Philippe Descola (Jahrgang 1949) ist ein französischer Anthropologe und einer der prägenden Vertreter der strukturalistischen und poststrukturalistischen Ethnologie der Gegenwart. Er wurde am 19. Juni 1949 in Paris geboren und studierte an der École normale supérieure, wo er von Claude Lévi-Strauss beeinflusst wurde. In den 1970er-Jahren führte er ethnologische Feldforschungen bei den Achuar im amazonischen Regenwald durch, die zu einem zentralen Bezugspunkt seiner späteren theoretischen Arbeiten wurden. Descola entwickelte eine grundlegende Kritik an der westlichen Trennung von Natur und Kultur und entwarf stattdessen ein vergleichendes Modell unterschiedlicher „Ontologien“, mit denen Gesellschaften ihre Beziehung zur Umwelt strukturieren. In seinem Werk unterscheidet er insbesondere vier grundlegende Weltverhältnisse: Naturalismus, Animismus, Totemismus und Analogismus. Diese Typologie dient als Instrument, um kulturelle Unterschiede in der Wahrnehmung von Menschen, Tieren und Dingen systematisch zu beschreiben.

Descola war langjähriger Professor am Collège de France, wo er den Lehrstuhl für Anthropologie der Natur innehatte, und leitete zudem das Laboratoire d’anthropologie sociale. Seine Arbeiten verbinden ethnografische Detailstudien mit umfassenden theoretischen Entwürfen zur globalen Anthropologie. Zu seinen bekanntesten Veröffentlichungen zählt „Jenseits von Natur und Kultur“, das international rezipiert wurde und als Beitrag zu Debatten über Ökologie, Anthropozän und alternative Wissensformen gilt. Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit tritt Descola regelmäßig in öffentlichen Diskussionen über Umweltfragen und die kulturellen Grundlagen des Verhältnisses zwischen Mensch und Natur auf. Seine Ansätze haben sowohl in der Anthropologie als auch in benachbarten Disziplinen wie Philosophie, Soziologie und Umweltforschung breite Wirkung entfaltet.

Wikipedia (FR): Philippe Descola  |  Wikipedia (DE): Philippe Descola  | Wikipedia (EN): Philippe Descola

Der Stamm der Jívaro-Indianer [1] lebt im Amazonasbecken an der Grenze zwischen Ecuador und Peru. Mit diesem unbekannten Volk macht uns Philippe Descola in seinem ersten großen Werk vertraut, das auf beeindruckende Weise verstehende Beobachtung und brillante Erzählkunst verbindet. Ermuntert und unterstützt von seinem Lehrer Claude Lévi-Strauss, hat Descola sich mit seiner Gefährtin Anne-Christine Taylor auf das Abenteuer einer Reise zu den verstreut im Urwald lebenden Indianern eingelassen.

ISBN 978-3-518-58572-6 32,90 € Portofrei Bestellen
5. Auflage 19.06.2013 , Deutsch

Seit der Zeit der Renaissance ist unser Weltbild von einer zentralen Unterscheidung bestimmt: der zwischen Natur und Kultur. Dort die von Naturgesetzen regierte, unpersönliche Welt der Tiere und Dinge, hier die Menschenwelt mit ihrer individuellen und kulturellen Vielfalt. Diese fundamentale Trennung beherrscht unser ganzes Denken und Handeln. In seinem faszinierenden Buch zeigt der große französische Anthropologe und Schüler von Claude Lévi-Strauss, Philippe Descola, daß diese Kosmologie alles andere als selbstverständlich ist.

ISBN 978-3-518-29676-9 5. Auflage 19.06.2013 30,00 € Portofrei Bestellen (Buch: Taschenbuch)