Die Frau meines Vaters
Erinnerungen an Ulrike Meinhof
›Kind sein heißt allein sein, schuld sein, essen müssen, schlafen müssen, brav sein müssen. Kind sein heißt, sich nicht wehren zu können.‹ So erlebt Anja Röhl ihre Jugend in den 1950er und 60er Jahren. Im Arbeiterviertel Hamburg-Barmbek herrscht die Dumpfheit der Nachkriegszeit. Die Mutter, als geschiedene Alleinerziehende geächtet, ist erst spätabends zu Hause; der Vater, übergriffig und manipulierend, aber von der linken Schickeria hofiert, kommt nur unzuverlässig; die Altnazi-Großeltern bieten bei kurzen Besuchen noch die meiste Wärme. Doch als sie fünf Jahre alt ist, stellt ihr ihr Vater, der Konkret-Verleger Klaus Rainer Röhl, seine neue Freundin vor: Ulrike Meinhof.
Für das Kind ist sie die einzige Erwachsene, die es wirklich versteht, die für es gegen den Vater Partei ergreift, bei der es keine Angst haben muss vor Strafe und bei der es sich zugehörig fühlt.
Die Dankbarkeit für diese Erfahrung prägt auch die Beziehung zu Ulrike Meinhof nach deren Trennung von Mann und Kindern. Anja Röhl bleibt ihr verbunden, besucht sie im Gefängnis, schreibt ihr Briefe, allen Anfeindungen zum Trotz und obwohl sie Ulrikes politische Positionen nicht teilt. Ein Dokument der Zeit- und Mentalitätsgeschichte der frühen Bundesrepublik, aus der Perspektive eines Mädchens erzählt.
»Ein beklemmendes Bild der geistigen Enge der frühen Bundesrepublik.«
Neues Deutschland
»Eine herausfordernde, oft geradezu körperlich schmerzhafte Lektüre.«
Frank Kaspar, WDR Gutenbergs Welt
»… ein leiser, zurückhaltender Text.“
Jörg Magenau, Deutschlandradio Kultur
Über das Glück im Unglück. So kann dieses Buch Verständnis wecken für eine Perspektive auf Menschen, die wir nicht akzeptieren können, die vermeintlich als Verbrecher in unserem kollektiven Gedächtnis leben. Es zeigt Aspekte und die Empathie einer Ulrike Meinhof, die so nicht in das Bild der Frau von den Fahndungsphotos passen will. Von Thomas Neumann literaturkritik.de 21.11.2016
Empfindsame Kindheitsgeschichte. Die Autorin Anja Röhl erzählt in „Die Frau meines Vaters“ ihre komplizierte Kindheitsgeschichte in der bedrückenden Enge der frühen Bundesrepublik: mit der Stiefmutter Ulrike Meinhof als fürsorglicher Freundin und „konkret“-Gründer Klaus Rainer Röhl als zudringlichem Vater. Von Jörg Magenau Deutschlandfunk Kultur 28.02.2013
Autoreninfos
Erstellt: 02.03.2013 - 21:10 | Geändert: 17.12.2025 - 16:33
