Als saubere Wehrmacht (auch umschrieben als Legende oder Mythos der sauberen Wehrmacht) wird in der jüngeren historischen Forschung ein Narrativ bezeichnet, das in den ersten Jahren der Bundesrepublik Deutschland von ehemaligen Wehrmachtsangehörigen konstruiert wurde. Als Ausgangspunkt dieses Narrativs gilt der letzte Wehrmachtbericht vom 9. Mai 1945, der propagierte, die Wehrmacht sei in „heldenhaftem Kampf einer gewaltigen Übermacht“ „ehrenvoll“ unterlegen. Ihre einmalige Leistung an der Front und für die Heimat würde „in einem späteren Urteil der Geschichte“ die „endgültige Würdigung“ finden.

Für die Verbreitung dieser Legende in der Kriegsgeschichtsschreibung war der ehemalige Generalstabschef Franz Halder maßgeblich. Er erstellte mit anderen Offizieren, deren Erfahrungen als Kriegsgefangene abgeschöpft werden sollten in der kriegsgeschichtlichen Forschungsgruppe der United States Army, der Operational History (German) Section, Studien zur Kriegführung. Diese charakterisierten die Kriegführung der Wehrmacht als anständig und heldenhaft. Halder hatte später auch anderweitig großen Einfluss auf die deutsche zivile Geschichtsschreibung, vor allem über das Netzwerk des Arbeitskreises für Wehrforschung. Mit dem Narrativ wollten führende Beteiligte auch einer möglichen Strafverfolgung entgegenwirken.

Die These von der „sauberen Wehrmacht“, obwohl wissenschaftlich unhaltbar, bot und bietet zum Teil noch heute Millionen Kriegsteilnehmern und deren Angehörigen die Möglichkeit, im opferreichen Kriegseinsatz einen Sinn zu sehen und die Verbrechen der Wehrmacht zu verdrängen. Traditionalistische Verbände, Publikationen und Familienerzählungen transportieren teilweise weiterhin das Bild einer Wehrmacht, die als von der Ideologie des Nationalsozialismus unbeeinflusst und als vom NS-Staat getrennte, unpolitische Einrichtung dargestellt wird. Verbrechen der Wehrmacht werden bestritten oder relativiert, stattdessen ihre militärische Leistung hervorgehoben. 

Wikipedia (DE): Saubere Wehrmacht

1. Auflage 27.05.2026 , Deutsch

Über deutsche Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg wurde lange Zeit der Mantel des Schweigens gelegt und erst in den letzten Jahren erfahren Orte wie Guernica, Babyn Jar und Lidice mehr Aufmerksamkeit. Doch die Hintergründe sind oft kaum bekannt.

Ralph Erbar erläutert zehn Schauplätze in neun europäischen Ländern, an denen zwischen 1937 und 1945 Kriegsverbrechen geschahen. 

ISBN 978-3-17-047238-9 1. Auflage 27.05.2026 24,00 € Portofrei Bestellen (Buch | Softcover)
3. Auflage 21.01.2005 , Deutsch

Eine provokante Untersuchung zum deutschen Seelenfrieden

Zum ersten Mal seit dem Ende der Ausstellung "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944" äußert sich Hannes Heer über Hintergründe der Kampagne gegen die Schau, deren Leiter er war. Sie hatte die Legende von der sauberen Wehrmacht in Frage gestellt, und der Schock war entsprechend groß. Die Versuche, die Ausstellung zu diffamieren, waren nach vier Jahren erfolgreich. Sie wurde zurückgezogen und durch eine neue, völlig entschärfte Version ersetzt. Der Krieg und seine Verbrechen sind darin wieder zum Werk einiger Spezialisten geworden. Sie zeigt Taten ohne Täter. Der Vorgang vom Verschwinden der Täter begann indessen früher.

ISBN 978-3-7466-8135-1 3. Auflage 21.01.2005 22,00 € Portofrei Bestellen (Buch: Taschenbuch)