Das Prinzip Verzweigung
Über ökologische Planung in Wirtschaft und Gesellschaft
Wie lässt sich der ökologische Zusammenbruch aufhalten, wenn Marktmechanismen systematisch versagen? In »Das Prinzip der Verzweigung« stellen Cédric Durand und Razmig Keucheyan die ökologische Planung ins Zentrum einer realistischen Ausstiegsstrategie aus der Klimakrise.
Ausgehend von der Einsicht, dass Kapitalismus und ökologische Stabilität unvereinbar sind, argumentieren sie für eine bewusste, kollektive Steuerung von Produktion, Konsum, Infrastruktur und Ressourcen. Gegen die Mythen von grünem Wachstum und individueller Verhaltensänderung entwickeln sie die Prinzipien einer demokratischen Planung, die Prioritäten setzt und gesellschaftliche Bedürfnisse politisch bestimmt.
Dabei knüpfen sie an historische Erfahrungen der Wirtschaftsplanung in Krisen- und Kriegszeiten an – und denken sie radikal neu: dezentral, partizipativ und ökologisch. Gegen die Ideologie des freien Marktes formulieren sie die Prinzipien einer planbaren Zukunft, in der gesellschaftliche Bedürfnisse und ökologische Realitäten wieder zur Deckung kommen. Ein präzises, theoretisch fundiertes Buch, das Planung nicht als technokratisches Relikt, sondern als unverzichtbares Instrument ökologischer Transformation neu denkt.
»Die planerische Kalkulation ist die Bedingung ökonomischer Freiheit.« Cédric Durand & Razmig Keucheyan
Inhaltsverzeichnis des Verlags
Inhalt
Einleitung. Mögliche Welten
1. Teil
Markt, Staat und die ökologische Krise
1 — Grüner Kapitalismus, ein Widerspruch in sich
Wirtschaftswachstum als Fressfeind der Natur
Nötig ist ein echter Strukturwandel
Investitionen
Die Anarchie des kapitalistischen Marktes
Der Neo-Industrialismus und seine Grenzen
2 — Wirtschaft ist politisch Kriegswirtschaft
Pandemie
Die Klima-Raum-Zeit
Vergesellschaftung
Das geistige Kapital der lebenden Menschheit
Finanzkonzentration
Die Politik hat das Sagen
Der sozialisierende Staat
2. Teil
Bedarfsbewirtschaftung
3 — Die doppelte Universalität der Bedürfnisse
Eine Spezies im Griff ihrer Bedürfnisse
Die Bedürfnisse des Kapitals
Kein Kapitalismus in Reinform
Happiness Studies
Wunsch oder Bedürfnis?
Infrastruktur der Bedürfnisse
Ein menschenwürdiges Leben
Echte Bedürfnisse
4 — Die Kontrolle wiedererlangen
Kontrollverlust
Zwei Arten der Kommodifizierung
Die Kostennutzenrechnung als Luftschloss
Effizienz oder Effektivität – das ist die Frage!
Das Gebot der Naturalrechnung
Die Grammatik ökonomischer Kalkulation
Das Trilemma der Wirtschaftsrechnung im Sozialismus
Die Grammatik der Naturalrechnung
Der demokratische Kampf ums Fachwissen
Politisches, Technisches und Persönliches
3. Teil
Die ökologische Wirtschaftsrechnung
Zur Methodik institutioneller Utopien
Emanzipatorische Sozialwissenschaften
Ein Kompass
5 — Ökologische Buchführung
Digitales Maßhalten
Künstliche Himmelskörper
Die funktionale Abbildung der planetaren Grenzen
Ein »integrierter Ansatz« für den Profit
We Care About Nature
Entwurf einer makroökonomischen Steuerung
6 — Ökosozialistische Investitionen
Das Modell von Michel Husson
Modellierung einer Ökonomie durch Vergesellschaftung der Investitionen
Das Elend des »de-risking«
Die Aporie einer konservativen Transformation
Geldpolitik und grüner Extraktivismus
Politische Prioritäten verantworten
Investitionen vergesellschaften und Arbeit befreien
Wer investiert in materielles Negativwachstum?
Mit Beschäftigungsgarantie zu sinnvollen Arbeitsplätze
7 — Emanzipierte Nachfrage
Der Teufelskreis individueller Verantwortlichkeit
Jenseits von Produktion und Konsumtion
Schumpeter aufseiten der Nachfrage
C2M integriert Plan und Dynamik
Traffic als Dilemma
Das höchste Stadium der Entfremdung
Die Vergesellschaftung des Onlinehandels
4. Teil
Eine neue politische Ordnung
8 — Ökologischer Föderalismus
Ebenen und Spielräume
Chinesische Lektionen
Dezentraler Autoritarismus
Der politische Horizont im Planungszyklus
Planung und Verwaltung
9 — Die politischen Institutionen der ökologischen Planwirtschaft
Postwachstumskommissionen
Grüne Verfassungen
Der öffentliche Dienst
10 — Erweiterte Demokratie
Föderalismus gegen Kretinismus
Wirtschaftsdemokratie mit Cyberräten?
Kann und muss: Repräsentation
Vollzug der ökologischen Planung
11 — Der Weg zur Mehrheit
Doppelt repräsentiert, doppelt gewichtet
Die Grünwesten
Ökosoziale Kombinationen
Der Staat und der ökologische Richtungswechsel
Fazit
Reibungen
Internationalismus
Danksagung
Literatur