Pepe Escobar: Vernetzungskriege – Amerikas Kampf gegen die Multipolarität
auf YouTube (25.04.2026) 50:05
Das Video ist ein tiefgehende Gespräch zwischen Glenn Diesen und dem investigativen Journalisten Pepe Escobar über die geopolitische Bedeutung von Handelskorridoren und den Widerstand der USA gegen eine multipolare Weltordnung.
Zeitmarken
1. Der „Krieg der Verbindungskorridore“ (Connectivity Wars)
Escobar erklärt, dass das 21. Jahrhundert durch den Wettbewerb um physische und digitale Handelswege geprägt wird. Er unterscheidet dabei zwischen real existierenden Projekten und „Luftschlössern“ [01:36]:
- International North-South Transport Corridor (INSTC): Eine zentrale Verbindung von Russland über den Iran nach Indien. Dieses Projekt ist weit fortgeschritten und dient dazu, westliche Sanktionen und das Swift-System zu umgehen [02:08].
- Neue Seidenstraße (Belt and Road Initiative): Chinas globales Infrastrukturprojekt, das Eurasien enger vernetzen soll.
- Nördliche Seeroute (Arktis): Ein Projekt Russlands, das von China als „arktische Seidenstraße“ bezeichnet wird und den Seeweg nach Europa massiv verkürzen könnte [10:22].
- Indien-Nahost-Europa-Korridor (IMEC): Escobar betrachtet dieses von den USA unterstützte Projekt (Haifa als Drehkreuz) als derzeit „tot“ oder lediglich ein Wunschtraum, insbesondere angesichts der aktuellen Konflikte [03:51].
2. Geopolitische Strategien: Seemacht vs. Landmacht
- Teile und Herrsche: Diesen und Escobar analysieren die Strategie der USA als klassische Seemacht-Politik. Ziel sei es, die physische Vernetzung der eurasischen Landmächte (Russland, China, Iran, Deutschland) zu verhindern oder zu unterbrechen [05:52].
- Blockaden als Waffe: Die USA versuchen laut der Analyse, den Zugang Russlands zum Schwarzen Meer, der Ostsee und der Arktis zu beschränken sowie China an der Straße von Malakka abzusperren [21:02].
3. Der Krieg gegen die Multipolarität
- Angriffe auf Infrastruktur: Escobar berichtet von US-Angriffen auf iranische Eisenbahnlinien, die Teil der chinesischen Seidenstraße sind, als direkten Versuch, die eurasische Integration zu sabotieren [11:40].
- Widerstand gegen BRICS: Der Konflikt wird als umfassender Krieg gegen die BRICS-Staaten und deren Bestrebungen zur De-Dollarisierung gewertet [15:07].
4. Strategische Engpässe und Risiken
- Straße von Malakka & Hormus: China hat sich seit 20 Jahren auf eine mögliche Blockade der Straße von Malakka vorbereitet (Diversifizierung der Energiequellen). Hormus wird nun als das „neue Malakka“ gesehen, da Blockaden dort die Weltwirtschaft unmittelbar treffen würden [17:13].
- Die Rolle der Emirate: Escobar bezeichnet die VAE (insbesondere Abu Dhabi) als riskanten Akteur, der sich durch die Allianz mit den USA und Israel gegen den Iran positioniert hat, was im Falle einer Eskalation zu massiven Vergeltungsschlägen führen könnte [44:22].
5. Zukunft der Arktis und die Rolle Indiens
- Russlands Autonomie: Russland nutzt die arktische Route, um seine strategische Autonomie gegenüber China zu wahren, indem es auch Indien und Südkorea einlädt, sich an dem Projekt zu beteiligen [32:47].
- Europas Selbstmord: Diesen kritisiert, dass Europa durch die Abkehr von billigem russischem Gas seine eigene industrielle Basis zerstört und das Potenzial der arktischen Zusammenarbeit dauerhaft an asiatische Mächte verloren hat [39:04].
Escobar schließt mit der Einschätzung, dass die USA zwar versuchen, durch Einschüchterung und Blockaden ihre Vormachtstellung zu sichern, die strategische Niederlage in Form einer unaufhaltsamen eurasischen Integration jedoch bereits sichtbar sei.