Manfred Messerschmidt
Historiker, Aufklärer, Vorbild

Anfeindungen haben ihn stets begleitet, doch seinem Weg ist er stets treu geblieben: Manfred Messerschmidt, Nestor kritischer Militärgeschichte, der ungeachtet seiner Bescheidenheit mehr erreicht hat als alle seine Gegner zusammen. Mehr noch. Er hat seinem Land Gutes getan, indem er es mit schmerzhaften Wahrheiten konfrontierte, die vielen, denkt man etwa an „Vogelschiss“-Gauland, selbst heute noch nicht gefallen.

Anlässlich seines 100. Geburtstages erinnert nun ein Buch des Bremer Donat Verlages an das Lebenswerk Messerschmidts. Es enthält wichtige Arbeiten von ihm, die nichts von ihrer Gültigkeit verloren haben und ihn als klaren Denker charakterisieren, der wie George Orwell die Freiheit als das Recht begriff, „anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen.“

ISBN 978-3-949116-35-3 1. Auflage 28.08.2026 29,80 Portofrei Bestellen (Buch | Hardcover)

Noch Ende der 1960er Jahre war die Legende von der „sauberen Wehrmacht“, die während des Zweiten Weltkriegs unbefleckt durch die Zeiten marschiert sein sollte, weit verbreitet. Das änderte sich im Gefolge der Ernennung Messerschmidts durch Verteidigungsminister Helmut Schmidt 1970 zum „Leitender Direktor“ des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes (MGFA) in Freiburg i. Br. Kaum im Amt, das er bis zu seiner Frühpensionierung 1988 innehatte, konzipierte er das zehnbändige Forschungsprojekt „Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg“. Mit ihm stellte er die vordem übliche militärimmanente Sichtweise vom Kopf auf die Füße. In Verbindung mit jüngeren Historikern im MGFA erwarb er sich herausragende Verdienste um die Entwicklung einer kritischen Militärgeschichtsschreibung. Allgemeingut geworden sind seine Erkenntnisse: Die Wehrmacht war der „stählernde Garant des NS-Systems“ und der von ihr geführte, verbrecherische Krieg, der den Holocaust erst ermöglichte, muss als „kriminelles Ereignis“ bewertet werden. Gleiches gilt für sein vernichtendes Urteil über die mörderische Militärjustiz der NS-Zeit mit ihrer überbordenden Todesstrafenpraxis. „Alles, was er als Historiker und Jurist schrieb, hatte Bestand, weil es auf Primärquellen beruhte und damit ‚wasserdicht‘ belegt war. Seine Kritiker mochten ihn verleumden, widerlegen konnten sie ihn damals und bis heute nicht“ – so Wolfram Wette, einer der engen Mitarbeiter Messerschmidts im MGFA, in seinem umfassenden und einfühlsamen Porträt, das ihn als „große Ausnahmeerscheinung“ und für die Demokratie in der BRD als einen „Glücksfall“ würdigt.

Messerschmidts weit gespanntem geschichtspolitischem Engagement für die Rehabilitierung der Opfer der Militärjustiz, seinem Auftreten als Redner und Gutachter im Rahmen der „Wehrmachtsausstellung“ und seiner Bedeutung als Historiker ist der dritte Teil des Bandes gewidmet. Fast 30 AutorInnen aus Politik, Wissenschaft und Geistesleben legen dar, in welchem Maße sie von seinem Wirken in ihrer Haltung bis heute beeinflusst sind. Sie begreifen ihn als einen Historiker und Menschen, der Zeitgeschichte geschrieben hat.

Fast 30 AutorInnen aus Politik, Wissenschaft und Geistesleben legen dar, in welchem Maße sie von seinem Wirken in ihrer Haltung bis heute beeinflusst worden sind. Sie begreifen ihn als einen Historiker und Menschen, der Zeitgeschichte geschrieben hat.

Mit Beiträgen von Detlef Bald, Ulrich Baumann, Eva Brücker, Wolfgang Benz, Hans-Ernst Böttcher, Kurt Buck, Herta Däubler-Gmelin, Helmut Donat, Lothar Eberhardt, Detlef Garbe, Winfried Heinemann, Ralph Giordano,  Klaus-Detlev Godau-Schüttke, Norbert Haase, Gerd Hankel, Johannes Klotz, Jakob Knab, Günter Knebel, Helmut Kramer, Kerstin von Lingen, Walter Manoschek, Manfred Messerschmidt, Ingo Müller, Günter Saathoff, Christian Streit, Rolf Surmann, Volker Ullrich, Hans-Jochen Vogel und Wolfram Wette

Mehr Infos

Aus dem Inhalt: Beiträge von M. Messerschmidt

  • Meine Erfahrungen als Soldat 1944/45
  • Das Verhältnis von Wehrmacht und NS-Staat und die Frage der Traditionsbildung
  • Die Wehrmachtsjustiz gegen „Zersetzer“ und Pazifisten
  • Militärkritik in der „Weltbühne“
  • Zur Aufhebung des Todesurteils gegen Franz Jägerstätter
  • „Aus heutiger Sicht ist die Desertion auch ein Stück Widerstand“ – Laudatio für Ludwig Baumann

Quelle: neu.bv-opfer-ns-militaerjustiz.de

Manfred Messerschmidt bei Neuer Weg

Das NS-Unrecht revidieren – Manfred Messerschmidt zum 100. Geburtstag: Damit hat keiner gerechnet – selbst Bundesverteidigungsminister Helmut Schmidt nicht. Im Jahre 1970, die sozial-liberale Koalition war kaum ein Jahr im Amt, hatte der neue Verteidigungsminister den Historiker und Juristen Manfred Messerschmidt in die Position des „Leitenden Historikers“ im Militärgeschichtlichen Forschungsamt (MGFA) berufen und ihn zum „Direktor und Professor“ ernannte. Die Wahl, vor dem Hintergrund der reformorientierten Koalition unter Bundeskanzler Willy Brandt gegen die Willen der konservativen Militärs zustande gekommen, sollte sich als außerordentlicher Glücksfall erweisen (...). Von Sebastian Sigler, tabularasamagazin.de 03.09.2026 neu.bv-opfer-ns-militaerjustiz.de

Autoreninfos

Manfred Messerschmidt (1926 - 2022) war ein deutscher Militärhistoriker und Jurist. Er war Autor von Standardwerken zur Militärgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, hier insbesondere des Nationalsozialismus. Messerschmidt gilt als einer der bedeutendsten Militärhistoriker Deutschlands nach 1945 und als Begründer der kritischen Militärgeschichte in Deutschland. Wikipedia (DE) (30.09.2026) Er war langjähriges Beiratsmitglied der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas. 

Wolfram Wette (* 11. November 1940 in Ludwigshafen am Rhein) ist ein deutscher Historiker und Friedensforscher. Er ist Mitbegründer des Arbeitskreises Historische Friedensforschung (AHF) und Mitherausgeber der Reihe Geschichte und Frieden sowie des Jahrbuchs für Historische Friedensforschung (2001 umbenannt in Frieden und Krieg). Wette ist Mitglied des Förderkreises des pazifistischen Arbeitskreises Darmstädter Signal Er ist Ehrenprofessor der russischen Universität in Lipezk. Im Verein Kontakte-Контакты e. V. – Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion (Berlin) ist er im Beirat aktiv. Er war unter anderem für Die Zeit publizistisch tätig. 

Wikipedia (DE): Wolfram Wette

Wolfgang Benz, Prof. Dr., geb. 1941, ist einer der renommiertesten deutschen Zeithistoriker. Er lehrte von 1990 bis 2011 an der Technischen Universität Berlin und leitete das Zentrum für Antisemitismusforschung an der TU. In seinen Forschungen und Veröffentlichungen beschäftigt sich Wolfgang Benz mit Vorurteilen und ihren Ausprägungen in Antisemitismus, Antiziganismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus und veröffentlichte zahlreiche Standardwerke zur Geschichte des Nationalsozialismus. 1992 erhielt er den Geschwister-Scholl-Preis, 2012 wurde er mit dem Preis des Vereins "Gegen Vergessen – Für Demokratie" ausgezeichnet.

Wikipedia (DE): Wolfgang Benz

Christian Streit, Historiker, lebt in Heidelberg. 1978 erschien seine Dissertation »Keine Kameraden. Die Wehrmacht und die sowjetischen Kriegsgefangenen 1941–1945« in einer Schriftenreihe des renommierten Münchner Institutes für Zeitgeschichte und löste Ungläubigkeit, Abwehrreflexe und hasserfüllte Leugnung aus.

Volker Ullrich (* 21. Juni 1943 in Celle) ist ein deutscher Publizist und Historiker.

Wikipedia (DE): Volker Ullrich (Historiker)

Erstellt: 30.09.2026 - 11:11  |  Geändert: 30.09.2026 - 11:48