ZDFheute Nachrichten (Medienpräsenz)

39:30

In Teil 2 der Themenwoche diskutieren junge Menschen bei Markus Lanz über ihre Bereitschaft, einen Wehrdienst für Deutschland zu leisten und ob es sich lohne, das Land zur Not auch mit dem eigenen Leben zu verteidigen. Denn oft werde über die Jüngeren in der Gesellschaft, aber nicht mit ihnen über dieses wichtige Thema gesprochen, so schildern sie es. Ein gesellschaftlicher Fehler?

Zeitmarken

Wehrdienst und Mobilisierung

  • Zustand der Reserve: Es wird von ca. 860.000 bis 900.000 Reservisten in Deutschland ausgegangen, wovon jährlich etwa 50.000 an Wehrübungen teilnehmen [03:26].
  • Infrastrukturdefizite: Durch die Aussetzung der Wehrpflicht wurden Kreiswehrersatzämter abgeschafft und Dokumente gingen teils verloren, sodass kein vollständiger Überblick über das Reservoir an Kräften besteht [03:17].
  • Ausbildungskapazitäten: Im Modell „Heimatschutz für Ungediente“ stehen 10.000 Interessierten lediglich 1.000 Ausbildungsplätze pro Jahr gegenüber [02:48].
  • Aktuelle Erfassung: Seit dem 1. Januar 2026 wurden bereits rund 75.000 Fragebögen zur Erfassung der Wehrfähigkeit verschickt [00:08].

Geopolitik und Strategie

  • Führungsrolle Deutschlands: Es wird die politische Ambition thematisiert, Deutschland zur führenden konventionellen Militärmacht in Europa auszubauen, um nach der ökonomischen auch die militärische Vormachtstellung zu sichern [10:43].
  • Interessendurchsetzung: Geopolitische Ziele beinhalten die Fähigkeit, nationale Interessen weltweit auch militärisch zu definieren und durchzusetzen, etwa die Sicherung von Seerouten [11:51], [25:26].
  • Abschreckungskonzept: Die Aufrüstung wird mit dem Ziel begründet, Krieg führen zu können, um ihn durch Abschreckung letztlich nicht führen zu müssen [13:11].
  • Rolle der USA: Da sich die USA zunehmend aus Europa zurückziehen, entstehe für Deutschland die Notwendigkeit, ein eigenes Drohpotenzial zu entwickeln [25:45].

Gesellschaftliche Debatte und Ethik

  • Einstellung junger Menschen: Die Reaktionen auf die mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht sind geteilt. Während einige die Verteidigung des Landes als Pflicht sehen, lehnen andere sowohl Wehr- als auch Zivildienst ab [01:13].
  • Kriegsdienstverweigerung: Die Verweigerung ist grundgesetzlich nur aus Gewissensgründen, nicht jedoch aus rein politischen Gründen möglich [19:10].
  • Pazifismus-Verständnis: Es wird debattiert, ob Soldaten als Pazifisten gelten können, die durch ihre Ausbildung Leid verhindern wollen, oder ob Aufrüstung zwangsläufig proaktive Gewaltanwendung impliziert [13:21], [14:15].
  • Flucht vs. Verteidigung: Im Falle eines Angriffs wird die Position vertreten, dass Flucht oder Kapitulation zum Schutz von Menschenleben eine Option gegenüber dem „Opfern“ einer Generation an der Front darstelle [15:42], [31:34].

Militärische Praxis

  • Grundausbildung: Diese umfasst grundlegende infanteristische Übungen, das Verhalten im Gelände und die Hindernisbahn, um Handlungssicherheit zu gewinnen [04:00].
  • Anforderungen an Frauen: Frauen führen in der Ausbildung dieselbe Ausrüstung und dasselbe Gewicht mit wie Männer [04:32].
  • Psychologische Belastung: Die Ausbildung an der Waffe auf menschliche Silhouetten löst bei jungen Rekruten Reflexionsprozesse über die reale Anwendung tödlicher Gewalt aus [07:43].

11:09

Vorwürfe gegen Internetriesen und Regierungen - dazu Einblicke in sein Leben im russischen Exil: Whistleblower Edward Snowden sieht eine Zukunft im Exil gefährdet - solange Europa nicht hilft.

Für die einen ist er ein Held, für die anderen ein Verräter. Im Exil in Moskau Snowden nicht freiwillig, sagt er: "Die US-Regierung hält mich in Russland fest." Außerdem bedauert er den "Appetit für Autoritarismus" in westlichen Demokratien. Er habe 2013 "sein Leben in Brand gesteckt", bereue das aber nicht. Es habe sich gelohnt, weil er Unehrlichkeit entlarvt habe. "Wenn ich dafür lebenslänglich bekommen soll, will ich wenigstens ein faires Verfahren."

43:28

Sind die Menschenrechte in demokratischen Gesellschaften und weltweit auf dem Rückzug? Darüber spricht Richard David Precht mit dem Menschenrechtsexperten und Juristen Manfred Nowak.

Sie sind ein unveräußerliches Gut und eine der größten Errungenschaften der Menschheit und doch werden Menschenrechte tagtäglich missachtet von Staaten, die Minderheiten, Andersdenkende oder Frauen unterdrücken, foltern und töten. Und nicht zuletzt im Krieg.

Obwohl fast alle Länder der Welt sich dazu verpflichtet haben, sie zu achten: Ist der Traum von einer Welt- und Friedensordnung auf der Basis universeller Menschenrechte ausgeträumt? Die Gründe für die gegenwärtige Verschlechterung der Lage sind vielfältig, so der österreichische Jurist Manfred Nowak, der sich seit Jahren für die UNO engagiert. Die Polarisierung in der Gesellschaft, die Zunahme von Diktaturen und bewaffneten Konflikten spielen dabei eine ebenso große Rolle wie der Klimawandel, die Migration oder das neoliberale Wirtschaftssystem. Der demokratische Konsens und der soziale Zusammenhalt der Gesellschaften schwinden und der dominante Westen muss zur Kenntnis nehmen, dass der Rest der Welt nicht unbedingt genauso leben möchte wie wir.

Schon bei ihrer Entstehung im 18. Jahrhundert orientieren sich die allgemeinen Menschenrechte zunächst eng an der westlichen Vorstellung des bürgerlichen Besitzes, den es zu schützen gilt - und der unbedingten Freiheit des Individuums. Ist es diese vom Einzelnen aus gedachte Freiheit, die uns heute auf die Füße fällt? Wäre es in Zukunft wünschenswert, die Menschenrechte weniger aus der Natur des Menschen zu erklären, sondern viel mehr aus der Fähigkeit des Menschen zur Vernunft, wie es Immanuel Kant verstanden hat? Und was können wir von anderen Kulturkreisen lernen? 

43:04

T.C. Boyle ist einer der schärfsten literarischen Chronisten des amerikanischen Niedergangs. Sein Amerikabild ist von einer fundamentalen Desillusionierung geprägt - er seziert die USA als gescheiterte Utopie. Reißen die Vereinigten Staaten den ganzen Westen mit in den Abgrund?

9:38

Nach einem gescheiterten ersten Anlauf im Oktober reist der Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) nun doch nach China. Im Zeichen der enormen wirtschaftlichen Bedeutung, die China für Deutschland hat. In Medien, die der chinesischen Regierung nahestehen, wurde Wadephuls Absage damals deutlich verurteilt. "Wenn du jemanden zu Hause besuchen willst, kannst du doch nicht die Speisekarte bestimmen. Das ist sehr unhöflich", sagte Kommentator Jie Wenqi im pro-chinesischen taiwanesischen Fernsehender CTI TV.

Auch Chinaexperte Frank Sieren sieht es kritisch, "nur Forderungen" von Außenminister Wadephul zu hören. Denn es fehle an einem Gegenangebot: "Was kann Deutschland für China tun?"

32:53

Der Verband der Familienunternehmen hatte jüngst eine Öffnung für AfD-Politiker zu Veranstaltungen angekündigt. Nach vielen Protesten und Austritten aus dem Verband hatte die Verbands-Vorsitzende, Marie-Christine Ostermann, den Fehler eingeräumt und die Aussage zurückgenommen. Man habe die AfD inhaltlich stellen, aber sich nicht ihr öffnen wollen. Bei Markus Lanz diskutieren die Geschäftsführer von DM, Christoph Werner, und Rossmann, Raoul Roßmann, über die Abgrenzung zur AfD und, ob eine Brandmauer heute noch vertretbar ist. 

25:03

Die Drohkulisse zwischen US-Präsident Donald Trump und Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro wächst: Nach Angaben der US-Marine hat der größte Flugzeugträger der Welt sein Einsatzgebiet vor Lateinamerika erreicht. Die atombetriebene USS Gerald R. Ford ist 333 Meter lang und bietet Platz für 90 Kampfflugzeuge und Hubschrauber sowie mehrere Tausend Soldaten.

Venezuela reagiert mit Militärübungen von fast 200.000 Einsatzkräften und spricht von einer imperialen Bedrohung. Die USA begründen die Militärpräsenz mit dem Kampf gegen transnationale kriminelle Organisationen und den Schutz des Heimatlandes vor Drogen. Wegen der zunehmenden Spannungen schließen Beobachter nicht aus, dass Trump auch einen Machtwechsel in Venezuela erzwingen will.

Anfang September hatte die US-Armee begonnen, Schiffe in der Karibik und dem Pazifik anzugreifen. Der Regierung in Washington zufolge handelt es sich dabei um Drogenboote. Beweise dafür wurden bisher nicht vorgelegt. US-Präsident Trump wirft dem südamerikanischen Land vor, den Drogenschmuggel in den USA fördern. Seither wurden insgesamt 20 Boote angegriffen, 75 Menschen starben.  

Immer lauter wird die Kritik am amerikanischen Vorgehen. Zuletzt bezeichnete der französische Außenminister Barrot die Einsätze als völkerrechtswidrig. Laut Medienberichten hat Großbritannien den Austausch von Geheimdienstinformationen zu mutmaßlichen Drogenschmugglern gestoppt.

Warum verlegt die USA Kriegsschiffe vor Südamerika? Was hat der Drogenhandel damit zu tun? Wie weit geht Trump in der Konfrontation mit Venezuela? Darüber spricht Victoria Reichelt bei ZDFheute live mit Lateinamerika-Expertin Prof. Sabine Kurtenbach und mit ZDF-Korrespondent David Sauer. Seid dabei und stellt eure Fragen! 

Inhalt

0:00 Intro 0:29 USS Gerald R. Ford vor Südamerika 

1:42 USA-Korrespondent: Venezuela "systemischer Gegner" als Verbündeter von China, Russland und Iran 

12:05 Lateinamerika-Expertin: “Aufgebot der USA reicht nicht aus” 

13:25 Maduro: "Niemand wird unsere Unabhängigkeit nehmen"

22:44

Der AfD-Vorsitzende Tino Chrupalla sieht aktuell durch Russland keine Bedrohung für Deutschland, wie er bei Markus Lanz erklärt. Eher würde die akute Aufrüstung der deutschen Bundesregierung dazu führen, dass die Bedrohung eines dritten Weltkriegs steige. Diesen Behauptungen widerspricht die Politikwissenschaftlerin Florence Gaub

58:30

Der argentinische Präsident Javier Milei tritt gerne mit einer Kettensäge auf. Damit will der Ökonom den Staat zurechtstutzen, Bürokratie abbauen, Ausgaben senken und so das wirtschaftlich angeschlagene Land reformieren. Die Reformen sind schmerzhaft, trotzdem gewann Mileis Partei die jüngsten Parlamentswahlen.

Einen Reformstau haben wir in Deutschland auch, aber hier ist unsere Regierung eher „mit einer Laubsäge“ unterwegs, meint Markus Lanz. Sollten wir etwa mehr Milei wagen? „Immer wenn der Karren im Dreck steckt, wollen die Leute radikale Lösungen“, meint Richard David Precht. Aber funktionieren politische Radikallösungen auch auf Dauer? Was sagen Ökonomen wie Milton Friedman dazu, auf den sich der argentinische Präsident so gern beruft?

35:48

Praktisch jeder internationale Großkonzern will klimaneutral werden – zumindest offiziell. "frontal"-Recherchen zeigen: Ambitionierte Klimaversprechen sind häufig wenig mehr als heiße Luft. Viele Konzerne setzen bei ihrer Klimaschutz-Strategie auf den Ausgleich von klimaschädlichen Emissionen, etwa durch Bäume irgendwo in den Regenwäldern des globalen Südens. Dafür kaufen sie Zertifikate, mit denen sich die Konzerne jede Tonne CO2, die sie ausstoßen, gutschreiben.

Dass diese Rechnung nicht aufgeht, zeigt die frontal-Dokumentation auch anhand eines Selbstversuchs. Schon allein bei der Berechnung der Emissionen nutzen Konzerne Spielräume, um das Ergebnis zu beschönigen. Eine Spurensuche bis hinein in den brasilianischen Amazonas-Regenwald zeigt, dass Projekte, die angeblich CO2 einsparen, Konzernen und Projektbetreibern oft mehr nützen als dem Klima.