Vertraute Fremde
Exil in Prag 1933-1939

Unterschlupf, Treffpunkt, Zwischenstation. Die Bedeutung Prags für deutsche Exilanten. 

Wenn sie in Prag über die Hauptstraße gehe, kreuzten mehr Bekannte ihren Weg als in Berlin, schrieb die emigrierte Ärztin und Sozialdemokratin Käte Frankenthal. Tausende deutsche Exilsuchende hatte es nach 1933 in die tschechoslowakische Hauptstadt verschlagen: Ernst und Karola Bloch, Bertolt Brecht, Wilhelm Cassirer, Oskar Maria Graf, Stefan Heym, Leo Kestenberg, Gabriele Tergit und viele mehr. 

ISBN 978-3-69097-011-2 15.10.2025 28,00 € Portofrei Bestellen (Buch | Hardcover)
ISBN 978-3-69097-045-7 15.07.2026 20,00 € Portofrei Bestellen (Buch | Softcover)

Prag war nicht nur, besonders von Berlin aus, leichter zu erreichen als Paris oder Amsterdam, es war den meisten auch kulturell näher: Man sprach und verstand dort Deutsch. 

Wie schafften es die Flüchtenden über die Grenze? Wie schlugen sie sich ohne Arbeit und Einkommen durch? Welche neuen Verbindungen entstanden im Exil? Und wohin führten sie ihre Wege, als die Tschechoslowakei zerschlagen wurde?

Anhand von vierzig Schicksalen entfaltet Peter Lange ein Panorama des Exils in Prag, das nicht nur der Situation jedes Einzelnen Rechnung trägt, sondern auch Fragen nach Selbstbehauptung, Hilfsbereitschaft und Widerstand in der Fremde ganz neu stellt.

Mit Fluchtgeschichten von Wieland Herzfelde, Alfred Kerr, Rudolf Olden, Kurt Grossmann, Bertolt Brecht, Theodor Lessing, Gabriele Tergit, Hans Sahl, Stefan Heym, Rudolf Olden, Arnold Zweig, Leo Kestenberg, Friedrich-Wilhelm Cassirer, Käte Frankenthal, Tilla Durieux, Max Seydewitz, John Heartfield, Martin Feuchtwanger, Otto Wels und die Exil-SPD, Lisa und Hans Fittko, Willy Haas, Marianne und Hans Golz, Walter Ulbricht, Gerhart Seger, Oskar Kokoschka, Willi Bredel, Kurt Hiller, Hans Natonek, Heinz Jakoby, Max Barth, Philipp Scheidemann, Anna Maria Jokl, Gertrud Rothgiesser, Martin und Hans Finkelgruen, Oskar Maria Graf, Otto Strasser, Rudolf Formis, Peter Weiss, Maria Mann-Kanova, Leonie Mann, Golo Mann, Ernst und Karola Bloch, Walter Dubislav, Friedl Dicker-Brandeis und Peter Forster.

Mehr Infos

Inhaltsverzeichnis und Leseprobe des Verlags

Rezensionen

Das Exil nebenan: Hitler-Gegner wie Gabriele Tergit oder Alfred Kerr emigrierten in die Tschechoslowakei. In „Vertraute Fremde“ begibt sich Peter Lange auf ihre Spur: Der Schriftsteller Karl Wolfskehl floh bis ans andere Ende der Welt, nach Neuseeland. Andere suchten eine neue Zukunft in New York, Buenos Aires oder Tel Aviv. Die Entfernung des Exilorts zu Nazideutschland markierte auch den Grad der Hoffnung auf einen Umschwung zurück zur Demokratie in der Heimat. Anfangs waren weit von der Heimat entfernte Orte eine Ausnahme. Noch glaubten viele der Geflohenen, dass das NS-Regime in kürzester Zeit abgewirtschaftet haben werde. Was lag da also näher als ein vermeintlich vorübergehender Aufenthalt in einem Nachbarland? Von Klaus Hillenbrand taz 22.2.2026 

Prag, der liberale Zufluchtsort: Peter Lange zeichnet in seiner Studie die tschechoslowakische Hauptstadt der frühen dreißiger Jahre als eine vergleichsweise entspannte Möglichkeit des Exils für deutsche NS-Gegner. Von Helmut Böttiger Deutschlandfunk 24.11.2025

Weitere Pressestimmen

»Ein eindrucksvolles und unglaublich faktenreiches Buch.« Christoph Scheffer / hr INFO Kultur

»Dieses Buch gibt einen verdienstvollen Einblick in einen vergessenen Seitenstrang der Literatur- und Kulturgeschichte.« Helmut Böttiger / Deutschlandfunk Kultur

»Die Porträts sind von unterschiedlicher Intensität, aber immer mitreißend und durch politisch-historische Verweise ergänzt.« Alexandra Wach / FAZ

»Peter Lange zeigt an vielen Einzelschicksalen, wie von 1933 bis 1939 aus einem vertrauten Ort auf einmal eine lebensbedrohliche Fremde wurde. Sein sehr lesenswertes Buch ist ein Panorama des Exils in der Tschechoslowakei, in dem es um Selbstbehauptung, Hilfsbereitschaft und Widerstand geht.« Bernd Noack / Nürnberger Nachrichten

»Peter Lange hat mit seinem Buch ein eindrucksvolles und lesenswertes Denkmal gesetzt.« Tino Dallmann / MDR Kultur

»Peter Lange ist ein glänzendes Geschichtsbuch gelungen, das den Leser in ein Prag führt, das den wenigsten Menschen bekannt ist.« Klaus Hillenbrand / taz

»Ein bemerkenswertes Buch.« Mario Keßler / Das Blättchen

»Peter Lange hat die Lebensgeschichten von 40 Exilanten während der Nazi-Zeit portraitiert.« Ulrich Miksch / Sudetendeutsche Zeitung

»Für geschichtlich interessierte wärmstens zu empfehlen!« Inge Hagen / Buchprofile/Medienprofile

»Es sind erschütternde Geschichten, die Peter Lange in seiner Recherche versammelt hat.« Cornelia Frenkel / UNIversalis-Zeitung

Quelle der Pressestimmen: Schöffling (23.07.2026)

Autoreninfos

Peter Lange, geboren 1958 in Göppingen, war ab 2016 sechs Jahre Hörfunkkorrespondent von ARD und Deutschlandradio für Tschechien und die Slowakei mit Sitz in Prag. Wenn er gefragt wurde, wie es ihm dort ergehe, antwortete der ehemalige Chefredakteur von Deutschlandradio Kultur gern mit einem Filmtitel: »Das Beste kommt zum Schluss«. Die Idee, die Geschichten der emigrierten Deutschen in Prag zu erzählen, begleitete Lange von Anfang an, denn mit dem Thema Exil befasst er sich seit über dreißig Jahren. Ein Ergebnis war 2021 sein Buch Prag empfing uns als Verwandte. Die Familie Mann und die Tschechen. Lange gehört zur Jury des Deutsch-tschechischen Journalistenpreises und lehrt an der Karlsuniversität in Prag. Schöffling (23.07.2026)

Wikipedia (DE): Peter Lange

Erstellt: 23.07.2026 - 15:51  |  Geändert: 23.07.2026 - 16:46