Otto Köhler erlebte das Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 in einem kleinen Dorf bei Bad Kissingen als sogenannter Pimpf des Deutschen Jungvolks. Nach eigenem Bekunden konnte er zwei weitere Jahre lang nicht glauben, dass Hitler tot und der Krieg verloren war – entsprechend lange brauchte er, um sich mit der amerikanischen Literatur anzufreunden. Vor der Kurt-Tucholsky-Gesellschaft in Hamburg bekannte er ein halbes Jahrhundert später: „...Und hätte ich nicht die Gnade der allzu späten Geburt gehabt, in der Waffen-SS wäre ich auch noch gelandet.“
Nachruf
Ein Kriegsenttüchtiger: Zum Tod des Publizisten Otto Köhler: Was erlebt einer, der 1935 geboren wurde und 2026 gestorben ist, der nach 1945 in Westdeutschland, der BRD und schließlich im wiedererstandenen Großdeutschland als Publizist und Chronist arbeitete? Jede Menge Alt- und Neonazis, Wiederbewaffnung der Wehrmacht und nach 1990 nicht nur neue deutsche Angriffskriege, sondern auch den Anspruch auf Führung in »Europa«. Das sollte für Resignation reichen. Nicht bei Otto Köhler. Von Arnold Schölzel junge Welt 17.03.2026