Hrsg. Gerhard Hanloser

Linker Antisemitismus?

»Linker Antisemitismus« lässt sich als Diagnose sowohl in Zeitungen und Zeitschriften der Linken selbst finden, aber auch in politik- wie geschichtswissenschaftlichen Schriften und Verfassungsschutzorganen. Er ist als Phänomen so wenig zu leugnen wie als begriffliches Konstrukt unbefriedigend. Bedroht vom Verdikt des »linken Antisemitismus« ist jeder, der den Kapitalismus »personalisiert«, ihn einer verkürzten Kritik aussetze und zu Verschwörungsdenken neige. Nicht zuletzt wird ein »linker Antisemitismus« in der Boykottkampagne gegen Israel (Boycott, Divestment and Sanctions - BDS) ausgemacht. Demnach würde diese Israelkritik eine versteckte Form des Hasses auf Jüdinnen und Juden darstellen.

ISBN 978-3-85476-691-9 2020 vergriffen Mehr Infos (Buch) → d-nb.info

Aus dem Skandal, dass sich auch in der Linken Antisemiten tummeln, dass im linken und sozialrevolutionären Denken und Handeln der Antisemitismus nicht vollständig ausgeschlossen war und ist, aus diesem Skandal, der die besten Polemiker wie Eike Geisel, den frühen Wolfgang Pohrt, ja vielleicht selbst einen Henryk M. Broder einst auf den Plan rief, ist ein Allgemeinplatz geworden, eine verdinglichte Größe, deren Existenz mehr beschworen und schlicht geglaubt wird als analysiert und begriffen.

Mit Texten von Ilse Bindseil, Gerhard Hanloser, Peter Menne, Markus Mohr, Karl Reitter, Karin Wetterau und Moshe Zuckermann.

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Inhaltsverzeichnis und Leseprobe des Verlags

Gelenkte Sicht. Etliche Filme der DEFA über den Faschismus und die deutsche Vergangenheit widmeten sich auch der jüdischen Erfahrung und Geschichte. Heutige Interpreten haben damit ihre liebe Mühe. Von Gerhard Hanloser→ junge Welt 09.09.2023

Der Herausgeber:

Gerhard Hanloser ist Soziologe, Historiker und Germanist. Er lebt und arbeitet in Berlin als Lehrer und Publizist, seine Schwerpunkte sind die Geschichte der Linken und Antisemitismus.

Mediathek

"Linker Antisemitismus" zur Kritik eines Kampfbegriffs - Buchbesprechung mit Gerhard Hanloser (264)
VIPR - Varna Peace Institute YouTube (30.03.2026)

Autoreninfos

Gerhard Hanloser (Jahrgang 1965) ist ein deutscher Soziologe, Historiker und Germanist. Er studierte Soziologie, Geschichte und Germanistik und promovierte im Bereich der Sozialwissenschaften. Wissenschaftlich arbeitet er insbesondere zur Geschichte und Theorie des Kommunismus, zu Faschismustheorien sowie zur Entwicklung politischer Ideologien im 20. Jahrhundert. Ein Schwerpunkt seiner Forschung liegt auf der Analyse des Antikommunismus und dessen Rolle in politischen und gesellschaftlichen Diskursen.

Er veröffentlichte mehrere Monografien und Sammelbände, darunter Arbeiten zur Geschichte der KPD, zur kommunistischen Bewegung in Deutschland sowie zur Kritik antikommunistischer Ideologie. Zu seinen bekannten Publikationen zählen unter anderem Studien zu Georg Lukács, zur Theoriegeschichte des Marxismus sowie zur politischen Kultur der Bundesrepublik im Kontext des Kalten Krieges. Darüber hinaus edierte er Werke und veröffentlichte Beiträge in wissenschaftlichen Sammelbänden und politischen Fachzeitschriften. Seine Arbeiten sind durch eine quellengestützte historische Analyse geprägt und bewegen sich im Schnittfeld von Ideengeschichte, Sozialgeschichte und politischer Theorie.

Wikipedia (DE): Gerhard Hanloser  |  Website: Gerhard Hanloser

Erstellt: 27.01.2022 - 09:04  |  Geändert: 25.04.2026 - 09:06