Konrad Wolf: Kriegstagebuch und Briefe 1942-1945
Konrad Wolf war neunzehn, als er mit der Roten Armee Berlin erreichte. Er hatte 1933, als Achtjähriger, mit seiner Familie vor den Nazis aus Deutschland fliehen müssen. Als sowjetischer Staatsbürger wurde er im Dezember 1942 zum Kriegsdienst eingezogen. Mit der 47. Armee marschierte Wolf vom Kaukasus durch die Ukraine und Polen, über die Weichsel und die Oder.
In seinem Tagebuch notiert er all die Grausamkeiten, die er erlebt.
Wolfgang Kohlhaase, sein späterer Freund, schreibt im Vorwort: »Wo schläft man, was isst man, wo kann man sich waschen? Nach Monaten noch stecken seine kalten oder nassen oder wundgelaufenen Füße in den Resten der Schuhe, mit denen er aus Moskau gekommen ist.«
Die Tagebucheinträge: Zeugnisse vom Überlebenskampf eines Teenagers, bewegend der Kontrast zwischen der Unbekümmertheit des jungen Schreibers und der Wahrhaftigkeit des Erlebten auf den Schlachtfeldern. Ein exklusives, ungewöhnliches Dokument der Zeitgeschichte und Teil der Lebensgeschichte eines bedeutenden deutschen Künstlers.
Wikipedia (DE): Ich war neunzehn [Der DEFA-Film von Konrad Wolf, der auf seinen Erlebnissen basiert.]
Rezensionen
Mehr als zwei Jahre klüger: Auch eine Bildungsgeschichte: Konrad Wolfs »Kriegstagebuch und Briefe 1942–1945«: Hätte jemand dieses Tagebuch aus dem Zweiten Weltkrieg auch gedruckt, wäre nicht Konrad Wolf, der später in der DDR als Regisseur wichtige Filme drehte, der Verfasser? Wahrscheinlich nicht, aber das wäre schade gewesen. Anfang des Jahres sind in der Edition Ost seine simpel betitelten »Kriegstagebuch und Briefe 1942–1945« in einer neuen, erweiterten Edition erschienen, erstmals publiziert worden waren sie 2015. Von Kai Köhler junge Welt 26.06.2026
Mehr als nur ein Tagebuch: Die Notizen des DEFA-Regisseurs Konrad Wolf in „Kriegstagebuch und Briefe 1942-1945“ illustrieren die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs: Er ist eine schillernde Figur der DDR-Kunst und -Kulturpolitik: Konrad Wolf, DEFA-Regisseur, von 1965 bis zu seinem Tod im Jahr 1982 Präsident der Akademie der Künste, Sohn des Schriftstellers Friedrich und Bruder des DDR-Geheimdienstchefs Markus Wolf. Zu seinem 100. Geburtstag im Jahr 2025 liefen nicht nur zahlreiche seiner außergewöhnlichen Filme im Fernsehen und in Filmreihen in den einschlägigen Kinos. Auch sein Kriegstagebuch Aber ich sah ja selbst, das war der Krieg! der letzten drei Jahre des 2. Weltkriegs wurde – mit neuen Materialien – wieder zugänglich. Das von Paul Werner Wagner edierte und knapp eingeführte Buch enthält die originalen Tagebücher (1942-1945) und Briefe von Konrad Wolf, die er in der Roten Armee führte. Von Michael Grisko literaturkritik.de 13.02.2026