acTVism Munich (Medienpräsenz)

34:58

In dieser Folge von Die Quelle spricht unser leitender Redakteur Zain Raza mit dem Historiker Professor Peter Kuznick über den Krieg der USA und Israels gegen den Iran und die größeren geopolitischen Verschiebungen, die die heutige Welt prägen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie dieser Konflikt entstanden ist, wie sich die Lage aktuell entwickelt und ob die Vereinigten Staaten ihre strategischen Ziele tatsächlich erreichen konnten.

Das Gespräch weitet den Blick auf die Ukraine und den asiatisch-pazifischen Raum. Während Europa seine Rolle bei der Finanzierung des Ukraine-Kriegs ausbaut und Japan seine militärische Ausrichtung beschleunigt, zeigt sich ein Zusammenhang zwischen diesen Entwicklungen, der oft übersehen wird. Das Interview stellt damit eine zentrale Frage: Deuten die aktuellen Dynamiken auf Stabilität hin oder auf eine neue, gefährlichere Phase geopolitischer Eskalation?

Zeitmarken

Konflikt USA / Israel & Iran

  • Kriegsverlauf & Opferzahlen: Zusammenfassung der Operation „Epic Fury“ (Februar 2026) mit Schätzungen von 3.000 bis 6.000 Toten im Iran und Schäden an US-Stützpunkten 00:01:25.
  • Wirtschaftliche Folgen: Diskussion über den Anstieg der Benzinpreise in den USA auf über 4,30 $ pro Gallone und die strategische Bedeutung der Straße von Hormus 00:03:44.
  • Atomares Risiko: Kuznick warnt vor Beratern, die Trump zum Bruch des „Atomtabus“ drängen könnten, um uneingeschränkte Macht zu demonstrieren 00:08:37.
  • Friedenslösung: Vorschlag für einen atomwaffenfreien Nahen Osten unter Einbeziehung des israelischen Arsenals und Aufhebung der Sanktionen 00:15:37.

Ukraine-Krieg & Europa

  • Territoriale Gewinne Russlands: Analyse der russischen Vorstöße zwischen 2024 und Anfang 2026 (ca. 1.700 km² seit Januar 2026) 00:18:59.
  • Europäische Aufrüstung: Kritik an EU-Finanzzusagen (90 Mrd. Euro) und der Kriegsrhetorik europäischer Führer (Macron, Starmer, Merz) 00:19:58.
  • Ressourcenmangel: Hinweis darauf, dass den USA und Israel die Abfangraketen (z.B. Arrow 2/3) ausgehen, was weitere Eskalationen erschwert 00:23:13.

Asien-Pazifik & Japan

  • Remilitarisierung Japans: Unter Premierministerin Takaichi bricht Japan mit der pazifistischen Nachkriegstradition und lockert Rüstungsexportregeln 00:26:41.
  • Nukleare Proliferation: Kuznick beobachtet eine globale Tendenz zu eigenen Atomwaffen (Polen, Südkorea, Taiwan) als Reaktion auf die Instabilität 00:30:26.
  • Taiwan-Szenario: Die US-Strategie setzt auf Interoperabilität mit südkoreanischen und japanischen Streitkräften im Falle eines Konflikts mit China 00:31:09.

US-Innenpolitik

  • Wahljahr 2026: Einschätzung der sinkenden Zustimmungswerte für Donald Trump (ca. 30 %) und die Erwartung einer Niederlage der Republikaner bei den Zwischenwahlen 00:04:10.
  • Kritik am Beraterstab: Kuznick bezeichnet Trumps Team (u.a. Steven Miller, Pete Hegseth) als inkompetent und gefährlich für die globale Stabilität 00:07:27.

1:06:04

Am 19. April meldete Donald Trump die Kaperung eines iranischen Frachtschiffs durch die US-Marine in internationalen Gewässern – ein Schritt, der den fragilen Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran erneut unter Druck setzt. Kurz darauf folgten Berichte über iranische Drohnen in der Region des Golfs von Oman.

Was steckt hinter dieser Eskalation – und ist sie Teil einer größeren Strategie?

Der Journalist und Menschenrechtsanwalt Dimitri Lascaris spricht mit dem langjährigen Auslandskorrespondenten und Russland-Analysten John Helmer über die Hintergründe der aktuellen Entwicklungen. Im Fokus steht dabei vor allem eine entscheidende Frage: Wie werden Russland und China auf diese Zuspitzung reagieren – und was bedeutet das für die weitere Entwicklung des Konflikts?

Zeitmarken

  • Eskalation am Golf von Oman: Es wird berichtet, dass die US-Marine ein iranisches Containerschiff, die Tuska, etwa 75 km vor dem iranischen Hafen Tschabahar gekapert hat [06:46]. Dies geschah außerhalb der Straße von Hormus und wird im Video als Bruch eines bestehenden Waffenstillstands gewertet.
  • Provokation statt Diplomatie: Der Gast John Helmer interpretiert die US-Aktionen und die Rhetorik von Donald Trump als gezielten Versuch, diplomatische Verhandlungen in Islamabad zu torpedieren [10:54]. Die Ersetzung von Vizepräsident Vance durch Jared Kushner und Stephen Witkoff in der Verhandlungsdelegation wird als weiteres Zeichen mangelnden guten Glaubens seitens der USA gewertet [11:36].
  • Chinas zurückhaltende Position: China reagiert offiziell sehr vage und bezeichnet die Lage lediglich als „komplex und heikel“ [20:15]. John Helmer sieht darin eine Form der Nachgiebigkeit gegenüber den USA im Nahen Osten, während China im Südchinesischen Meer eine deutlich härtere Gangart wählt [23:46].
  • Fraktionskämpfe in Russland: In Moskau gibt es offenbar interne Konflikte über die Prioritätensetzung: Während der Sicherheitsrat vor unaufrichtigen US-Verhandlungen warnt [39:44], wird der Verhandlungsführer Kirill Dmitrijew kritisiert, da er trotz enger Kontakte zur Trump-Administration keine substanziellen Erfolge – wie die Verlängerung von Ölsanktions-Ausnahmen – erzielen konnte [54:10].
  • Strategische Bedeutung der Wasserwege: Die Straße von Hormus wird als lebenswichtige Ader für den Welthandel und insbesondere für Chinas Energieversorgung beschrieben [58:31]. Eine dauerhafte Blockade oder militärische Kontrolle durch die USA wird als existenzielle Bedrohung für die strategischen Interessen Chinas und Russlands eingestuft.

Geografischer Kontext:

Das Video kommt zu dem Schluss, dass die Welt vor einer erneuten militärischen Eskalation steht, sollte die zweite Verhandlungsrunde in Islamabad aufgrund des gegenseitigen Misstrauens scheitern [01:04:47].

46:04

Zeitmarken

1. Das Versagen der US-Ziele

Mearsheimer stellt fest, dass die USA alle vier Hauptziele des Konflikts verfehlt haben [40:06]:

  • Kein Ende der Urananreicherung: Der Iran hält an seinen Kapazitäten fest.
  • Kein Ende der Unterstützung von Verbündeten: Gruppen wie die Hisbollah oder die Huthis bleiben aktiv.
  • Kein Abbau des Raketenprogramms: Im Gegenteil, der Iran wird dieses nun vermutlich massiv ausbauen.
  • Kein Regimewechsel: Das iranische System ist weiterhin stabil.

2. Die strategische Oberhand des Iran

Laut Mearsheimer sitzt der Iran am längeren Hebel, da er die Straße von Hormus kontrolliert [02:53].

  • Eskalationsdominanz: Eine weitere Eskalation durch die USA würde dem Iran eher nützen, da steigende Ölpreise und die Blockade der Weltwirtschaft die USA und die globale Stabilität stärker bedrohen als den Iran selbst [03:33].
  • Wirtschaftlicher Druck: Die Weltwirtschaft steuert wie die "Titanic auf einen Eisberg" zu [28:45]. Ein Mangel an Öl, Kerosin, Helium und Düngemitteln (30 % der weltweiten Düngemittel kommen aus der Region) könnte katastrophale Folgen haben [29:31].

3. Innenpolitische und externe Zwänge für Trump

Präsident Trump befindet sich in einer "unhaltbaren Lage" [41:37]:

  • Israel-Lobby: Mearsheimer argumentiert, dass pro-israelische Kräfte in den USA und die Regierung Netanjahu Trump unter Druck setzen, keine Zugeständnisse zu machen und den Iran "endgültig zu vernichten" [09:13].
  • Wirtschaftlicher Realismus: Gleichzeitig muss Trump den Krieg beenden, um einen globalen Wirtschaftskollaps zu verhindern, der auch seine innenpolitische Position (z.B. bei Zwischenwahlen) gefährden würde [08:49].
  • Unberechenbarkeit: Der Professor beschreibt Trump als "verrückten König", der fachliche Kompetenz ablehnt und impulsiv auf Krisen reagiert, was die diplomatische Lösungsfindung erschwert [22:41].

4. Einordnung der US-Macht

Trotz des taktischen Versagens sieht Mearsheimer darin keinen "Suez-Moment" (den endgültigen Niedergang als Großmacht wie bei Großbritannien 1956) [42:07]. Die USA bleiben eine Supermacht in einer nun multipolaren Welt (mit China und Russland), setzen ihre Macht jedoch "bemerkenswert töricht" ein [43:53].

Fazit: Mearsheimer sieht kaum eine Chance für ein nachhaltiges Friedensabkommen, da die Forderungen beider Seiten (insbesondere die des Iran nach Reparationen und Ende aller Sanktionen) für die USA kaum annehmbar sind [05:30]. Er prognostiziert bestenfalls einen "eingefrorenen Konflikt" oder ein sehr vorteilhaftes Abkommen für den Iran, da dieser als faktischer Sieger aus der Konfrontation hervorgehe [39:21].

47:53

Am 8. April, nur Stunden nach der Verkündung eines „Waffenstillstands“, griff Israel 110 Ziele im Libanon an und tötete innerhalb von zehn Minuten 357 Menschen. Dimitri Lascaris reist nach Beirut und dokumentiert vor Ort die Zerstörung und ihre Folgen. Was ist an diesem Tag wirklich passiert – und warum eskaliert der Krieg trotz angeblicher Waffenruhe weiter?

41:30

Während die USA den Iran als führenden staatlichen Sponsor des Terrorismus darstellen, stellt ein ehemaliger CIA-Offizier diese Darstellung infrage. In einem Interview geführt vom Pulitzer-Preisträger Chris Hedges analysiert John Kiriakou die Rolle der US-Geheimdienste und ihrer Verbündeten, die Unterstützung von Stellvertretergruppen und die Frage, wie der Begriff „Terrorismus“ im geopolitischen Kontext verwendet wird.

Im Mittelpunkt steht eine zentrale Frage: Wird Terrorismus objektiv bewertet oder politisch eingesetzt?

33:18

Der investigative Journalist und Menschenrechtsanwalt Dimitri Lascaris berichtet aus Minab im Iran, wo er die Folgen eines Angriffs auf eine Schule untersucht. Gemeinsam mit anderen Journalisten betritt er das Gelände und verschafft sich vor Ort ein eigenes Bild.

Im Austausch mit Anwohnern und Augenzeugen sowie bei der Besichtigung des Schulgeländes und angrenzender Gebäude versucht er zu klären, was sich dort tatsächlich ereignet hat.

42:50

Warum drängt Israel seit Jahrzehnten auf einen Krieg mit dem Iran und was steckt wirklich dahinter? In diesem Interview spricht der israelische Journalist Gideon Levy mit dem Pulitzer-Preisträger Chris Hedges über die Motive, die öffentliche Wahrnehmung und die Rolle der Medien.

Levy zeichnet ein Bild, das von gängigen Darstellungen abweicht: Er spricht über die Denkweise hinter politischen Entscheidungen, über die Bedeutung von Bedrohungsnarrativen und darüber, warum militärische Lösungen oft im Vordergrund stehen. Dabei geht es auch um das, was der Öffentlichkeit gezeigt wird und was nicht.

Dieses Video wurde vom Chris Hedges Report produziert und am 25. März 2026 auf dessen YouTube-Kanal veröffentlicht. Wir haben es ins Deutsche übersetzt und veröffentlichen es heute erneut, um in Deutschland und darüber hinaus zur Meinungsbildung zu diesem Thema beizutragen.

22:43

In diesem Video berichtet der Investigativjournalist und Menschenrechtsanwalt Dimitri Lascaris aus Minab im Iran. Vor Ort spricht er mit Familien, die bei einem Angriff auf eine Mädchenschule und ein angrenzendes Wohngebiet Angehörige verloren haben – insgesamt 168 Tote und 95 Verletzte, die meisten davon Kinder.

Während er die Begräbnisstätten besucht und mit Betroffenen spricht, stellt sich eine zentrale Frage: Warum haben weder westliche Journalisten noch US-Beamte oder Vertreter internationaler Organisationen diese Familien aufgesucht – und warum wird ihr Leid weiterhin ignoriert?

17:42

Zeitmarken

  • Status der Straße von Hormus: Entgegen einiger Medienberichte ist die Meerenge laut dem Bericht nicht gesperrt, sondern steht unter iranischer Kontrolle. Sie bleibt offen für Verbündete und Länder, die nicht am Konflikt beteiligt sind, ist jedoch für die USA, Israel und deren Unterstützer gesperrt [06:01].
  • Wirtschaftliche Bedeutung: Über diese Wasserstraße werden etwa 20 % des weltweiten Öls sowie große Mengen an Flüssigerdgas (LNG), primär aus Katar, transportiert [05:35].
  • Schiffsverkehr: Trotz des Konflikts dokumentiert das Team ein hohes Aufkommen an Frachtschiffen und Öltankern. Allein vom Boot aus wurden etwa 90 Schiffe gezählt, die in beide Richtungen unterwegs waren [01:16:42].
  • Militärische Lage vor Ort:
    • Die Inseln Hormus und Qeshm gelten als stark befestigt und für amphibische Landungen schwer einnehmbar [10:57].
    • Das Team berichtet von Drohnenangriffen in der Nacht auf die Hafenanlagen der Insel Hormus, weshalb ein geplanter Besuch der Insel abgesagt werden musste [01:00].
    • Die Journalisten berichten zudem von einer ständigen Bedrohung durch Drohnen und Raketenangriffe in der Nähe ihrer Aufenthaltsorte [03:41].

Dokumentation der Zerstörung

Die Reporter besuchten zuvor Orte wie eine Wetterstation in Buschehr und eine Schule in Minab, die durch Raketen- oder Drohnenangriffe zerstört wurden. Dabei wird betont, dass Angriffe oft kurz nach dem Verlassen der Journalisten stattfanden [02:15], [02:54].

22:14

Zensur im Iran – oder ein verzerrtes Bild aus der Ferne? Während öffentlich-rechtliche Medien aus der Ferne berichten, reist der investigative Journalist und Menschenrechtsanwalt Dimitri Lascaris direkt ins Kriegsgebiet und macht eine andere Erfahrung vor Ort.

In diesem Bericht reagiert er auf die Behauptung, unabhängige Berichterstattung aus dem Iran sei nicht möglich, und zeigt, was er tatsächlich sehen, filmen und veröffentlichen konnte – und warum die Frage der Zensur komplexer ist, als oft dargestellt wird.