Hellbecks Buch ist ein Meilenstein der Gegenwartshistoriografie und ein radikaler Einschnitt in die deutsche Erinnerungskultur.
Es rekonstruiert den deutschen Vernichtungskrieg im Osten anhand von Tagebüchern, Briefen, Protokollen und der frühen sowjetischen Dokumentation – und öffnet ein Fenster in eine historische Realität, die in Westeuropa weitgehend verdrängt wurde.
Im Zentrum steht die These:
Der Kern des nationalsozialistischen Projekts war nicht primär der Antisemitismus – sondern der Antibolschewismus.
Der Antisemitismus diente als ideologisches Vehikel, um die Arbeiterklasse von einem sozialistischen Projekt abzubringen und einen „Kreuzzug gegen den Bolschewismus“ zu legitimieren.
Hellbeck zeigt damit eine erschütternde Revision der gängigen Geschichtsschreibung – und macht sichtbar, wie sehr die westliche Erinnerungskultur die Opfer und Rolle der Sowjetunion marginalisiert hat.
🔍 Themen dieser Folge:
– Der Vernichtungskrieg als ideologische Finalschlacht: Faschismus vs. Sozialismus
– Warum der Antisemitismus als „Köder“ eingesetzt wurde
– Die Sowjetunion als Träger universeller Ideen: Aufklärung, Humanismus, Universalismus
– Die Rolle der Roten Armee: Befreiungskampf statt ethnische Mobilisierung
– Wie das NS-Regime Straffreiheit, Hunger und Massenexekution als Kriegsinstrumente einsetzte
– Partisaninnen und Partisanen: Widerstand, Würde, Dokumentation
– Ilja Ehrenburgs Tagebücher und die sowjetische Kriegschronik
– Die Genickschussanlagen, Gaswagen und die Vernichtungspolitik im Detail
– Westukraine und Kollaboration: historische Linien, die bis heute wirken
– Erinnerungskultur in Deutschland, den USA und Osteuropa – und ihre Blindstellen
– Warum die Gleichsetzung von Faschismus und Sozialismus („Totalitarismus-Theorie“) historisch verkürzt ist
– Was diese Revision für das heutige Europa bedeutet – politisch, moralisch und geopolitisch