Vom Verschwinden der Täter
Der Vernichtungskrieg fand statt, aber keiner war dabei

Eine provokante Untersuchung zum deutschen Seelenfrieden

Zum ersten Mal seit dem Ende der Ausstellung "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944" äußert sich Hannes Heer über Hintergründe der Kampagne gegen die Schau, deren Leiter er war. Sie hatte die Legende von der sauberen Wehrmacht in Frage gestellt, und der Schock war entsprechend groß. Die Versuche, die Ausstellung zu diffamieren, waren nach vier Jahren erfolgreich. Sie wurde zurückgezogen und durch eine neue, völlig entschärfte Version ersetzt. Der Krieg und seine Verbrechen sind darin wieder zum Werk einiger Spezialisten geworden. Sie zeigt Taten ohne Täter. Der Vorgang vom Verschwinden der Täter begann indessen früher.

ISBN 978-3-7466-8135-1 3. Auflage 21.01.2005 22,00 € Portofrei Bestellen (Buch: Taschenbuch)

Hannes Heer findet bezeichnende Indizien in Aufzeichnungen und Nachkriegserinnerungen von Soldaten, im Wirken der Zensur bei den Kriegsromanen Bölls und Remarques, in Ernst Jüngers Umdeutung des eigenen Tagebuchs von 1942. Inzwischen sind auch Nazi-Argumente kein Tabu mehr, wenn von Historikern den Juden die Schuld am eigenen Tod gegeben wird, sie von Politikern schlicht zum Tätervolk erklärt werden oder, wie bei Jörg Friedrich in "Der Brand", die Deutschen im Bombenkrieg nichts als Opfer sind.

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Rezensionen

... wurde auf die Bedeutung von Geschichtsrevisionismus für den politischen Kontext von Tagespolitik hingewiesen. Während augenblicklich die Deutschen als Opfer entdeckt werden, konnte die Bundesrepublik unter der Ägide von SPD und Grünen vor fünf Jahren endlich einmal auf der richtigen Seite in Jugoslawien ein neuerliches Auschwitz verhindern, das dort Bundesaußenminister Fischer im Verbund mit Verteidigungsminister Scharping ausgemacht hatten. Trotz ernüchternder Erkenntnisse zeigte sich Heer nicht resigniert. Zur Zeit arbeitet er bereits an einer neuen Ausstellung über die Heeresgruppe Mitte. Von Matthias Reichelt Zukunft braucht Erinnerung 08.04.2021

Die klare Positionierung Heers ist wohltuend im Vergleich zu den immer häufiger zu lesenden und zu hörenden, mehr oder weniger verdeckten Relativierungen der deutschen Verbrechen im Hinblick auf die Kriegsleiden der deutschen Bevölkerung. (...) Das Buch ist (...) ein wichtiger Beitrag zu den aktuellen Diskussionen; es hat sowohl HistorikerInnen als auch anderen interessierten LeserInnen vielfältige Einsichten zu bieten. Es beschränkt sich nicht auf ermüdende Fachdiskurse und verzichtet gleichzeitig auf popularisierende Anwandlungen. [Mit Hinweis auf die andere Sicht der Leiterin des zweiten Ausstellungsprojekts Ulrike Jureit.] Von Dirk Rupnow H  / Soz / Kult 01.06.2004 

Pressestimmen

»"Dem Autor ist es gelungen, die unscheinbaren Verschiebungen des geistigen Klimas in Deutschland in einen Kontext zu stellen, der einen erschauern läßt."« Süddeutsche Zeitung 30.08.2004

»"Heers Buch ist keine Abrechnung mit der zweiten Wehrmachtsausstellung. Es zeigt jedoch im ersten Kapitel, wie diese dem alten Muster der Hierarchisierung der Täter folgt, indem sie an die Stelle der Privataufnahmen der Landser die Hochglanz-Propagandabilder der Generäle setzt. [...]
Das Buch wendet sich allerdings auch dezidiert an ein Nicht-Fachpublikum. Ohne sprachlich und inhaltlich zu simplifizieren, gelingt es dem Autor, durchgängig verständlich zu bleiben."« Rheinischer Merkur 29.07.2004

»Heer ist weder larmoyant noch selbstgerecht; aber präzise. Er verurteilt nicht, im Gegenteil: Er scheint ihm genug, wenn Soldaten über die Verbrechen, die sie erlebt oder verübt hatten, erzählen. Denn darauf kommt es ihm an: Dass die Wahrheit an die jüngeren Generationen weitergegeben wird. Damit die verdrängte Geschichte nicht immer wieder - wie bei der ersten Wehrmachtausstellung - in Schockwellen an die Oberfläche brechen muss.« Deutsche Welle 04.05.2004

»Trotz ernüchternder Erkenntnisse zeigt sich Heer nicht resigniert.« Junge Welt 29.03.2004

»Hannes Heer, der als Leiter der ersten Wehrmachtsausstellung eine historisch-politische Aufklärungsarbeit von bleibender Bedeutung geleistet hat, setzt sich verständlicher Weise noch einmal mit dem publizistischen Trommelfeuer auseinander, das sich gegen sie richtete.« Das Parlament 22.03.2004

»Als Fazit bleibt die Erkenntnis, dass es bestimmten Meinungsführern in Deutschland immer wieder gelungen ist, die Täter aus dem gesellschaftlichen Bewusstsein und aus den Gerichtssälen verschwinden zu lassen... Aber es gibt auch noch die Stimmen der unbeirrten Aufklärer.« DIE ZEIT 26.02.2004

»Insgesamt bietet der Band durch Heers klare und analysierende, vor Polemik nicht zurückschreckender Sprache eine anregende Lektüre, die sicherlich zu weiteren Diskussionen führen wird.« Die Berliner Literaturkritik

»Heer ist in seinem Buch nicht selbstgerecht; aber er ist präzise. Er verurteilt nicht: Es kommt ihm darauf an, dass die Wahrheit an die jüngeren Generationen weitergegeben wird.« Vorwärts

»Hannes Heers aufklärerisches und engagiertes Plädoyer liegt bewusst nicht im Trend des publizistischen Zeitgeistes, der, wie es scheint, derzeit alles versucht, dem Holocaust seine verbrecherische Einzigartigkeit zu nehmen.« Jüdische Allgemeine

Pressenotizen Perlentaucher

Mediathek

Das Ende vom Mythos der "sauberen Wehrmacht" - Hannes Heer über die erste Wehrmachtsausstellung
Stiftung Demokratie Saarland und der Heinrich-Böll-Stiftung Saar (Deutschland), 11.2015 | Heinrich-Böll-Stiftung Saar YouTube (26.12.2015)

Autoreninfos

Hannes Heer, Historiker, Filmregisseur, Ausstellungsmacher. Wissenschaftlicher Gestalter der Wehrmachtsausstellung (»Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944«), die als Wanderausstellung ab Mitte der 1990er Jahre zum ersten Mal die Kriegsverbrechen der regulären deutschen Streitkräfte während des Zweiten Weltkriegs auch für eine breite Öffentlichkeit dokumentierte.

Wikipedia (DE): Hannes Heer

Autoren

Erstellt: 31.05.2026 - 06:31  |  Geändert: 31.05.2026 - 07:24