23.04.2026

Prof. Mearsheimer: Die USA haben im Iran-Krieg versagt

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1. Das Versagen der US-Ziele

Mearsheimer stellt fest, dass die USA alle vier Hauptziele des Konflikts verfehlt haben [40:06]:

  • Kein Ende der Urananreicherung: Der Iran hält an seinen Kapazitäten fest.
  • Kein Ende der Unterstützung von Verbündeten: Gruppen wie die Hisbollah oder die Huthis bleiben aktiv.
  • Kein Abbau des Raketenprogramms: Im Gegenteil, der Iran wird dieses nun vermutlich massiv ausbauen.
  • Kein Regimewechsel: Das iranische System ist weiterhin stabil.

2. Die strategische Oberhand des Iran

Laut Mearsheimer sitzt der Iran am längeren Hebel, da er die Straße von Hormus kontrolliert [02:53].

  • Eskalationsdominanz: Eine weitere Eskalation durch die USA würde dem Iran eher nützen, da steigende Ölpreise und die Blockade der Weltwirtschaft die USA und die globale Stabilität stärker bedrohen als den Iran selbst [03:33].
  • Wirtschaftlicher Druck: Die Weltwirtschaft steuert wie die "Titanic auf einen Eisberg" zu [28:45]. Ein Mangel an Öl, Kerosin, Helium und Düngemitteln (30 % der weltweiten Düngemittel kommen aus der Region) könnte katastrophale Folgen haben [29:31].

3. Innenpolitische und externe Zwänge für Trump

Präsident Trump befindet sich in einer "unhaltbaren Lage" [41:37]:

  • Israel-Lobby: Mearsheimer argumentiert, dass pro-israelische Kräfte in den USA und die Regierung Netanjahu Trump unter Druck setzen, keine Zugeständnisse zu machen und den Iran "endgültig zu vernichten" [09:13].
  • Wirtschaftlicher Realismus: Gleichzeitig muss Trump den Krieg beenden, um einen globalen Wirtschaftskollaps zu verhindern, der auch seine innenpolitische Position (z.B. bei Zwischenwahlen) gefährden würde [08:49].
  • Unberechenbarkeit: Der Professor beschreibt Trump als "verrückten König", der fachliche Kompetenz ablehnt und impulsiv auf Krisen reagiert, was die diplomatische Lösungsfindung erschwert [22:41].

4. Einordnung der US-Macht

Trotz des taktischen Versagens sieht Mearsheimer darin keinen "Suez-Moment" (den endgültigen Niedergang als Großmacht wie bei Großbritannien 1956) [42:07]. Die USA bleiben eine Supermacht in einer nun multipolaren Welt (mit China und Russland), setzen ihre Macht jedoch "bemerkenswert töricht" ein [43:53].

Fazit: Mearsheimer sieht kaum eine Chance für ein nachhaltiges Friedensabkommen, da die Forderungen beider Seiten (insbesondere die des Iran nach Reparationen und Ende aller Sanktionen) für die USA kaum annehmbar sind [05:30]. Er prognostiziert bestenfalls einen "eingefrorenen Konflikt" oder ein sehr vorteilhaftes Abkommen für den Iran, da dieser als faktischer Sieger aus der Konfrontation hervorgehe [39:21].

Sprache (Ton)
Deutsch
Laufzeit
46min 4s
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Erstellt: 24.04.2026 - 07:15  |  Geändert: 24.04.2026 - 07:15

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