Hass. Von Jeannette Fischer

Jeannette Fischer untersucht die Antriebe, die zu Hass und zu hasserfüllten Handlungen führen. Hass gegen andere beginnt als Selbsthass. Dieser wiederum hat seine Ursache in Schuldgefühlen, die bereits in der Kindheit in uns ausgelöst wurden. Um unseren Selbsthass loszuwerden, projizieren wir ihn auf Sündenböcke. Dann trägt der Sündenbock die Schuld und kann dafür auch bestraft werden. Das Opfer/Täter- und Schuld/Unschuld-Narrativ ist ein dominantes Muster in unseren Handlungen und Diskursen; wir sind dessen Gefangene.

ISBN 978-3-465-04542-7     22,00 €  Portofrei     Bestellen

Und es zeigt sich nicht nur auf der persönlichen Ebene, sondern auch im gesellschaftlichen und politischen Zusammenspiel. Wir können Hass nicht beseitigen, indem wir ihn verurteilen, verabscheuen, ja gar hassen. Veränderung ist erst möglich, wenn wir den Teufelskreis verlassen und das ausleuchten, was zu seiner Entstehung führt.

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Leseprobe des Verlags

Das zweischneidige Schwert. Buchauszug. Aggression hilft, sich für die eigenen Bedürfnisse einzusetzen — destruktiv wird sie erst, wenn sie andere zu zerstören sucht. „Sei doch nicht so aggressiv!“ Kaum eine menschliche Regung steht in so schlechtem Ansehen wie Aggressivität. Man stellt sich dabei einen schnaubenden Wüterich vor oder — schlimmer — einen Gewalttäter. Zunächst heißt Aggression lediglich, dass wir an etwas „herangehen“, etwas in Angriff nehmen. Somit dient sie der gesunden Selbstbehauptung und hilft, die eigenen Interessen gegenüber anderen entschlossen und manchmal vehement zu vertreten. So gesehen könnte man sagen: keine Angst vor Aggressionen! Die meisten Menschen unterdrücken derartige Regungen eher zu stark — aus Angst, sich unbeliebt zu machen. Dennoch gibt es natürlich auch die andere, die dunkle Seite der Aggression. Sie dient dazu, zu zerstören und zu unterdrücken. Destruktive Aggression zielt darauf ab, die konstruktive Aggression anderer Menschen durch Gewalt und Manipulation zu hemmen und so das Machtgleichgewicht zu seinen eigenen Gunsten zu verschieben. Sie kommt deshalb besonders oft im politischen Bereich zum Einsatz. → Rubikon 18.05.2021

Die Autorin:

Jeannette Fischer, geboren 1954, praktizierte 30 Jahre lang als Freudsche Psychoanalytikerin in Zürich. Sie beschäftigt sich intensiv mit Fragen von Gewalt, Macht und Ohnmacht, kuratierte dazu auch Ausstellungen und drehte zwei Dokumentarfilme.

 

Erstellt: 28.05.2021 - 10:45  |  Geändert: 28.05.2021 - 10:45