Als Hitler und die Spitzen der Wehrmacht den Krieg gegen die Sowjetunion planten, hielten sie diesen Krieg bereits für gewonnen. Aus der Überzeugung heraus, im Herbst 1941 den europäischen Kontinent bis zum Ural ohne Einschränkung zu beherrschen, wurden beispiellose Massenverbrechen geplant.
Dazu gehörte der Plan, die Nahrungsressourcen des besetzten Ostens rücksichtslos zugunsten des deutschen Volks auszubeuten. Von vornherein war dabei klar, dass als Folge „zig Millionen Menschen verhungern" würden. Weil der deutsche Angriff schon im Sommer 1941 stecken blieb, musste der Plan modifiziert und zumindest ein Teil der Menschen in den besetzten Gebieten so ernährt werden, dass sie arbeitsfähig blieben. Dennoch verhungerten Hunderttausende, vor allem in den großen Städten. Zu den Opfern zählten besonders die sowjetischen Kriegsgefangenen. Über drei Millionen, mehr als die Hälfte der etwa 5,7 Millionen, starben, die meisten verhungerten. Sie waren nach den Juden die größte Opfergruppe nationalsozialistischer Politik. Der Völkerrechtsgrundsatz, dass Kriegsgefangene menschlich zu behandeln sind, wurde verworfen. Ihr Schicksal unterschied sich fundamental von dem aller anderen Kriegsgefangenen, sie wurden ähnlich behandelt wie KZ-Häftlinge. Die geringfügigen Verbesserungen ihrer Behandlung waren ausschließlich von der Erkenntnis bestimmt, dass man ihre Arbeitskraft dringendst für die deutsche Rüstungsindustrie brauchte. Humanitäre Erwägungen spielten zu keinem Zeitpunkt eine Rolle.
Inhaltsverzeichnis zur Buchvorstellung „Vernichtungskrieg im Osten – Judenmord, Kriegsgefangene und Hungerpolitik“ mit den entsprechenden Zeitstempeln:
Einführung
- [00:00] Begrüßung durch die Stiftung Demokratie Saarland und Vorstellung des Buches.
- [01:45] Kurzbiografien der Autoren Hannes Heer und Christian Streit.
Vortrag von Christian Streit: Hungerpolitik und Kriegsgefangene
- [03:45] Entstehungsgeschichte des Buches und Einführung in die Vernichtungsplanung.
- [06:50] Der „Hungerplan“: Kalkuliertes Verhungern von Millionen Sowjetbürgern zur Sicherung der deutschen Versorgung.
- [10:50] Selektive Hungerpolitik: Priorisierung der Wehrmacht und Ausbeutung der besetzten Gebiete.
- [14:00] Die Belagerung von Leningrad als Symbol der Hungerpolitik.
- [21:03] Das Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen: Massensterben und völkerrechtswidrige Behandlung.
- [24:14] Der Kommissarbefehl und die Rolle der Wehrmacht bei der Aussonderung von Politkommissaren und Juden.
- [27:39] Elendsmärsche und katastrophale Lagerbedingungen im Winter 1941/42.
- [35:10] Kurswechsel ab 1942: Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter in der deutschen Kriegswirtschaft.
- [42:01] Vergleich der Ernährungslage in Deutschland und der Sowjetunion während und nach dem Krieg.
Vortrag von Hannes Heer: Die Wehrmacht und der Holocaust
- [43:20] Dekonstruktion der Legende von der „sauberen Wehrmacht“.
- [44:12] Zeit der Indoktrination: Antisemitische Propaganda und die Vorbereitung der Soldaten auf den Rassenkrieg.
- [48:45] Vorbereitung auf das Unternehmen „Barbarossa“: Verschmelzung von Bolschewismus und Judentum im Feindbild.
- [51:25] „Volkstumskarten“: Gezielte Erfassung jüdischer Bevölkerungsanteile für die vorrückenden Truppen.
- [56:25] Der Einmarsch und erste Massaker: Beispiele aus Slonim und Glubokoje.
- [01:04:22] Die Wehrmacht als Akteur der „Endlösung“: Zusammenarbeit mit SS und Polizeibataillonen.
- [01:07:01] Die Rolle der 707. Infanteriedivision bei der systematischen Ermordung von Juden in Weißrussland.
- [01:15:01] Die Liquidierung der Ghettos und die Beteiligung einfacher Soldaten an den Exekutionen.
- [01:21:25] Rekonstruktion eines Massenmordes in Slonim anhand von Zeugenaussagen beteiligter Soldaten.
Diskussion und Fragen aus dem Publikum
- [01:26:27] Fragen zur Eigeninitiative von Divisionskommandeuren bei den Morden.
- [01:27:52] Widerspruch: Militärischer Widerstand (z. B. Eduard Wagner) vs. Beteiligung an Kriegsverbrechen.
- [01:32:20] Quantitative Dimensionen und Durchführung des Kommissarbefehls.
- [01:37:57] Rassistische Kategorien wie „asiatisch aussehende“ Gefangene in der NS-Propaganda.
- [01:43:01] Ideologische vs. taktische Motive der Hungerpolitik (Vermeidung eines „November 1918“).
- [01:47:48] Die Politik der „verbrannten Erde“ beim Rückzug der Wehrmacht.
- [01:54:14] Abschlussworte.
Das Video bietet eine tiefgehende historische Analyse der Verbrechen der Wehrmacht während des Russlandfeldzugs.