junge Welt (Medienpräsenz)

19:27

Die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin stehen kurz bevor, und der seit Jahren kontinuierlich, aber zunächst relativ langsam verlaufende Aufstieg der AfD dürfte nun die Form von Erdrutschsiegen und möglicherweise einer ersten blauen Landesregierung annehmen. Das INSA-Institut ermittelte in seiner Erhebung vom 2. September ein Umfrageergebnis von 43 Prozent für die AfD in Sachsen-Anhalt, Infratest dimap ermittelte in seiner Erhebung vom selben Tag 35 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern und 18 Prozent in Berlin. In Sachsen-Anhalt wird die AfD damit quasi mit Sicherheit stärkste Partei werden, in Mecklenburg-Vorpommern höchstwahrscheinlich und selbst im links und weltoffen geltenden Berlin möglicherweise. In Sachsen-Anhalt ist eine absolute Mehrheit für die AfD denkbar.

Ein Videokommentar von Fabian Lehr.

16:21

Wenn wir der Stimmung der Resignation, der Depression, der Apathie entgegentreten wollen, die in weiten Teilen der Bevölkerung herrscht, dann müssen wir klarmachen, dass die Wurzel der Klimakatastrophe nicht die inhärente Schlechtigkeit des Menschen und auch nicht die moderne Zivilisation per se ist, sondern deren spezifisch kapitalistische Form, und dass die Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln, der Übergang zur sozialistischen Planwirtschaft, die Massen in die Lage versetzen würde, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und sich wieder eine lebenswerte Zukunft zu erkämpfen. 

10:18

„Wir haben einen Rechtsstaat. Daran habe ich keinen Zweifel." Das war Friedrich Merz' Antwort, als er auf einer Pressekonferenz in Dublin am 28. Juli gefragt wurde, ob der Prozess gegen die sogenannten Ulm 5 ein Schauprozess sei – eine Einschätzung, die irische Politiker bereits zuvor öffentlich vertreten hatten, nachdem eine parteiübergreifende Delegation aus sechs Abgeordneten und einer Europaabgeordneten am 22. Juli 2026, dem elften Verhandlungstag, nach Stammheim gereist war, um sich den Prozess selbst anzusehen. Sie besuchten Daniel Tatlow-Devally, den irischen Staatsbürger unter den fünf Angeklagten, in der Ulmer Haftanstalt, wo er seit fast einem Jahr in Untersuchungshaft isoliert ist, durften jedoch nicht mit ihm über seinen Fall sprechen. Im Gerichtssaal untersagte ihnen die vorsitzende Richterin Kathrin Lauchstädt am nächsten Tag jegliche Mitschrift – ein Vorgehen, das die Verteidigung als skandalöse Verletzung parlamentarischer Rechte bezeichnete –, während die Angeklagten hinter einer Glasscheibe saßen, ohne vertraulich mit ihren Anwälten sprechen zu können, in einem Prozess, von dem es kein vollständiges Protokoll gibt. Politiker Richard Boyd Barrett und Barry Ward bezeichneten dies als Schauprozess.

Den Ulm 5 werden Sachbeschädigung und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung nach § 129 StGB vorgeworfen, nachdem sie im September 2025 in das Ulmer Büro von Elbit Systems eingedrungen waren. Ihre Anwälte argumentieren, die Aktion sei ziviler Ungehorsam gewesen, gedeckt durch den Rechtsbegriff der Notwehr – notwendige Verteidigung, um Schaden von anderen abzuwenden –, und verweisen darauf, dass Elbit bis zu 85 Prozent der Drohnen liefert, die Israels Militär in Gaza, im Westjordanland und im Libanon einsetzt, eine Technologie, die Zivilisten getötet hat, viele von ihnen Kinder. Am selben Verhandlungstag beantragte die Verteidigung förmlich, Marian Rachow, den Geschäftsführer von Elbit Systems Deutschland, als Zeugen zu laden – in der Überzeugung, er könne die Beteiligung der deutschen Tochtergesellschaft an Israels Kriegsführung durch Technologietransfer, Ausrüstungslieferungen und finanzielle Verflechtungen bestätigen. Über die Zulassung dieses Beweisantrags hat das Gericht bislang nicht entschieden. Wochen zuvor hatte die Verteidigung bereits die Ablösung des leitenden Staatsanwalts gefordert, weil dieser keinerlei Ermittlungen gegen Elbit Deutschland geführt und die Polizei sogar angewiesen habe, in diese Richtung nicht zu ermitteln.

Zusammengenommen machen diese Anträge aus einem Sachbeschädigungsprozess die Prüfung einer größeren Frage: ob die deutsche Justiz wirklich unabhängig von der Staatsräson sein kann – jener ungeschriebenen Regel, die außerhalb des Rechts selbst wirkt –, um Israels Kriegsmaschinerie und eine mögliche deutsche Mitverantwortung daran losgelöst von Berlins Politik der bedingungslosen Unterstützung Israels zu untersuchen. Dieselbe Frage begleitete Merz, als er auf derselben Pressekonferenz gefragt wurde, warum Deutschland Sanktionen gegen Israel weiterhin ablehnt – trotz der laut UN auf einem historischen Höchststand befindlichen Gewalt im besetzten Westjordanland und eines UN-Untersuchungsausschusses, der im Juni zu dem Schluss kam, dass Israel einen Völkermord an palästinensischen Kindern in Gaza begeht. Genau darin liegt der Widerspruch, der in Stammheim aufeinanderprallt.

Vor dem Ulmer Gefängnis, in dem Daniel einsitzt, steht ein Denkmal für Hans und Sophie Scholl von der Widerstandsgruppe Weiße Rose, die in ihren Flugblättern dazu aufriefen, Rüstungsfabriken zu sabotieren, und die heute als Helden geehrt werden. Der deutsche Staat liest seine Geschichte als eine Schuld, die vor allem gegenüber Israel besteht. Die Ulm 5 lesen dieselbe Geschichte als Aufforderung, den Waffenfluss hin zu Massentötungen zu stoppen. Sie handelten, um zu stoppen, was ein UN-Ausschuss als Völkermord bezeichnet hat; Deutschland unterstützt Israel unter Berufung auf dieselbe Vergangenheit weiterhin militärisch wie diplomatisch – ungeachtet dessen.

37:20

Staaten überwachen ihre Bürger und auch die anderer Staaten – warum das in Zeiten von automatisierter Gesichtsanalyse und wachsender Autorität auch in Deutschland zum Problem für uns alle wird, erfahren wir von Penny Prinz. Sie ist Autorin und Mitarbeiterin an einem Lehrstuhl für Recht im digitalen Zeitalter und Aktivistin in der Gruppe »Sicherheit ohne Überwachung«. Sie bietet uns einen Blick in unsere Zukunft und unterstreicht diesen mit ihrer Recherche aus Hong Kong. Außerdem zeigt sie auf, wofür diese Überwachung genutzt werden kann, am Beispiel des Genozids in Palästina. Inwiefern sind auch wir davon betroffen und können wir uns schützen?

Zeitstempel

00:00 Status Quo/ASOG 
09:24 Warum wird überwacht? 
12:00 Sind wir nur Versuchskaninchen? 
15:50 Hong Kong/Chilling Effekt 
19:00 Gaza 
23:50 »The Palestine Laboratory« 
26:25 »Sicherheitspaket 2.0« 
31:20 Wie schützt man sich?

1:11:21

Der Autor und Vorsitzende der Organisation »Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost« Wieland Hoban hat sich in seinem kürzlich erschienenen Buch »Germany’s Jewish Problem. Genocides Past and Present« mit Deutschland als Täterland und Mittäter israelischer Verbrechen auseinandergesetzt. Er analysiert, »was Deutschland uns vergessen lassen will«, sagt die Psychoanalytikerin Iris Hefets und begreift sein Buch nicht zuletzt als Warnung vor den »Nazi-Geistern, die uns noch jagen und mehr und mehr zur Realität werden«.

Die Journalistin Susann Witt-Stahl sprach mit Wieland Hoban über in »deutsche Kategorien« gepresste Judenbilder und Repressalien gegen nonkonforme Juden, neuen Täterschutz und die Notwendigkeit einer Kritik der politischen Ökonomie deutscher »Vergangenheitsbewältigung«, Gewaltfantasien deutscher »Linker« und die Entschlossenheit weiterzukämpfen als Prinzip Hoffnung.

36:20

Weil er eine Kufija* getragen hat, wurde seine therapeutische Neutralität bezweifelt und er nach der Probezeit nicht von der DRK-Klinik Berlin Westend übernommen, berichtet André Lerner im Videointerview.

André Lerner ist studierter Assistenzarzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und nunmehr einer von vielen Juden, denen Antisemitismus vorgeworfen wurde.

*Heute ungenau oft als "Palestinensertuch" bezeichnet. Kufiya ist die arabische Bezeichnung für ein traditionelles quadratisches Tuch, das ursprünglich im Nahen Osten und auf der arabischen Halbinsel von Männern vor allem als Kopftuch und seltener als Halstuch getragen wurde.

27:57

Vor 49 Jahren wurde der Palast der Republik eröffnet. Nur 14 Jahre lang war dieser in der Tradition der sozialistischen Arbeiterbewegung stehende Volks- und Kulturpalast zugänglich. Am 19. September 1990 wurde er durch die Regierung der DDR geschlossen, einen Tag später votierten die Volkskammer der DDR und der Bundestag in Bonn für den Einigungsvertrag vom 31. August. Das Ende des Palastes fällt mit der Liquidierung der DDR zusammen und ist zugleich die Geburtsstunde der Berliner Republik. Und da die neue bürgerliche Republik nicht an ihre Geburt bzw. den historischen Sozialismus erinnert werden wollte, musste das beliebte Volkshaus gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung weg.   

34:53

Der Palast der Republik wurde am 23. April 1976 eröffnet, das ist nun 50 Jahre her. Aus Anlass dieses Jubiläums haben wir mit Rudolf Denner und Joachim Thiele vom Freundeskreis Palast der Republik über ihre Ausstellung in der jW Maigalerie gesprochen. Erfahrt, was sie über das größte Kulturhaus der DDR und seine Abwicklung nach 1990 durch die BRD zu sagen haben. 

7:48

Die kubanische Ärztin Aleida Guevara wurde am Sonnabend in Berlin für ihr praktisches internationalistische Wirken und stellvertretend für das widerständige Volk Kubas mit dem Rosa-Luxemburg-Preis ausgezeichnet.

»Es gibt kein Übel, das hundert Jahre dauert, noch einen Körper, der es ertragen kann« – Die Revolution auf Kuba behauptet sich seit 67 Jahren gegen das imperiale Übel aus Washington und das zitierte kubanische Sprichwort verweist nüchtern auf die aktuelle Situation des Landes. Deswegen gilt es heute Kuba zu würdigen, Kuba zu feiern, die Solidarität mit Kuba zu stärken. Die über sechshundert Besucher im großen Saal des Berliner Kino Babylon konnten am Sonnabend nachmittag starke Vorträge und ein interessantes Podiumsgespräch verfolgen, Müdigkeit wollte nicht aufkommen. Die »Solidaritätskonferenz zur Lage in Kuba« – nunmehr moderiert von der Sängerin und Schauspielerin Gina Pietsch näherte sich ihrem Höhepunkt: der Verleihung des Rosa-Luxemburg-Preises an die kubanische Kinderärztin Aleida Guevara für ihr praktisches internationalistisches Wirken und stellvertretend für das widerständige Volk Kubas.