Philosophieren im Exil
Logischer Empirismus und Kritische Theorie 1933-1945
Was passiert mit dem philosophischen Denken, wenn es aus seinem Entstehungskontext entfernt wird und seine Sprache verliert?
Die Studie untersucht das Exil der deutschsprachigen Philosophie nach 1933 als Zäsur für das philosophische Denken. Im Zentrum steht das spannungsreiche Verhältnis zwischen Logischem Empirismus und Kritischer Theorie, an dem diese Frage prägnant verhandelt wird. Analysiert wird, wie die Exilanten mit dem Sprachwechsel umgingen, theoretisch auf den Faschismus reagierten und mit der US-amerikanischen Philosophie interagierten. Der erzwungene Ortswechsel zerstörte zwar akademische Strukturen, eröffnete zugleich aber neue intellektuelle Räume.
Unterschiede im Sprachgebrauch und in der kulturellen und akademischen Anpassung verdeutlichen Divergenzen im Selbstverständnis beider Denkrichtungen. Damit wird exemplarisch deutlich, dass die Exilphilosophie als eigenständiges Kapitel der Philosophiegeschichte des 20. Jahrhunderts zu verstehen ist.
Ausgezeichnet mit dem «Claus-Dieter Krohn Preis für Exilforschung» (2026)
Digitale Datenbank Exilphilosophie 1933–1945
Aus dem Inhalt
Kapitel 1
Am Vorabend der Emigration. Logischer Empirismus und Kritische Theorie vor 1933 ............................................................ 19
1.1 Die Entstehung von Logischem Empirismus und Kritischer Theorie ........................................................................ 20
1.2 Sozialforschung, EinheitsWissenschaft und Naturphilosophie ......... 25
1.3 Gemeinsamkeiten von Logischem Empirismus und Kritischer Theorie .............................................................. 32
1.4 Fazit: Der theoretische Kernbestand vor der Emigration ................ 50
Kapitel 2
Abschied in die «New World». Die Vertreibung von Logischem Empirismus und Kritischer Theorie ............................... 53
2.1 Philosophie vor dem Hintergrund von Nationalsozialismus und Austrofaschismus.......................................................................... 54
2.2 «Gründe» für die Verfolgung .............................................................. 56
2.3 Die Emigration nach 1933/34 .............................................................. 58
2.4 Die weiteren Emigrationswege .:........................................................ 65
2.5 Vorübergehende oder dauerhafte Emigration.................................... 71
2.6 Fazit: Der erzwungene Weggang aus Deutschland und Österreich ............................................................................ 73
Kapitel 3
Thinking in another language. Die Affinität
von Philosophie zu bestimmten Sprachen ......................................... 75
3.1 Biografische Berührungspunkte und Einschätzungen der neuen Sprachen .................................................................... 77
3.2 Forderungen an eine adäquate philosophische Sprache.................... 90
3.3 Streitfall internationale Einheitssprache ............................................ 105
3.4 Fazit: Das Verhältnis zu den Sprachen der Exilländer ...................... 109
Kapitel 4
(Klein sicheres Leben. Die gesellschaftskritische Sicht auf Deutschland, Österreich und die Exilländer ............................... 113
4.1 Reflexionen auf den Faschismus im Logischen Empirismus .............. 115
4.2 Reflexionen auf den Faschismus in der Kritischen Theorie................ 142
4.3 Adorno, Horkheimer und Reichenbach diskutieren Brave New World........................................................................ 164
4.4 Fazit: Die Reflexion auf den Faschismus und das Gesellschaftssystem der Exilländer ................................... 183
Kapitel 5
Bilder und Zerrbilder der amerikanischen Philosophie. Auseinandersetzungen mit dem Pragmatismus ............................... 187
5.1 Ein kurzer Abriss der Geschichte des Pragmatismus ........................ 188
5.2 Unmittelbare Konfrontation: Reichenbach über John Deweys «this-world philosophy» .................................... 191
5.3 Latente Auseinandersetzung: Adorno über
«den einen und wahrhaft freien John Dewey» ....................... 203
5.4 Fazit: Die Konfrontation mit der Philosophie im Exil ...................... 217
Schluss
Logischer Empirismus, Kritische Theorie und die Rolle der Exilerfahrung ............................................................ 221