Heldenplatz
Am 15. März 1938 verkündete Adolf Hitler unter den Jubelrufen der anwesenden Wiener auf dem Heldenplatz den »Anschluß« Österreichs an Deutschland. 50 Jahre später versammeln sich in einer Wohnung in der Nähe des Heldenplatzes die Familie Schuster und deren engste Freunde. Der Anlaß: das Begräbnis von Professor Josef Schuster. Für diesen philosophischen Kopf, von den Nazis verjagt, in den fünfziger Jahren auf Bitten des Wiener Bürgermeisters aus Oxford auf seinen Lehrstuhl zurückgekehrt, gab es keinen anderen Ausweg als den Selbstmord. Denn die Situation im gegenwärtigen Österreich sei »noch viel schlimmer als vor fünfzig Jahren«.
»Wenn man Österreich verstehen will, dann muss man »Heldenplatz« lesen, es sagt einem alles und öffnet einem die Augen.« Reiner Girstl
Wikipedia (DE): Heldenplatz (Drama)
Rezension
‚Heldenplatz‘ von Thomas Bernhard ist ein Theatertext, der zur Zeit seiner Uraufführung 1988 nicht bloß aufgrund seines großen inhärenten Potenzials zu Provokation und zum Tabubruch, sondern u. a. auch durch eine hochwirksame Medienmaschinerie Skandale ausgelöst hat. Damit scheint der Kern der Sache aber noch nicht getroffen – ein Theaterstück, das Politikerinnen und Politiker nahezu jeder Partei aus der Fassung bringt, verweist wohl auf ein viel größeres Drama – da ist offensichtlich einiges faul im Staate … Die im folgenden Aufsatz formulierten Didaktisierungsansätze von ‚Heldenplatz‘ für den Politik- und Geschichteunterricht versuchen Möglichkeiten zur Erschließung des Stücks und seiner Aussage(n), sowie zur Beleuchtung seiner historischen und politischen Hintergründe aufzuzeigen. Dabei wird auf die lange Zeit fehlende Aufarbeitung des Nationalsozialismus in Österreich, auf die Propagierung des „Opfermythos“ auf Rechtsrucktendenzen Identitätskrisen, Vorurteile, Klischees etc. eingegangen. Methodisch steht die Auseinandersetzung mit Zitaten aus dem Stück sowie mit Quellen aus dessen Uraufführungszeit (Leserbriefe, Artikel, Karikaturen, Wahlplakate etc.) im Zentrum. (Auszüge aus einem Kapitel des Buches Politische Bildung im Theater) Von Elisabeth Annau, Hannah Strutzenberger & Joachim Viehböck Springer 27.08.2015

