Maulbeerblatt (Medienpräsenz)

30:07

In dieser Ausgabe von Schack Spezial spricht Moderator Ramon Schack mit der Schauspielerin und Autorin Gabriele Gysi über aktuelle geopolitische Entwicklungen und persönliche Erfahrungen aus erster Hand.

Im Mittelpunkt des Gesprächs stehen Gysis Eindrücke aus Israel kurz vor Beginn der jüngsten Eskalation sowie ihre Reisen in den Iran. Dabei schildert sie Begegnungen vor Ort und reflektiert über gesellschaftliche Stimmungen, politische Wahrnehmungen und die Rolle internationaler Berichterstattung.

Darüber hinaus geht es um die Entwicklung politischer Diskurse in Deutschland und Europa, die Rolle von Medien sowie um Fragen von Kultur, Geschichte und gesellschaftlicher Veränderung. Auch persönliche biografische Aspekte, etwa das Aufwachsen in der DDR und die Ausreise in den Westen, werden im Gespräch thematisiert.

Zeitmarken

Eindrücke aus Israel und Kritik an der Regierung

  • Stimmung vor dem Angriff: Gysi berichtet von einer Opernpremiere in Tel Aviv kurz vor Kriegsbeginn. Sie beschreibt die israelische Gesellschaft als tief gespalten. Linke Intellektuelle fühlten sich isoliert, da Kritik an der Regierung von Benjamin Netanjahu im Ausland oft vorschnell tabuisiert oder als Antisemitismus geframt werde [01:46], [02:45].
  • Umgang mit Begriffen: Sie kritisiert die inflationäre und kontextlose Verwendung historischer Begriffe im öffentlichen Diskurs. Dieser werde den komplexen Realitäten vor Ort (wie der systematischen Benachteiligung der Palästinenser) nicht gerecht [04:49].
  • Iranische Realität: Gysi verweist darauf, dass der Iran (90 Millionen Einwohner) eine komplexe Gesellschaft sei. Entgegen westlicher Pauschalisierungen gebe es beispielsweise eine große jüdische Gemeinde in Teheran mit eigenen Abgeordneten im Parlament [05:42], [06:46].

Medienkritik und westliche Überheblichkeit

  • Intellektuelle Begrenztheit: Westliche Politik und Medien neigen laut Gysi dazu, die eigene intellektuelle Begrenztheit zum Maßstab der Welt zu machen. Sie kritisiert die Unkenntnis über den schiitischen Glauben, der im Diesseits eine politische Ordnung mit eigenen Institutionen begründe und nicht einfach als bloßes „Regime“ abgetan werden könne [17:18], [18:02].
  • Fehlende Einmischung: Sie plädiert dafür, dass sich der Westen aus den inneren Angelegenheiten des Iran heraushält („Wir haben dort nichts zu suchen“). Künstlich von außen geschürte Unruhen zerstörten die Chance auf einen organischen innergesellschaftlichen Ausgleich [20:15].

DDR-Vergangenheit und deutsch-deutsche Geschichte

  • Zwei deutsche Staaten: Gysis Sicht auf Deutschland war stets gesamtdeutsch. Sie betrachtet die Existenz zweier deutscher Staaten als logisches Resultat des verlorenen Zweiten Weltkriegs und der Besatzungsmächte [10:41].
  • Kulturelle Bildung: Im Vergleich zur heutigen Zeit, in der Bildung oft vom Geldbeutel der Eltern abhänge, lobt sie das staatliche Fördersystem der DDR, welches breiten Schichten über Theater-, Konzert- und Musikschulbesuche kulturelle Teilhabe ermöglichte [25:38].

Deutsche Außenpolitik und die EU

  • Gefährliche Rhetorik: Aussagen wie jene von Friedrich Merz, wonach Deutschland die „größte Armee in Europa“ anstrebe, hält Gysi für hochgefährlich. Dies wecke historisches Misstrauen bei den europäischen Nachbarn [00:00], [22:12].
  • Kritik an der EU: Die Europäische Union beschreibt sie als technokratischen Apparat ohne positive Visionen, der ideologisch primär durch das Feindbild Russland zusammengehalten werde [28:47].

Persönliches und Politik

  • Verhältnis zu Gregor Gysi: Sie schätzt ihren Bruder Gregor Gysi als wichtige linke Stimme und bundesrepublikanische Institution, sieht sich selbst jedoch als weniger staatsbejahend bzw. systemgläubig an [08:29], [10:21].
  • Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW): Es gab Gespräche darüber, für das BSW in Berlin als Spitzenkandidatin anzutreten. Aufgrund organisatorischer Umstände verlief die Idee jedoch im Sande [26:46], [27:03].

16:38

Als junge Tänzerin hatte Kathrin Schülein den Traum, auf den großen Bühnen der Hauptstadt der DDR aufzutreten. Heute steht sie selbst an der Spitze eines Theaters und kämpft um den Erhalt der Kunst in einer zunehmend kommerzialisierten Welt. 

„Kunst und Kultur waren nie diejenigen, die Revolutionen angeschoben haben - aber sie waren diejenigen, die sie transportiert haben“, sagt Schülein im Gespräch. Genau das ist ihre Motivation als Leiterin des Theaters Ost in Berlin: Das Publikum zu erreichen, den gesellschaftlichen Diskurs anzuregen und womöglich sogar Veränderungen voranzubringen. Doch das ist kein leichtes Unterfangen. Schülein beklagt einen „Verfall der Kultur“ in einer Gesellschaft, die dem Kommerz immer mehr Raum gibt. Die Abhängigkeit von Sponsoren sieht sie als große Bedrohung für die künstlerische Freiheit. Und auch der Kampf um junge Zuschauer ist eine ständige Herausforderung. 

„Wir hören von Lehrern, dass es Schüler gibt, die noch nie ein Theater betreten haben“, erzählt Schülein. Dafür macht sie eine „mangelhafte Bildung“ verantwortlich - ein Problem, das sie nur durch eine stärkere Verankerung von Kunst und Kultur in der Gesellschaft lösen sieht. Ihre Initiative „Kultur ins Grundgesetz“ ist ein Versuch, genau das zu erreichen. Bislang ist die Staatsministerin für Kultur und Medien, Claudia Roth, den Forderungen nicht gefolgt. Umso entschlossener kämpft Schülein weiter - für ein Theater, das Seele und Geist der Zuschauer berührt und gleichzeitig den gesellschaftlichen Diskurs vorantreibt. 

  • 0:22 – Wer bin ich? Biografie und Vita 
  • 0:55 – Vorbilder und Inspirationen 
  • 1:17 – Unvergessliche Bühnenmomente 
  • 2:49 – Der Einfluss des Publikums – die magische Verbindung 
  • 3:28 – Zeit ohne Bühne – Kunst und Realität 
  • 3:49 – Die Zukunft des Theaters – Wandel und Perspektiven 
  • 8:03 – Mit Theater die Welt verstehen 
  • 10:35 – Ausverkauf von Kunst und Kultur – Chancen und Gefahren durch Sponsoring 
  • 12:37 – Der Blick zurück – das Jahr 2024 im Rückspiegel 
  • 14:04 – Der Blick nach vorn – was bringt 2025? 
  • 15:55 – Rat an die Jungen – Weisheiten und Tipps

1:01:18

In diesem Interview spricht Kathrin Schülein, Gründerin und Leiterin des Theaters Ost in Berlin-Adlershof, über zehn Jahre Kulturarbeit und Widerstandskraft.
Im Gespräch mit Danuta Schmidt erzählt Kathrin von der Entstehung des Theaters aus Eigeninitiative, von den Herausforderungen eines privaten Kulturhauses zwischen Pandemie, Finanznöten und struktureller Benachteiligung des Ostens – und von der aktuellen Bedrohung durch eine drohende Räumungsklage.

Kathrin spricht im Interview darüber, wie Kultur als humanistische Kraft wirkt und warum sie für unsere Gesellschaft unverzichtbar ist. Sie beleuchtet die nicht aufgearbeitete Geschichte der Treuhand und des Volkseigentums, die bis heute Einfluss darauf hat, wie über den Osten Deutschlands gesprochen und entschieden wird. Mit großer Offenheit erzählt sie von Stolz und Zorn, von der Verletzung, aber auch von der Kraft, die daraus entsteht – und davon, wie aus diesen Gefühlen eine neue Form von ostdeutscher Selbstbestimmung und kultureller Verantwortung erwachsen kann.

Zugleich macht sie deutlich, dass das Theater Ost mehr ist als ein Ort der Kunst: Es ist ein Ort der Begegnung, des Austauschs und der Solidarität, an dem Menschen auf Augenhöhe miteinander sprechen, lachen, nachdenken und fühlen können. In einer Zeit wachsender gesellschaftlicher Spaltung steht das Theater Ost für das, was uns verbindet – für Gemeinschaft, Haltung und Widerstandskraft.

Zum Schluss spricht Kathrin Schülein über ihre Vision, das historische Gebäude zurück in die Hände der Kulturschaffenden zu bringen – unter dem Motto:
„Wir holen uns das Volkseigentum zurück.“

56:33

In der ersten Folge von Schack Spezial ist der Philosoph und Autor Dr. Hauke Ritz zu Gast. Im Gespräch geht es um Deutschlands geopolitische Rolle im Ukrainekrieg – und warum gerade die Bundesrepublik eine Schlüsselstellung zwischen Krieg und Frieden einnimmt.

Ritz spricht über den Verlust europäischer Souveränität, die strategische Kontrolle durch die USA und die wachsende Macht privater Konzerne. Er fordert eine neue Außenpolitik, warnt vor einer „verwalteten Gesellschaft"“unter Einfluss von Big-Tech und Finanzgiganten – und plädiert für ein souveränes, kulturell selbstbewusstes Europa.

#HaukeRitz #SchackSpezial #Ukrainekrieg #Geopolitik #Deutschland #Souveränität #USA #MultipolareWelt #Europa #Frieden #Russlandverstehen #Philosophie #Weltordnung #medienkritik 

51:34

Willkommen zurück zu unserer Interview-Reihe „Lost in Südost“ direkt aus dem Hotel Spree-Idyll in Berlin Friedrichshagen. Unser heutiger Gast hat Jahrzehnte Politik miterlebt und mit gestaltet:  Egon Krenz, letzter Staatsratsvorsitzender der DDR.

In dem über einstündigen Gespräch mit dem Publizisten Ramon Schack verarbeitet Egon Krenz seine Erinnerungen und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. So spricht er Klartext zur Russland-Politik des Westens und wirft den USA und der NATO fehlenden Friedenswillen vor.

Besonders interessant wird es, wenn der 87-Jährige von seinen Begegnungen mit Zeitgenossen wie Gorbatschow oder Deng Xiaoping berichtet. Auch über seine eigenen Fehleinschätzungen vor 1989 spricht Krenz offen. Hat Peking mit seinem Wirtschaftsmodell mehr erreicht als die sozialistischen Bruderstaaten? Hätte mehr Reformbereitschaft die DDR retten können? Plante Erich Honecker bereits an der Sowjetunion vorbei?

Krenz’ Blick auf das heutige Deutschland und die EU ist alles andere als nachsichtig: Konzernmacht und erodierende Demokratie – war es das, was die Bürger 1989 wollten? Der überzeugte Kommunist schildert seine Sicht auf die Deutungshoheit der DDR-Geschichte und warum das Verständnis für Ostdeutschland noch weiter wachsen muss.

Diesen und vielen weiteren Themen gehen wir gemeinsam mit unserem Gast nach. Ein einzigartiger Blick hinter die Kulissen der Ost-West-Beziehungen! Seien Sie gespannt auf die einzigartigen Einblicke durch eine der wichtigsten Figuren der jüngeren deutschen Geschichte.