sieht sich die Kulturtechnik Lesen in unserer Gesellschaft konfrontiert und was wissen wir darüber? Die Beiträger_innen des interdisziplinären Netzwerks Leseforschung versammeln eine Vielzahl kursierender »Mythen« des Lesens mit dem Ziel, vorherrschende Meinungsbilder einer kritischen und wissenschaftlich fundierten Betrachtung zu unterziehen.