Besitzt der Konflikt mit Russland auch eine kulturelle Dimension? Könnte die Krise des Westens eine neue Chance für den Humanismus sein? Was ist die Logik des neuen Kalten Krieges? Und warum ist Deutschland für die Erhaltung des Weltfriedens so wichtig? Der promovierte Philosoph Hauke Ritz fragt in dieser Essaysammlung nach den Hintergründen des Konflikts zwischen der westlichen Welt und Russland.
Kulturelle Enteignung – Hauke Ritz
auf YouTube (14.06.2026) 1:23:00
Sabine Kebir spricht mit Hauke Ritz über sein Buch ´Warum der #Weltfrieden von Deutschland abhängt`. Nicht nur der Hass auf Migranten, sondern auch der um sich greifende Hass auf Russland, China und den Iran beschwören Kriegsbereitschaft herauf. Dass es acht Jahrzehnte nach dem 2. Weltkrieg soweit kommen konnte, hängt mit dem zurückgedrängten Wertesystems der europäischen Aufklärung zusammen, die den Freiheitsbegriff sowohl an die juristische Gleichheit als auch die Brüderlichkeit der Menschen band. Damit war auch die Perspektive des Völkerfriedens gemeint. Ritz zeigt, dass das Zurückdrängen der Aufklärung, deren Erbe auch die Arbeiterbewegung war, zunächst auf einer vom #CIA finanziell stark unterstützten kulturellen Offensive basierte, dem ´Kongress für kulturelle Freiheit`, der das Engagement der europäischen Intellektuellen fort vom Gemeinwohl und hin zu den Werten der individuellen Freiheit, d. h. des #Liberalismus führen sollte. Dieser Initiative entsprang dann auch eine „Neue Linke“, die berechtigte Gruppeninteressen wie die der Frauen, der LGBT, der Migranten jeweils isoliert hervorhebt, ohne auf ihre gemeinsamen Interessen als Lohnabhängige zu fokussieren. Diese Spaltungen sollten den #Klassenkampf limitieren.
Diskutiert wird auch die durch #Horkheimer und #Adorno ausgearbeitete ambivalente Funktion der historischen Aufklärung sowie über ihre Analyse der Kulturindustrie, der sie ähnlich autoritäres Potential zusprachen wie dem Faschismus.
Ritz legt dar, dass nur die Länder dem alten und dem neuen #Kolonialismus widerstehen konnten, die sich das Bewusstsein ihrer eigenen langen kulturellen Tradition bewahrt haben, z. B. China, Russland, Iran und sogar Äthiopien. Auch auf die Gefahr hin, als altmodisch und konservativ zu gelten, muss ein linker Aufbruch der ArbeiterInnenbewegung in Deutschland, die
Entkulturalisierung überwinden, indem sie wieder an das humanistische kulturelle Erbe der Zwischenkriegszeit, aber auch früherer Epochen anknüpft. Nur so kann sie Widerstand gegen die völkischen Kulturangebote der extremen Rechten leisten.
Und das gilt für auch für die anderen europäischen Länder.