Kommunisten Kneipe (Medienpräsenz)

1:20:58

Eine Folge über historische Muster, neue Begriffe und die Frage: Wie viele Krisen verträgt ein System, bevor es kippt?
In dieser Folge sprechen wir mit unserem Kneipen-Stammgast Georg Fülberth, über die systemimmanente Krisenhaftigkeit des Kapitalismus und darüber, warum es immer wieder kracht.
Wir unterscheiden zwischen konjunkturellen und systemischen Krisen – von 1873 über 1929 bis zur Finanzkrise 2007 – und analysieren die stets wiederkehrenden Antwortmuster der herrschenden Klasse: Staatsintervention. Doch was passiert eigentlich im politischen Überbau, wenn sich Krisen häufen und vertiefen?
Georg Fülberth beschreibt in einem aktuellen Artikel die gegenwärtige Transformation als eine „Plutokratie mit Massenbasis“ – ein Staat, der immer autoritärer auftritt, die Interessen des großen Kapitals schützt, aber gleichzeitig auf populistische Mobilisierung setzt. Wir diskutieren, durch welche politischen und ideologischen Phänomene sich das zeigt, wie sich das Verhältnis von Kapital und Staat verändert – und was das für die Form bürgerlicher Herrschaft bedeutet.

59:24

Ob Nachrichtensendung, Rap-Video oder Netflix-Serie – überall begegnet uns Kriegsrhetorik und Militärästhetik. Was lange Zeit eher als Ausnahme galt, wird heute wieder zur Normalität gemacht: Panzer in Werbespots, Bundeswehr an Schulen, patriotisches Militär-Pathos auf TikTok. Die Gesellschaft wird schleichend militarisiert – in der Sprache, in der Kultur, in unseren Köpfen.

Was steckt dahinter? Welche Rolle spielen Popkultur, Medien und Algorithmen? Und vor allem: Was können wir dem entgegensetzen? Gemeinsam mit Fabian Lehr und der SDAJ sprechen wir über die Ästhetik des Krieges aber auch über Gegenkultur, politische Organisierung und die Frage, wie wir Räume schaffen, in dem kein staatskonformer Konzern-Algorithmus bestimmt, sondern wir selbst.

Wie kommt es, dass Menschen, die sich vorher nie persönlich getroffen haben und in einer anderen Situation vielleicht sogar gut verstehen würden, sich in einem Krieg auf Befehl ihres Staates gegenseitig auf dem Schlachtfeld umbringen? Sollten Bürger nicht “ihr Land” und “ihre Demokratie” verteidigen, wenn sie von einem anderen autoritären Land angegriffen werden? Ole Nymoen - linker Podcaster von “Wohlstand für Alle” und Autor - hält in seinem neusten erfolgreichen Buch “Warum ich niemals für mein Land kämpfen würde” dagegen:

Im Krieg zwischen kapitalistischen Staaten geht es nie um das Wohl der Bevölkerung oder höhere Werte wie Demokratie, sondern um knallharte staatliche Machtinteressen von einigen wenigen Herrschenden auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung. Die Propaganda des “nationalen Wirs” dient dabei der Verschleierung dieses Gewaltverhältnisses zwischen dem Staat und seiner Bevölkerung sowie dem eigentlichen Zweck des Staates. Wir gehen in dieser Folge diesen und weiteren Lügen der Kriegspropaganda der Herrschenden auf den Grund. Dabei wird es im Laufe des Gesprächs auch kontrovers, wenn es etwa um die Analyse des kapitalistischen Staates und den Ursachen für imperialistische Kriege geht. Wir wünschen euch viel Spaß mit der Folge!

Empfehlung für einen Junge Welt Artikel von Ole Nymoen zu Kriegspropaganda:

Ole Nymoen: gegen-die-kriegstüchtigkeit-nicht-bereit-für-einen-staat-zu-sterben

1:50:42

Welche Rolle spielt kulturelle Hegemonie im Klassenkampf? Und fehlt uns eine schlagkräftige Gegenkultur? Seit 2014 hat das Quartalsmagazin Melodie & Rhythmus seine Leserschaft mit marxistischer Gegenkultur gestärkt, als Antidot gegen die Kulturindustrie. 
Paracelus postulierte, dass die Dosis das Gift mache, und das gilt offenbar nicht nur für Junk-food (Essen ohne Nährwerte) sondern auch für Junk-Kultur (Kulturangebot ohne Bildungswert). Seit der Zwangspause des Magazins für Gegenkultur 2022, sind wir den Angriffen des herrschenden Kulturbetriebs schutzlos ausgeliefert.
In dieser Folge spricht Harro mit Susann Witt-Stahl, Chefredakteurin des Magazins, über die Kulturindustrie in Zeiten der „Zeitenwende“, die Schwächen im linken Feuilleton und die neoliberale Subkultur.

1:36:46

1952: Ein US-Soldat auf der Flucht. Sein Ziel: Die DDR. Es ist der junge Kommunist Victor Grossman, dessen KP-Mitgliedschaft gerade aufgeflogen ist. Ihm drohen viele Jahre Haft. Um dem zu entgehen, wagt er einen spektakulären Sprung in die Donau, um in den sowjetisch besetzten Teil Österreichs zu gelangen und bei der Sowjetarmee um Hilfe zu bitten. Was folgt, ist ein jahrzehntelanges schillerndes Leben in der DDR. Die USA sollte er erst in den 90er Jahren wieder sehen. Wir sind in die Hauptstadt aufgebrochen, um den Mann kennenzulernen, der genau das erlebt hat.

Der Heute 95 jährige Victor Grossman, kann auf ein einzigartiges Leben zurückblicken: Er hat die Weltwirtschaftskrise, die großen Klassenkämpfe der US-amerikanischen Arbeiterbewegung und den zunehmenden Antikommunismus in den USA miterlebt. Auch den Aufbau und das Ende der DDR hat er hautnah erleben können. Nach über einem halben Jahrhundert politischen Kampfes als Kommunist mit all seinen Höhen und Tiefen, Härten und Niederlagen, hat er sein Lächeln und vor allem seine Hoffnung auf eine bessere Welt nie verloren. Wir wünschen euch viel Spaß mit dem Gespräch!