Jeder Atemzug ein Fest
Reportagen aus der Türkei
In der Türkei tobt ein Gesellschaftskampf, der sich auch auf die in Deutschland lebenden Türkeistämmigen auswirkt.
Tiefe Gräben trennen die verschiedenen Gesellschaftsgruppen voneinander: nationalistische Kemalisten, die einstige AKP-Basis der Partei Erdogans, Feministinnen, Kurden, Aleviten, Juden, Griechen, Armenier. Sie alle haben sich ihre eigenen, nebeneinander existierenden Realitäten geschaffen, leben in eigenen Stadtvierteln, schicken ihre Kinder auf unterschiedliche Schulen. Gleichzeitig gibt es Menschen, die diesen Kampf leid sind. Menschen, die ihre pluralistische Gesellschaft zum Strahlen bringen möchten, die das staatliche, von oben diktierte Geschichtsnarrativ ablehnen und an eine auf Solidarität aufbauende Gesellschaftsordnung glauben. Ihnen schenkt dieses Buch Gehör.
Inhaltsverzeichnis und Leseprobe des Verlags
Blick in die Türkei: Der Prozess gegen den abgesetzten Istanbuler Bürgermeister und Präsidentschaftskandidaten Ekrem İmamoğlu wird flankiert von massiven Protesten. Die türkische Gesellschaft ist so pluralistisch wie zerrissen. Ceyda Nurtsch wirft einen Blick hinter die Kulissen. [Podcast 24:53; verfügbar bis 19.03.2027] WDR 19.03.2026
Interview mit der Autorin
So betreffen Konflikte in der Türkei auch die deutsche Gesellschaft: Ceyda Nurtsch ist Islamwissenschaftlerin und Journalistin. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in der Türkei, sowie mit Fragen von Migration, Identität und Zusammenleben in Europa. Sie möchte verständlich berichten und nah dran sein an den Erfahrungen der Menschen. Angesichts der Entwicklungen im Iran, in Syrien sowie in Israel und Gaza, war der Fokus zuletzt weniger auf die Türkei gerichtet. Mit ihren Reportagen aus dem Land beleuchtet Ceyda Nurtsch die weiterhin schwelenden Konflikte in der türkischen Gesellschaft - zwischen der herrschenden AKP von Präsident Erdogan und ihrer einstigen Basis aus nationalistischen Kemalisten und den Kurden, Aleviten, Armeniern und anderen Gruppen im Land, die seit langer Zeit um ihre Anerkennung und Freiheit kämpfen. Die Auseinandersetzungen beeinflussen auch die in Deutschland lebenden Türkeistämmigen und damit auch die deutsche Gesellschaft. [Podcast und Video 39:00; verfügbar bis 20.02.2028] SWR 20.02.2026
Rezensionen
Das Klima in der Türkei ist aggressiv und vergiftet: In Istanbul steht gerade der stärkste Gegner Tayyip Erdoğans vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft behauptet, Ekrem İmamoğlu, der ehemalige Oberbürgermeister von Istanbul, sei der Begründer und Kopf einer kriminellen Vereinigung, mit der er die Stadt finanziell ausgebeutet haben soll. Auch Bestechung, Betrug, Erpressung, Geldwäsche und Spionage wird dem Oppositionspolitiker der CHP vorgeworfen. Das Verfahren zählt über 140 Anklagepunkte, 4600 Verhandlungstage sind angesetzt. Von Karen Krüger FAZ 04.04.2026
Über die türkische Gesellschaft: Die türkische Gesellschaft gilt als tief gespalten. Und das nicht erst, seit Recep Tayyip Erdogan und seine AK-Partei herrschen. Die Ursprünge liegen in der Geschichte der multikulturellen und multiethnischen Republik. Das zeichnet die Journalistin und Islamwissenschaftlerin Ceyda Nurtsch in ihrem neuen Buch anhand von Reportagen und Porträts nach. Von Luise Sammann Deutschlandfunk 23.02.2026