Jenseits von Natur und Kultur

 978-3-518-29676-9;Descola-Jenseits von Natur und Kultur.jpg - Bild
5. Auflage 19.06.2013 , Deutsch

Seit der Zeit der Renaissance ist unser Weltbild von einer zentralen Unterscheidung bestimmt: der zwischen Natur und Kultur. Dort die von Naturgesetzen regierte, unpersönliche Welt der Tiere und Dinge, hier die Menschenwelt mit ihrer individuellen und kulturellen Vielfalt. Diese fundamentale Trennung beherrscht unser ganzes Denken und Handeln. In seinem faszinierenden Buch zeigt der große französische Anthropologe und Schüler von Claude Lévi-Strauss, Philippe Descola, daß diese Kosmologie alles andere als selbstverständlich ist.

ISBN 978-3-518-29676-9 5. Auflage 19.06.2013 30,00 € Portofrei Bestellen (Buch: Taschenbuch)

Dabei stützt er sich auf reiches Material aus zum Teil eigenen anthropologischen Feldforschungen bei Naturvölkern und indigenen Kulturen in Afrika, Amazonien, Neuguinea oder Sibirien. Descola führt uns vor Augen, daß deren Weltbilder ganz andersartig aufgebaut sind als das unsere mit seinen »zwei Etagen« von Natur und Kultur. So betrachten manche Kulturen Dinge als beseelt oder glauben, daß verwandtschaftliche Beziehungen zwischen Tieren und Menschen bestehen. Descola plädiert für eine monistische Anthropologie und entwirft eine Typologie unterschiedlichster Weltbilder. Auf diesem Wege lassen sich neben dem westlichen dualistischen Naturalismus totemistische, animistische oder analogistische Kosmologien entdecken. Eine fesselnde Reise in fremde Welten, die uns unsere eigene mit anderen Augen sehen läßt.

Mehr Infos

Inhaltsverzeichnis

Leseprobe des Verlags

Das Buch auf Wikipedia (Frankreich)

Anthropologie: Hinter dem Schleier der Natur - Der große französische Anthropologe Philippe Descola kämpft für ein "Jenseits von Natur und Kultur". Die Hamburger Zeitschrift "Mittelweg 36" hat ihm nun ihr jüngstes Heft gewidmet. Von Gregor Dotzauer Tagesspiegel 24.11.2013

Pressestimmen

Aberwitzige Ontologien und bizarre Metaphysiken (...) „Jenseits von Natur und Kultur“ ist der ambitionierte Versuch, die Art, in die der Mensch sich in die Welt eingliedert, anhand bloß zweier Merkmale so zu schematisieren, dass prinzipiell jede Ontologie damit erfasst werden kann. Im Mittelpunkt eines ethnologischen Buches steht natürlich das Verhältnis des Menschen zur Natur, insbesondere zu den Tieren. Der Autor, Philippe Descola, ist Schüler des großen Ethnologen Claude Leví-Strauss und derzeit Inhaber eines Pariser Lehrstuhls für Anthropologie der Natur. Von Stefan Diebitz Literaturkritik 23.04.12/ 11.08.23

Für das Nebeneinander verschiedener Weltbilder - ANTHROPOLOGIE: Der Ethnologe Philippe Descola will mit seinem Buch „Jenseits von Natur und Kultur“ die Reduktion auf binäre Oppositionen überwinden. Von HELMUT HÖGE → taz 12.12.11

Der Stil macht die Welt - Natur ist nicht, was übrig bleibt, wenn man Kultur fortlässt: Philippe Descola hat ein großes Buch über eine alte Unterscheidung geschrieben. Von Helmut Mayer FAZ 23.11.2011

Die Übersetzerin

Eva Moldenhauer, 1934 in Frankfurt am Main geboren, war seit 1964 als Übersetzerin tätig. Sie übersetzte Literatur und wissenschaftliche Schriften französischsprachiger Autoren ins Deutsche, u.a. von Claude Simon, Jorge Semprún, Marcel Mauss, Mircea Eliade, Gilles Deleuze und Lévi-Strauss. Sie wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Helmut-M.-Braem-Übersetzerpreis und dem Paul-Celan-Preis. Eva Moldenhauer verstarb am 22. April 2019.

Die Übersetzerin auf Wikipedia

Nachwort

Michael Kauppert ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für allgemeine und theoretische Soziologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Mediathek

Wer hat die Natur erfunden? | Offene Ideen | ARTE
ARTEde YouTube

Autoreninfos

Philippe Descola (Jahrgang 1949) ist ein französischer Anthropologe und einer der prägenden Vertreter der strukturalistischen und poststrukturalistischen Ethnologie der Gegenwart. Er wurde am 19. Juni 1949 in Paris geboren und studierte an der École normale supérieure, wo er von Claude Lévi-Strauss beeinflusst wurde. In den 1970er-Jahren führte er ethnologische Feldforschungen bei den Achuar im amazonischen Regenwald durch, die zu einem zentralen Bezugspunkt seiner späteren theoretischen Arbeiten wurden. Descola entwickelte eine grundlegende Kritik an der westlichen Trennung von Natur und Kultur und entwarf stattdessen ein vergleichendes Modell unterschiedlicher „Ontologien“, mit denen Gesellschaften ihre Beziehung zur Umwelt strukturieren. In seinem Werk unterscheidet er insbesondere vier grundlegende Weltverhältnisse: Naturalismus, Animismus, Totemismus und Analogismus. Diese Typologie dient als Instrument, um kulturelle Unterschiede in der Wahrnehmung von Menschen, Tieren und Dingen systematisch zu beschreiben.

Descola war langjähriger Professor am Collège de France, wo er den Lehrstuhl für Anthropologie der Natur innehatte, und leitete zudem das Laboratoire d’anthropologie sociale. Seine Arbeiten verbinden ethnografische Detailstudien mit umfassenden theoretischen Entwürfen zur globalen Anthropologie. Zu seinen bekanntesten Veröffentlichungen zählt „Jenseits von Natur und Kultur“, das international rezipiert wurde und als Beitrag zu Debatten über Ökologie, Anthropozän und alternative Wissensformen gilt. Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit tritt Descola regelmäßig in öffentlichen Diskussionen über Umweltfragen und die kulturellen Grundlagen des Verhältnisses zwischen Mensch und Natur auf. Seine Ansätze haben sowohl in der Anthropologie als auch in benachbarten Disziplinen wie Philosophie, Soziologie und Umweltforschung breite Wirkung entfaltet.

Wikipedia (FR): Philippe Descola  |  Wikipedia (DE): Philippe Descola  | Wikipedia (EN): Philippe Descola

Erstellt: 29.03.2024 - 20:54  |  Geändert: 13.04.2026 - 13:19