Joseph Roth (1894–1939) war ein österreichischer Schriftsteller und Journalist jüdischer Herkunft und zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Autoren des 20. Jahrhunderts. Er wurde in Brody in Galizien, damals Teil Österreich-Ungarns (heute Ukraine), geboren und studierte Germanistik sowie Philosophie in Lemberg und Wien. Während des Ersten Weltkriegs diente er in der österreichisch-ungarischen Armee. Nach Kriegsende begann er eine erfolgreiche journalistische Laufbahn und schrieb unter anderem für die Frankfurter Zeitung, deren Korrespondent er in Berlin, Wien, Paris und anderen europäischen Städten war. Seine Reportagen zeichnen sich durch präzise Beobachtung, sprachliche Eleganz und ein besonderes Gespür für gesellschaftliche Veränderungen aus.
Parallel entstand ein umfangreiches literarisches Werk. Zu seinen bekanntesten Romanen gehören Hiob (1930), die Geschichte eines frommen jüdischen Lehrers aus Osteuropa, Radetzkymarsch (1932), ein vielschichtiges Panorama des Niedergangs der Habsburgermonarchie, sowie Die Kapuzinergruft (1938) und die postum erschienene Novelle Die Legende vom heiligen Trinker (1939). Wiederkehrende Themen seines Schaffens sind Heimatverlust, Exil, Identität, Religion, die Auflösung traditioneller Ordnungen sowie die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche Europas.
Bereits früh warnte Roth vor dem Nationalsozialismus. Unmittelbar nach der Machtübernahme Hitlers verließ er 1933 Deutschland und lebte überwiegend im Exil, vor allem in Paris, wo er unter schwierigen finanziellen Bedingungen weiter publizierte. Seine zunehmenden gesundheitlichen Probleme und seine Alkoholabhängigkeit überschatteten die letzten Lebensjahre. Joseph Roth starb 1939 im Alter von 44 Jahren in Paris. Seine Werke werden bis heute weltweit gelesen, vielfach übersetzt und gelten als bedeutende literarische Zeugnisse Mitteleuropas in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
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