junge Welt (Medienpräsenz)

1:11:29

Wir danken Canal Red für die freundliche Genehmigung zur Zweitverwertung dieses Beitrags.

Der sozialistische Inselstaat setzt im Kampf gegen den US-Imperialismus auf die Kraft der Bevölkerung und internationale Solidarität – aber auch auf Dialog mit den Aggressoren. Pablo Iglesias im Gespräch mit dem kubanischen Präsidenten Miguel Díaz-Canel 

42:17

Zeitmarken

In diesem Video führt die Redaktion der Zeitung junge Welt ein Interview mit dem Publizisten, Historiker und Philosophen Fabian Scheidler (Autor des Buches „Friedenslogik“). Scheidler analysiert die schwindende ökonomische Hegemonie des Westens und die daraus resultierende globale Militarisierung und Ressourcenkämpfe.

Geopolitik, Peak Oil & Ressourcen

  • Peak Oil und imperiale Kriege: Zwar steht die Erschöpfung der fossilen Ressourcen außer Frage, Scheidler argumentiert jedoch, dass Kriege (wie im Irak) nicht nur wegen des Öls geführt werden, sondern um den Petrodollar (Ölhandel in US-Dollar) zu sichern [02:38].
  • Ressourcenextraktion durch Gewalt: Da die ökonomische Macht des Westens im Vergleich zu den BRICS-Staaten rapide abnimmt, wird die militärische Karte ausgespielt. Aufrüstung dient dazu, weiterhin billige Ressourcen aus dem globalen Süden (z. B. Nordafrika) zu extrahieren [08:47].
  • Treiber im Nahen Osten: Im Falle des Iran sieht Scheidler vor allem Israel als treibende Kraft für einen Regime-Change [03:12]. Da dies durch reine Luftangriffe historisch noch nie geklappt habe, steige für den Iran paradoxerweise der Anreiz, eine Atombombe als einzige wirksame Abschreckung zu bauen [03:48].

Aufrüstung und Abbau des Sozialstaates

  • Finanzierung der Aufrüstung: In Deutschland entsprechen die geforderten 5 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Rüstung etwa 50 % des Bundeshaushalts [05:49].
  • Agenda des „Kriegsstaates“: Scheidler zitiert die Financial Times, wonach Europa seinen Wohlfahrtsstaat zurückschneiden müsse, um einen Militär- und Kriegsstaat aufzubauen [06:11]. Die angebliche „Bedrohung durch Russland“ diene als Vorwand, um den militärisch-industriellen Komplex zu mästen und soziale Kürzungen politisch durchzusetzen [06:45], [07:26].

Kritik an Parteien und Institutionen

  • Bündnis 90/Die Grünen: Scheidler bezeichnet die Grünen seit dem Jugoslawien-Krieg 1999 als durch und durch neokonservative und militaristische Partei [09:45]. Indem sie Diplomatie ablehnen und das Militär unterstützen (den klimaschädlichsten Sektor überhaupt), agieren sie laut ihm systematisch gegen ökologische Ziele und das Völkerrecht [10:17], [11:03].
  • Die Linke: Zwar besitze die Linke ein antimilitaristisches Wahlprogramm, zeige sich aber oft entscheidungsschwach. Scheidler kritisiert Äußerungen aus der Partei, die die völkerrechtswidrige Tötung ausländischer Staatsoberhäupter relativieren [12:12], [12:26]. Er fordert breite gesellschaftliche Bündnisse von Linken, Gewerkschaften und Sozialverbänden gegen den Sozialabbau durch Militarisierung [14:21].

Die Rolle Chinas und der globale Wandel

  • Diplomatischer statt militärischer Fokus: Im Gegensatz zu den USA besitze China eine Jahrtausende alte Tradition, Außenpolitik primär über Handel (z. B. die Neue Seidenstraße) statt über das Militär abzuwickeln. Es versuche daher, militärischen Konfrontationen auszuweichen [39:13], [39:50].
  • Verschiebung der Allianzen: Durch das völkerrechtswidrige Agieren der USA im Nahen Osten verlieren diese das Vertrauen der Golfstaaten. China etabliere sich dort zunehmend als stabilisierende, diplomatische Kraft [36:48], [37:19].
  • Auflösung von Militärbündnissen: Scheidler plädiert langfristig für eine Welt ohne starre Militärblöcke wie die NATO, da diese systemisch Unsicherheit für Staaten außerhalb des Bündnisses erzeugen und das globale Konfliktpotenzial steigern [41:33].

Bedrohung der Meinungsfreiheit & Autoritarismus

  • Extralegale Maßnahmen: Scheidler warnt vor einem schleichenden Autoritarismus in der EU, bei dem Existenzen unliebsamer Personen durch Sanktionen ohne rechtsstaatliche Verfahren vernichtet werden können [15:18].
  • Kriminalisierung von Protest: Er kritisiert die Bestrafung von Jugendlichen, die gegen die Wehrpflicht demonstrieren oder unliebsame politische Plakate tragen [16:48], [17:22]. Meinungsfreiheit müsse auch für Positionen verteidigt werden, die man selbst ablehne [18:01].

2:14:22

Bekannt wurde Tino Eisbrenner mit seiner Band Jessica, später auch als Solokünstler. Vor vierzig Jahren erschien das inzwischen legendäre Album Spieler beim DDR-Label Amiga und verkaufte sich rund 180.000-mal. Nun hat sich die Band wieder zusammengefunden; eine Tournee ist angekündigt, ebenso eine Neuauflage des Albums. Aus diesem Anlass sprachen wir mit dem Künstler über seine Erfolge in der DDR, die schwierige Zeit nach der sogenannten Wende sowie über sein Engagement für Frieden und Völkerverständigung.

1:35:38

50 Jahre nach einem gescheiterten Buchprojekt in der DDR soll es im November 2020 soweit sein: Der Verlag 8. Mai präsentiert das »Kommunistische Manifest« und den 1968 dafür geschaffenen elfteiligen Zyklus der Künstlerin Lea Grundig. Bisher wurden diese Bilder noch nie zusammen gezeigt. Kunsthistoriker Andreas Wessel und Verlagsleiter Andreas Hüllinghorst stellen das Kommunistische Manifest, die Malerin sowie das gescheiterte Buchprojekt und das dann bald vorliegende neue Buch vor.

Das Video zeigt eindrucksvolle Bildbeispiele.

30:04

In diesem Interview spricht die Journalistin Susann Witt-Stahl, Chefredakteurin des Kulturmagazins Melodie & Rhythmus, über die Ereignisse in Leipzig-Connewitz und widerspricht der medialen Darstellung eines »Linke gegen Linke«-Konflikts. Ihrer Einschätzung nach handelt es sich nicht um einen innerlinken Streit, sondern um einen grundlegenden Richtungs- und Definitionskampf – insbesondere um die Frage, wer heute bestimmt, was als »links«, »antifaschistisch« oder »antisemitisch« gilt.

Im Mittelpunkt steht ihre Analyse der sogenannten antideutschen Bewegung, die sie nicht mehr als Teil der linken Tradition betrachtet. Witt-Stahl beschreibt die Entwicklung dieser Strömung seit 1989/90 als ideologische Wende: vom antiimperialistischen Anspruch hin zu einer Orientierung an westlicher Außenpolitik, deutscher Staatsräson und bedingungsloser Israel-Solidarität. Historische Wegmarken seien der Golfkrieg 1991 und der »War on Terror« ab 2001.

Im Kern erkennt sie darin ein genuin antikommunistisches Projekt. Zentrale marxistische Kategorien wie Klassenanalyse, Imperialismustheorie oder materialistische Faschismusanalyse seien schrittweise verdrängt und durch liberale Deutungsmuster ersetzt worden – bis hin zur Gleichsetzung von Kommunismus und Faschismus im Sinne totalitarismustheoretischer Ansätze. Vor diesem Hintergrund versteht Witt-Stahl die aktuellen Auseinandersetzungen nicht als innerlinke Differenz, sondern als Ausdruck eines tieferen ideologischen Bruchs mit antikapitalistischen und antiimperialistischen Positionen in Deutschland.

44:21

Eine Ikone der DDR-Moderne verschwindet: Das Sport- und Erholungszentrum (SEZ) in Berlin-Friedrichshain wird abgerissen. Wir sprachen am 19. Dezember 2025 mit drei VertreterInnen der Bürgerinitiative »SEZ für alle!« über den Abriss, ihren Widerstand dagegen und ihre Vorstellungen für eine zukünftige Weiternutzung des Gebäudes. 

15:23

Das Völkerrecht hat nicht versagt – es wird einfach ignoriert. Die Politik hat sich davon abgekoppelt, deshalb muss die Gesellschaft aktiv werden und es verteidigen. Ohne Druck von unten wird es keine Achtung der Menschenrechte geben. Albanese warnt vor der Aushöhlung grundlegender Freiheiten wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit und zieht Parallelen zur historischen Leugnung von Verbrechen. Die Leugnung des Völkermords in Gaza ist Teil des Verbrechens selbst. Trotz aller Widerstände müssen wir weiter für Gleichberechtigung, ein Ende der Besatzung, der Apartheid und der Straflosigkeit kämpfen – und für eine Weltordnung, die auf gleichen Rechten für alle basiert.


International law has not failed—it is being ignored. Politics has decoupled itself from it, which is why society must activate and defend it. Without pressure from below, there will be no respect for human rights. Albanese warns against the erosion of fundamental freedoms such as freedom of expression and assembly, drawing parallels with the historical denial of crimes. Denial of the genocide in Gaza is part of the crime itself. Despite headwinds, we must continue to fight for equality, an end to occupation, apartheid, and impunity—and for a world order based on equal rights for all.

25:52

Die UN-Sonderberichterstatterin für Meinungsfreiheit, Irene Khan, erklärte auf einer Pressekonferenz zum Abschluss ihres Deutschlandbesuchs, dass der Raum für freie Meinungsäußerung in Deutschland zunehmend unter Druck gerate. Zwar erkenne sie die realen Herausforderungen durch Antisemitismus, Hassrede und gewalttätigen Extremismus an, kritisierte jedoch, dass die Bundesregierung diesen Entwicklungen immer stärker mit sicherheits- und strafrechtsorientierten Maßnahmen begegne. Dazu zählten unter anderem pauschale Verbote bestimmter Slogans, der Einsatz vage definierter Extremismusbegriffe sowie verstärkte Überwachungsmaßnahmen. Nach Khans Einschätzung führen diese Ansätze zu rechtlicher Unsicherheit darüber, was als zulässige oder unzulässige Meinungsäußerung gilt, begünstigen Stigmatisierung und fördern Selbstzensur. Eine solche Überbetonung der Kriminalisierung politischer Rede könne demokratische Debatten verengen, gesellschaftliche Polarisierung verschärfen und das Vertrauen in demokratische Institutionen schwächen.

24:35

Da Panzertoni leider verhindert war, übernahm kurzerhand unser Praktikant und befragte den Publizisten, Autor und YouTuber Fabian Lehr: Wann steht der Russe vor der Tür? Und warum darf Sozialpolitik nicht gegen Aufrüstung ausgespielt werden? Die Antworten brachten ihn offenbar zum Umdenken – nun ist er Antiimperialist.

Im Interview setzt sich Fabian Lehr kritisch mit den verbreiteten Pro-NATO- und Aufrüstungsnarrativen auseinander. Lehr argumentiert: Wer will, dass Arbeiterinnen und Arme in Deutschland gut leben können, darf nicht für einen fiktiven Eroberungskrieg Putins aufrüsten. Notwendig sei statt dessen eine Auseinandersetzung mit der deutschen Reaktion.

28:50

Der Wirtschaftswissenschaftler Jörg Goldberg sprach vor mehreren tausenden Konferenzbesuchern über die »Epochenkrise des westlichen Kapitalismus und die politischen Folgen in der BRD«. Goldberg war Mitarbeiter des Instituts für Marxistische Studien und langjähriger wirtschaftlicher Berater der Regierungen von Benin und Sambia. Seinen Vortrag gruppierte Goldberg um zwei Kernfragen: Erstens, was sind die Ursachen und Folgen der zunehmenden Gewalt in den internationalen Beziehungen? Zweitens, wer sind die Anstifter und Profiteure dieser Politik?

Wir befinden uns, so Goldberg in einer epochalen Krise. Durch die Finanzialisierung des Kapitalismus seien neue Widersprüche und Probleme entstanden, wie die große Krise von 2008/09 demonstriert hat. Es handelte sich dabei um eine Krise des westlichen Kapitalismus, während zahlreiche Länder im globalen Süden eigene Wege gehen. Es habe Ansätze zu einem progressiven Ausweg aus dieser Krise gegeben, etwa durch die Politik von Jeremy Corbyn in Großbritannien, die Partei Podemos in Spanien oder durch Graswurzelbewegungen wie »Blockupy«. Diese Bewegungen seien jedoch vorübergehend gescheitert.

Doch zunehmend werde die westliche Hegemonie von aufsteigenden Volkswirtschaften des globalen Südens, darunter vor allem die Volksrepublik China, in Frage gestellt. Die Staaten des westlichen Kapitalismus in Europa und Nordamerika setzen daher wieder auf Aufrüstung und direkte militärische Konfrontation. Dies führe zu einer wachsenden Gewaltförmigkeit in den internationalen Beziehungen. Wer angesichts dessen noch von einer »regelbasierten Gewaltordnung« schwadroniere, so Goldberg, dem sei eigentlich nicht mehr zu helfen. Das Militärische erhalte im westlichen Kapitalismus das Primat. Auch die BRD wolle ihre europäische Vorherrschaft mit militärischer Stärke sichern und rüste dafür drastisch auf.

In seinem profunden Vortrag ging Goldberg des weiteren auch auf den Sozialstaatsabbau ein, durch den die Herrschenden die Aufrüstung finanzieren.