Vom Underdog zum Global Player. Deutschlands Rückkehr auf die Weltbühne. Von Werner Ruf

Nach dem zweiten von Deutschland ausgelösten Weltkrieg ermöglichte die Ost-West-Konfrontation der Bundesrepublik eine Remilitarisierung. Um die Ängste der ehemaligen Kriegsgegner im Westen zu zerstreuen, folgte sie der Devise "Immer im Bündnis". Mit EWG/EG/EU wurde das Konzept einer eigenständigen europäischen Verteidigung entwickelt und diese parallel zur NATO vorangetrieben. So kann das vereinigte Deutschland, auch dank seiner wirtschaftlichen Potenz, sein Gewicht in beiden Organisationen ausspielen und auf eine Führungsrolle drängen.

ISBN 978-3-89438-728-0     12,90 €  Portofrei     Bestellen

Angesichts schwindender Hegemonie der USA und wachsender Konfrontation mit Russland und China versucht Deutschland, in der sich herausbildenden multipolaren Welt eine neue Machtposition zu erreichen und durch seine Außenhandelspolitik wie durch Militäreinsätze strategische Positionen zu sichern. Dieses restaurative Meisterwerk schreitet bisher erfolgreich voran. Um den neuen Großmachtanspruch zu unterstreichen, setzt die deutsche Politik auf Aufrüstung, Risiko und militärische Macht statt auf friedliche internationale Kooperation.

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Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkung

Aufstrebende Macht. Exklusivabdruck. Unter dem Deckmantel „gewachsener Verantwortung“ will Deutschland zur führenden Kriegsnation werden. „Von deutschem Boden soll nie wieder Krieg ausgehen“ oder „Nie mehr Krieg, nie mehr Faschismus“. Nach dem Schock der zwei Weltkriege herrschte an bußfertigen, idealistischen Phrasen in Deutschland kein Mangel. Zunächst ließ man die früheren alliierten Siegermächte bomben und hielt sich selbst mit Kriegseinsätzen vornehm zurück. Eine besondere, aus der deutschen Geschichte ableitbare Sensibilität diente hierfür als Begründung. Seit der Beteiligung am Kosovo-Krieg unter Schröder spielen jedoch auch die Militaristen hierzulande wie befreit auf. Kaum mehr ein NATO-Krieg findet ohne deutsche Beteiligung statt. Da man sich nicht gern nachsagen lassen will, dass dafür Rückgratlosigkeit gegenüber der US-amerikanischen Vormacht oder gar eigenen Machtambitionen verantwortlich sind, haben sich deutsche Politiker einen narrativen Tarnanzug gebastelt. Es ginge Deutschland nur darum, endlich seiner gewachsenen Verantwortung in der Welt gerecht zu werden und quasi politisch erwachsen zu werden — durch Töten und Brandschatzen. Der historische Überblick des Autors zeigt: wahre Verantwortung sähe anders aus. → Rubikon 18.06.2020

Der Autor:

Werner Ruf, Prof. Dr. phil., *1937. Promotion in Freiburg. Mehrjährige Forschungsaufenthalte in Nordafrika. Lehrtätigkeiten in den USA und Frankreich. Lehrte von 1982 bis 2003 an der Universität Kassel mit den Schwerpunkten internationale und intergesellschaftliche Beziehungen und Außenpolitik.

 

Erstellt: 12.04.2020 - 07:22  |  Geändert: 19.06.2020 - 05:51

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