Prof. Dr. Christian Rieck (Medienpräsenz)

25:43

Politiker haben einen Anreiz, so zu handeln, dass ihre Wähler gerade noch nicht völlig verärgert sind. Und es gibt feine Abstufungen in der Welt der Lügen. Wir steigen hier in die Überlegungen zu rationalem Lügen ein. Wir decken die spieltheoretischen Hintergründe einer Politik auf, die biologische Fakten durch ideologische Konstrukte ersetzt und damit das Fundament unserer Freiheit gefährdet. Erfahren Sie, warum der Widerstand gegen die Dekonstruktion der Familie jetzt zur entscheidenden Zukunftsfrage für uns alle wird.

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[1] Thomson et al. (2017, AJPS), The Fulfillment of Parties' Election Pledges. Freie Version: 
https://www.researchgate.net/publicat...  


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Das Buch zum Thema:

►Die 36 Strategeme der Krise:  
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   Die Logik der Täuschung: Warum Ehrlichkeit politisch (fast) unmöglich geworden ist


Hinter dem offensichtlichen Unmut über „Politikerlügen“ steckt eine knallharte strategische Logik. Hier sind die tieferen spieltheoretischen Mechanismen:

1. Das Ende der Glaubwürdigkeit (Cheap Talk & Signaling) In der Spieltheorie ist Kommunikation nur dann etwas wert, wenn sie „kostspielig“ ist. Wer eine Zusage macht, ohne bei Nichteinhaltung persönliche Konsequenzen (wie einen Rücktritt) zu riskieren, betreibt „Cheap Talk“. Da die Presse als Kontrollinstanz versagt, gehen echte, ehrliche Signale im allgemeinen Rauschen unter. Es entsteht ein Markt für „politische Zitronen“: Da Wähler gute von schlechten Versprechen kaum noch unterscheiden können, sinkt der Anreiz für Politiker, überhaupt noch glaubwürdige Zusagen zu machen.

2. Das Transparenz-Paradoxon Wir leben in einer Zeit maximaler Information, doch genau das führt zu weniger Klarheit. Durch die Dauerbeschallung mit Skandalen und News sinkt das sogenannte Signal-Rausch-Verhältnis. Wenn alles ein „Skandal“ ist, ist am Ende nichts mehr ein Skandal. Das System ist nicht mehr anreizkompatibel für die Wahrheit; es lohnt sich schlicht mehr, die Aufmerksamkeit der Wähler durch Nebenschauplätze zu binden.

3. Der „Denial-of-Service-Angriff“ auf unseren Verstand In der IT-Sicherheit legt ein DoS-Angriff Systeme lahm, indem er sie mit nutzlosen Anfragen flutet. Genau das erleben wir in der politischen Kommunikation: Anstatt unliebsame Wahrheiten zu zensieren, werden sie mit einer Flut an irrelevanten Empörungen überspült. Die begrenzte „Rechenkapazität“ unserer Aufmerksamkeit wird durch dieses Rauschen gebunden, während die eigentlichen strategischen Fehlentscheidungen unbemerkt im Hintergrund ablaufen.

4. Die Falle der Normalisierung Ein großes Problem ist der „Normalisierungs-Bias“. Durch schleichende Prozesse verschieben sich unsere Maßstäbe. Was vor zehn Jahren noch einen sofortigen Rücktritt erzwungen hätte, wird heute als normales Hintergrundrauschen akzeptiert. Wir bewerten jeden Fall in Relation zu einem verschobenen Nullpunkt (Base Rate Fallacy) und verlieren dabei den Blick für die systematische Verschiebung unserer moralischen und logischen Standards.


   Die Lösung liegt nicht darin, auf „bessere“ Politiker zu hoffen, sondern die Spielregeln so zu ändern, dass sich Wahrheit wieder lohnt.

20:24

Falsche Parteiversprechen - Im Internet macht sich immer mehr ein Typ von Werbung breit, die sich völlig vom Produkt abgelöst hat. Dummerweise gelten die gleichen Prinzipien auch für politische Parteien. Wir sprechen hier von selektivem De-Marketing, dem Vorschussbetrug und der Sunk-Cost-Fallacy. Danach wissen Sie, warum die Parteien nach der Wahl das Gegenteil dessen tun, was sie vorher versprochen haben. 

25:35

Das Wehrpflichtgesetz wurde auf subtile Weise geändert, sodass Männer ab 17 Jahren eine Genehmigung der Bundeswehr (vom „Karrierecenter“, sprich Kreiswehrersatzamt) brauchen, um für mehr als 3 Monate ausreisen zu dürfen. Wie kann ein solch weitreichendes Gesetz unbemerkt verabschiedet werden? Was müssen wir tun, damit so etwas nicht wieder vorkommt?

23:37

Das Gegenstück zum öffentlich-rechtlichen Fernsehen in England, die BBC, ist beim bewussten Manipulieren erwischt worden, und zwei Führungskräfte mussten zurücktreten. Dieses Video geht auf die Unternehmenskultur und die Strukturen ein, die zu solchen Manipulationen führen.

Die analysierten BBC-Vorfälle offenbaren ein fundamentales Principal-Agent-Problem in Medienorganisationen, das durch mangelhafte Anreizstrukturen eskaliert. Zwei distinkte Fälle – der Diana-Interview-Skandal (2021, Dyson-Bericht) und die Trump-Reden-Manipulation  – demonstrieren dieselbe pathologische Organisationsdynamic: Die Erosion journalistischer Normen zugunsten kurzfristiger Agenda-Durchsetzung.

Aus spieltheoretischer Perspektive zeigt sich ein klares Versagen des Mechanism Design. Die intendierte Anreizstruktur – Wahrheitsfindung als öffentliches Gut – wurde durch suboptimale Gleichgewichte verdrängt, in denen reputationale Externalitäten nicht internalisiert werden. Die Coase'sche Transaktionskostentheorie erklärt hier die Organisationsbildung, doch die organisationale Rentenzersetzung durch kulturellen Wandel unterminiert diesen Effizienzvorteil.

Die historische Reputation der BBC als "Vertrauensgut" basierte auf ihrer Fähigkeit, während des Zweiten Weltkriegs als kredible Institution gegen Propaganda zu wirken. Der aktuelle Reputationsverlust illustriert die Irreversibilität von Vertrauenskapital bei systematischer Missachtung institutioneller Schutzmechanismen.

Psychologisch manifestiert sich dies durch Bagatellisierungsstrategien und Täter-Opfer-Umkehr – klassische Abwehrmechanismen, die in Principal-Agent-Beziehungen mit unzureichender Monitoring-Infrastruktur gedeihen. Die resultierende kognitive Dissonanz führt zu suboptimalem Krisenmanagement, analog zu corporate governance-Versagen bei VW oder Wirecard.

Die essentielle Erkenntnis: Organisationskultur fungiert als informeller Enforcement-Mechanismus, dessen Zusammenbruch trotz formal intakter Hierarchien zu systematischem Institutionenversagen führt. Die Lösung liegt nicht in zusätzlicher Regulation, sondern im Redesign intrinsischer Anreizstrukturen, die individuelles Rationalverhalten mit kollektiv-optimalen Outcomes in Einklang bringen.
 

 

Der Anwalt Dennis Jlussi macht u.a. Gründungsberatung und berichtet hier aus der Praxis des Bürokratie-Wahns. Von AGB, Widerrufsrecht, Datenschutz, Elektrogesetz, Verpackungsgesetz, CE-Kennzeichnung/Konformitätserkärung, Lieferkettengesetz und vielem mehr. 

Als Shitburger bezeichnet Ulf Poschardt, Herausgeber der "Welt", die Neuspießer, die sich ständig moralisch über andere stellen und immer genau wissen, was andere tun sollten.